Kurhotel ohne Kompromisse : Wo Ruhe in den Körper rinnt

Ayurveda-Kuren haben auf Sri Lanka eine lange Tradition. Der Tagesablauf ist gewöhnungsbedürftig. Eine Selbsterfahrung.

Stefanie Bisping
Stelzenfischer an der Südküste Sri Lankas gehen heute weniger auf Meeresgetier. Vielmehr angeln sie Touristen, die für dieses Fotomotiv oft zur Kasse gebeten werden.
Stelzenfischer an der Südküste Sri Lankas gehen heute weniger auf Meeresgetier. Vielmehr angeln sie Touristen, die für dieses...Foto: R. Kiedrowski, p-a

Eigentlich müsste man nur locker ein Stück die Küste hinabfahren. Nach einer guten Stunde wäre man dann an der Südspitze angelangt: im Hotel, wo das Klirren von Eiswürfeln in Gläsern den Sprung in den Swimmingpool akustisch begleitet, während die Abendsonne die Landschaft in warme Farben taucht. Doch die Insel heißt Sri Lanka, Indien ist nahe, und so muss sich das Auto durch einen zähen Strom von Tuk-Tuks, klapprigen Lieferwagen, suizidalen Mofafahrern und streunenden Hunden arbeiten. Mehr als drei Stunden dauert das.

Über das Barberyn Beach Hotel in Weligama hat sich längst die Nacht gesenkt. „Möchten Sie Kräuter- oder Schwarzen Tee?“, singt freundlich der Kellner im Restaurant. Am liebsten ein Bier, es war ein langer, heißer Tag. Erstaunt blicken die Augen des Kellners ob dieser seltsamen Anfrage. „Nein“, sagt er, „das gibt es hier nicht.“

Das Barberyn Beach Resort ist ein Kurhotel ohne Kompromisse. Nicht eines jener Häuser, in denen eine Bar für Begleiter und für Undisziplinierte bereitsteht, für Unterbrechungen und letzte Abende, wo Steaks gegrillt und Gin Tonics vernichtet werden. Das strenge Beach Resort, das hoch auf einer Klippe thront, schützt seine Gäste vor Ausschweifungen: keine Bar. Nicht mal eine Minibar mit kalter Cola.

Und im Zimmer hält keine Klimaanlage Insekten auf Distanz. Die Balkontüren bleiben geschlossen. Wegen Angst vor Schlangen. Auch wenn es warm ist im Zimmer. Und der Urwald in sicherer Entfernung unterm Balkon zu ruhen scheint. Doch wer Reptilien fürchtet, hört häufig Mordsgeschichten, wohin diese Viecher überall vordringen. Anne aus Köln berichtet bei Tisch, wie sie bei früheren Aufenthalten Schlangen sich von Bäumen ringeln sah. Ungiftige zwar. Aber für Ängstliche wie mich ist jede Schlange gefährlich – allein durch ihre Existenz.

Das Frühstücksbüfett bewacht Ayurveda-Ärztin Dr. Pushpa. Im gelben Sari, mit freundlichen Augen und dunklem Haarknoten, sieht sie gütig aus in ihrer Strenge. Bis zur Konsultation mögen sich die Neuankömmlinge frei vom vegetarischen Büfett bedienen, sagt sie. Dann werde man alles Weitere klären. Andere Gäste nehmen geheimnisvolle Tinkturen zu sich und füllen große Thermoskannen mit heißem Wasser. Zwar bringt der Zimmerservice jeden Morgen zwei frische, dampfende Liter, doch damit kommt nicht jeder aus.

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