Audienz im Vatikan : Warten auf weißen Rauch

Rom vor Reisewelle nach Rücktritt des Papstes.

Johanna Uchtmann
Touristenmagnet. Der Vatikan ist ein beliebtes Reiseziel – nicht nur für die Papst-Bewunderer.
Touristenmagnet. Der Vatikan ist ein beliebtes Reiseziel – nicht nur für die Papst-Bewunderer.Foto: dpa

Touristen müssen sich um Vatikan-Reisen, die für die Zeit unmittelbar nach dem Papst-Rücktritt geplant waren, keine Sorgen machen. Die Trips finden trotz der überraschend verkündeten Amtsaufgabe von Papst Benedikt XVI. statt. „Man muss schauen: Was ist dann möglich, was nicht?“, sagt Georg Röwekamp, Geschäftsführer von Biblische Reisen in Stuttgart, mit Blick aufs Reiseprogramm.

Höchstens einen Monat dürfte die Phase der Sedisvakanz dauern, also die Zeit, in der es keinen Papst gibt. Sie beginnt mit dem Rücktritt am 28. Februar um 20 Uhr und endet spätestens Ostern Ende März. „Wir haben genau parallel zum Konklave eine Reisegruppe dort“, sagt Röwekamp. Auf dem Programm stand eigentlich auch eine Audienz beim Papst – die muss entfallen. „Aber das passiert ohnehin manchmal.“ Denn Reisen zum Papst werden früh geplant. Daher kann es immer sein, dass der Heilige Vater zum Zeitpunkt der Reise im Ausland ist oder aus anderen Gründen keine Zeit hat. Eine Garantie auf die Begegnung geben Reiseveranstalter daher in der Regel nicht.

Fällt eine geplante Audienz aus, reagieren die Urlauber nach Röwekamps Erfahrung sehr unterschiedlich. Einige seien schwer enttäuscht, andere hätten den Termin ohnehin geschwänzt und den halben Tag lieber in der Stadt verbracht.

Röwekamp sieht für Touristen sogar besondere Chancen im Papst-Rücktritt: Die Reiseführerin des für März geplanten Trips werde an Ort und Stelle entscheiden, was die Gruppe während des Konklaves mache, sagt Röwekamp. „Vielleicht will man ja ein paar Stunden auf dem Petersplatz warten, bis weißer Rauch kommt.“ Dertour, in Deutschland Marktführer bei den Städtereisen, rechnet damit, dass der Rücktritt des Papstes eine „Rom-Reisewelle“ auslösen wird. Nach Überzeugung von Frank Götze, bei Dertour für die Kurzreisen verantwortlich, ist die Amtsübergabe von Papst zu Papst für Katholiken ein einmaliges Ereignis. Deshalb habe man das Angebot an Romreisen sofort aufgestockt, sagt Götze. Papst Benedikt XVI. habe ohnehin in der Vergangenheit die Zahl der deutschen Romtouristen steigen lassen. Nun werde es viele geben, die ihn noch einmal sehen wollen.

Vor allem die Teilnahme an der Generalaudienz mit dem Papst dürfte nun noch gefragter sein als je zuvor: Am Mittwoch (13. Februar) ist wieder ein Termin, auch für den 27. Februar, ein Tag vor der Amtsaufgabe Benedikts XVI., gebe es eine, so Götze. „In den vergangenen Wochen hat sie immer stattgefunden.“ Aber auch zum Konklave dürfte es großes Interesse an Reisen nach Rom geben. „Wir bauen dann die Kapazitäten aus.“

Und wenn der neue Papst erst auf dem Stuhl Petri sitzt, dürfte es noch nicht vorbei sein: „Rom ist bei uns ohnehin unter den Top Ten bei den Städtereisen“, erklärt Götze. „Aber der Papst ist ein so riesiges Thema, da gibt es auch einen Nachzieheffekt.“ Und das soll heißen: Weil alle jetzt vom Papst reden, wird Rom als Reiseziel noch attraktiver.

Üblicherweise haben Veranstalter für Anfang März kaum Reisen in den Vatikan geplant. Denn die beliebteste Zeit für Besuche beim Papst sei Ostern, sagt Margareta Fesslmeier, Geschäftsführerin von FE Reisetouristik, die sich auf Vatikan- Reisen spezialisiert haben. Dann soll es bereits einen neuen Papst geben. Vielen Touristen macht es nach Einschätzung von Fesslmeier nicht so viel aus, wenn die Audienz nicht mehr bei Papst Benedikt XVI. ist. „Die Leute möchten ja den geistlichen Segen – und den bekommen sie, ganz gleich wie der Papst heißt.“

Anspruch auf eine Entschädigung oder auf die Erstattung eines Teils des Reisepreises haben Urlauber, die die Papstaudienz gebucht haben, nach Ansicht des Reiserechtlers Paul Degott aus Hannover nicht. „Es ist wie mit der Schneesicherheit.“ Sichert der Veranstalter etwas zu, das er nicht einhält, kann der Reisende das Geld dafür zurückverlangen. Ist die Audienz aber nur ein Programmpunkt, der nicht fest garantiert ist, muss der Veranstalter kein Geld erstatten.

Ein beliebtes Ziel für Papst-Bewunderer ist Ratzingers bayerischer Geburtsort Marktl am Inn. „Wir warten einfach mal ab, was da kommen wird“, sagt Elisabeth Schlosser, die im Tourismusbüro des Ortes arbeitet. Bevor Ratzinger Papst wurde, habe es in Marktl so gut wie keinen Tourismus gegeben. Im ersten Jahr seiner Amtszeit seien dann etwa 200 000 Besucher gekommen, sagt Schlosser. „Marktl wird auch eine Stätte der Begegnung bleiben. Weil hier ja nun mal ein Papst geboren wurde. Das kann uns keiner mehr nehmen.“

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