Indien-Blog (1) : "Geliebtes Indien, wir sind angekommen"

1500 Kilometer will Christina Franzisket gemeinsam mit einer Freundin durch Indien reisen, um den Mythos des Ganges zu ergründen. In ihrem Blog berichtet sie von ihren Abenteuern. Heute: Die Ankunft in Indien.

Christina Franzisket
Unterwegs auf den Straßen Indiens.
Unterwegs auf den Straßen Indiens.Foto: Christina Franzisket

Mein Schweiß benetzt beim Schreiben die Tastatur, es sind feuchte vierzig Grad. Das ständige Hupen des Verkehrs dröhnt in meinem überhitzten Schädel. Geliebtes Indien, wir sind angekommen.
Das erste, was wir nach unserer Ankunft in New Delhi lernen, ist das Loslassen. Todesmutig besteigen wir ein Taxi. Unser Leben liegt nun in der Hand eines zahnlos grinsenden Inders, der auch noch auf der rechten Seite am Steuer sitzt. Die Briten haben zwar den Linksverkehr hier gelassen, doch ihre Verkehrsregeln mitgenommen. Das Fahren auf Indiens Straßen, ob mit dem Auto, dem Bus, einem Tuktuk (Motorradrikscha) oder gar einer traditionellen Rikscha gleicht einem Abenteuer. Den Spuren und Ampeln wird keine Beachtung geschenkt, der Blinker ist nur Zierde. Hupe und Vollbremsung sind die einzigen Hilfsmittel.

Auf der Rückbank wechseln sich bei uns Erschrecken und Erleichterung im Sekundentakt ab. Doch nichts passiert. Wie nach einer Geisterbahnfahrt, doch unversehrt liefert uns der freundliche Fahrer an unserem Hotel ab. Trotz des scheinbar undefinierbaren Chaos folgt der indische Verkehr nämlich einer klaren Hackordnung: Der Größte hat immer Vorfahrt. Wer so arm ist und sich kein Gefährt leisten kann, hat als Fußgänger eben Pech gehabt.

Pause muss sein.
Pause muss sein.Foto: Christina Franzisket

In Indien braucht alles seine Zeit. Das Motto heißt: "Don’t hurry - have a Curry." Wer ungeduldig ist, bestraft sich selbst. Wir müssen unsere Gelassenheit beweisen: Beim Einchecken, bei abendlichen Verabredungen und vor allem beim Warten auf unser Essen im Restaurant - selbst, wenn wir am Verhungern sind.

Als weiße, blonde Langnasen haben wir eine Schar von Begleitern, sobald wir das Hotel verlassen. Jeder von ihnen meint genau zu wissen, was wir wollen (müssen). Sie möchten uns herumführen, zum Shoppen oder zur Touristeninformation bringen oder uns in einer Rischka umherfahren. Manche wollen auch einfach nur wissen, woher wir kommen, ob wir verheiratet sind und wo unsere Ehemänner abgeblieben sind. Wer ruhig bleibt, entschieden "no" sagt und mit einem Lächeln auf den Lippen seines Weges geht, kann die Schar abschütteln. Denn hinter den scheinbar freundlichen Absichten steckt immer die Hoffnung auf ein gutes Geschäft. Wenn wir wirklich Hilfe brauchen, so haben wir schnell gelernt, Leute anzusprechen, die uns nicht ihre Hilfe anbieten.

Auch an die Nächte müssen wir uns gewöhnen. Die erste Nacht in Delhi in einem Zimmer des YMCA Tourist Hotels werden wir so schnell nicht vergessen. Die Klimaanlage machte aus unserem Nachtlager einen Kühlschrank, in dem ein LKW ratternd und dröhnend seine Runden zu drehen schien. Etwas gerädert geht es nun auf den Weg nach Old Delhi, wo wir die größte Moschee Indiens, die Jama Masjid besichtigen wollen. Danach geht es weiter nach Jaipur im Bundesstaat Rajasthan.

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