Reise : Bacchus schenkt ein

Am Kaiserstuhl führen Wege durchs Weinland – und in gemütliche Schenken

Detlef Berg
Pralle Früchte. Aus ihnen wird später ein – vielleicht preisgekrönter – Spätburgunder.
Pralle Früchte. Aus ihnen wird später ein – vielleicht preisgekrönter – Spätburgunder.Foto: dpa

Die Familie von Fritz Keller lebt schon lange in dem kleinen Weinort Oberbergen. Er führt in vierter Generation ein weit über die Landesgrenzen bekanntes Familienunternehmen mit Weingut und Restaurants. „Wenn man wie ich viel reist und dann wieder nach Hause zurückkommt, merke ich immer wieder, in welchem Paradies wir hier wohnen“, sagt er. „Mir geht das Herz auf, wenn ich von der Autobahn komme, einen Waldabschnitt durchfahre und dann in das sich öffnende, hufeisenförmige Tal des Kaiserstuhls eintauche.“ Und in der Tat – der zwischen Schwarzwald und Vogesen gelegene Kaiserstuhl, der sich wie eine Insel aus der Ebene des Oberrheintals erhebt, zählt zu den schönsten Ecken Deutschlands. Bis zu 557 Meter ragt das aus heftigen vulkanischen Aktivitäten entstandene Massiv aus dem Rheintal auf. An seinen sanft abfallenden, terrassenförmigen Hängen gedeihen Reben, aus denen die Winzerbetriebe Weine besonderer Güte keltern. Denn Bacchus hat es gut gemeint mit der Region – hier vereinen sich fruchtbare Lössböden, vulkanisches Gestein und ausgezeichnete klimatische Bedingungen.

Der Kaiserstuhl ist von der Sonne verwöhnt, und die Region ist auch die wärmste in Deutschland. Hinzu kommen Winzer, die das Beste aus den Weinreben holen. Fritz Keller ist nur einer von ihnen. 1990 übernahm er das Weingut „Schwarzer Adler“ von seinem Vater Franz. Der war in den 80er Jahren ein Pionier durchgegorener Weine und hat eine ganze Generation junger Winzer geprägt. Sein Sohn Fritz hat diesen Weinstil weiter vervollkommnet. Vor allem die für den Kaiserstuhl typischen Burgunderarten sind voller Saft und Kraft und zählen auch international zu den großen Weinen.

Joachim Heger keltert ebenfalls wuchtige und trockene Grau- und Weißburgunder, und seine rassigen Spätburgunder werden von Weinkennern hoch gelobt. Sein Weingut, das er in dritter Generation führt, liegt in Ihringen am südlichen Zipfel des Kaiserstuhls. Hier ist das Klima fast mediterran, sogar wild wachsende Kakteen fühlen sich hier wohl.

Zahlreiche Naturlehrpfade rund um Ihringen machen mit der einzigartigen Vielfalt von Pflanzen und Tieren bekannt. Allein 33 der 55 in Deutschland heimischen Orchideenarten können hier entdeckt werden. Auch seltene Vögel wie Pirol, Bienenfresser, Neuntöter, Nachtigall oder Wiedehopf sind hier zu Hause. Hinzu kommen Tiere wie Smaragdeidechse, Gottesanbeterin, Hirschkäfer oder Röhrenspinne sowie Schmetterlingsarten wie das Taubenschwänzchen.

Lohnenswert ist ein Besuch des Forstlichen Arboretums, das mit einem Wald mächtiger Mammutbäume beeindruckt. Für Kinder und Familien eignen sich die beiden thematischen Wege „Mit Wendelin Wiedehopf durch den Weinberg“ und „Mit Hummel Hertha durch die Obstgärten“. Dabei sind jeweils sieben Stationen zu durchlaufen, die auf anschauliche Art mit Geheimnissen der Natur vertraut machen.

„Natur und Wein“ – das ist das Motto des Rundwegs durch den Vulkanfelsgarten im Winklerberg. Der Pfad führt vorbei am Alten Rebhäusle, dem Winklerbergbrünnele und einem historischen Treppenweg, allesamt Zeugnisse einer alten Weinkultur.

Einen Weinlehrpfad hat auch das historische Winzerstädtchen Burkheim zu bieten. „Dort erfahren Sie alles über Lagen, Rebsorten, Rebpflege und Anbaumethoden“, sagt Dominik Schweizer, der es mit 28 Jahren schon zum Kellermeister der renommierten Winzergenossenschaft Burkheim gebracht hat. „Am Anfang gab es bei der älteren Generation viel Kopfschütteln, als wir die Hälfte der Trauben weggeschnitten haben“, berichtet Schweizer.

Doch zum Wohl der Qualität der Trauben sei diese Ertragsreduzierung einfach notwendig, erklärt er Besuchern bei den regelmäßigen Kellerführungen. „Am Abend sollten Sie am Nachwächterundgang teilnehmen“, empfiehlt er. „Der beginnt am historischen Torhäusle und führt bei Laternenlicht durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen Burkheims.“ Unterwegs hören die Teilnehmer etwa, wie der Kaiserstuhl zu seinem Namen kam.

Er geht vermutlich auf den deutschen Kaiser Otto III. zurück, der 994 hier einen Reichsgerichtstag abgehalten haben soll. Burkheim selbst präsentiert sich als herausgeputztes Kleinod mit unzähligen schiefen Fachwerkhäusern. Und etwas versteckt im Kirchgässle liegt das vielleicht kleinste und ungewöhnlichste Museum Deutschlands, das Korkenziehermuseum.

Geschichte erleben kann man auch in der Europastadt Breisach. Schon von weitem zeigt sich der Münsterberg, der 35 Meter aus der Rheinebene ragt. Auf ihm thront das Wahrzeichen der Stadt, das romanische Stephansmünster. Berühmt ist vor allem der geschnitzte Hochaltar.

Weil gute Küche und Gastlichkeit schon immer typisch für den Kaiserstuhl waren, kann man sich überall in den Winzerdörfern an gut gedeckte Tische setzen. Das Angebot reicht von einfachen Straußenwirtschaften über eine bodenständige Landgastküche bis hin zu Gourmetspezialitäten. „Die Liebe zur Region geht auch über die Kulinarik“, bestätigt Fritz Keller. „Wir haben ausgezeichnete regionale Produkte – darauf müssen wir uns wieder stärker besinnen. Dazu gehören der sensationelle Gemüseanbau in der Rheinebene und eine tolle Viehzucht im Schwarzwald. Nicht zu vergessen die Weine.“ Und wer im Herbst am Kaiserstuhl ist, sollte unbedingt einmal an einer Weinlese mit zünftiger Vesper teilnehmen. Danach schmeckt der Wein meist nochmal so gut. (dpa)

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