Balearen : Schöne Schwestern

Die kleinen Baleareninseln stehen im Schatten von Mallorca. Zu Recht emanzipieren sie sich allmählich von der großen Nachbarin.

Hella Kaiser
Balearen Foto: Visum
Malerischer Ankerplatz. Der Hafen von Ciutadella auf Menorca wirkt im Abendlicht besonders verträumt. -Foto: Visum

Mallorca hat bei den deutschen Touristen die Nase vorn. Das konnten, einmal mehr, Vertreter der vier Baleareninseln jetzt in Berlin vermelden. 3,6 Millionen Deutsche haben die Mittelmeerinsel im vergangenen Jahr besucht. Auf die kleineren Schwestern Ibiza und Formentera kamen knapp 286 000 deutsche Urlauber, auf Menorca wurden nur 93 000 gezählt. Schade, findet das Neus Tur Riera vom Tourismusverband Ibiza/Formentera. Denn Ibiza sei längst nicht mehr nur als Ziel für junge wilde Partygäste interessant. 56 Strände hat die Insel zu bieten, dazu einen hügeligen, grünen Norden mit phänomenalen Steilküsten und im Landesinneren schöne Landhotels. „Viele Touristen möchten nur am Strand liegen“, bedauert Neus Tur Riera und fügt hinzu: „Manche haben sich nicht mal in unserer Hauptstadt umgesehen.“ Dabei wurde Ibiza Stadt 1999 von der Unesco ins Weltkulturerbe aufgenommen. Inzwischen seien viele Gebäude restauriert worden und interessante Museen warteten auf Besucher. Außerdem: „Unser mittelalterliches Stadtfest!“ Im Mai findet es statt, und alle Bewohner seien dann entsprechend der Epoche verkleidet.

David Vidal vom Menorca-Tourismus findet allerdings, dass das mittelalterliche Stadtfest in Mahon, der Hauptstadt Menorcas, viel interessanter sei. „Unseres hat wirklich eine lange Tradition“, betont er, während die Ibiza-Fiesta erst seit 2004 gefeiert werde und nun ja, nur eine Kopie sei. Und sonst? Wunderschöne Buchten mit feinsandigen Stränden habe Menorca – und die megalithischen Monumente. Fast 300 kann man auf der Insel besichtigen, darunter die rätselhafte Taula, bestehend aus enorm großen Steinen, die in Form eines T aufeinanderliegen. Altäre oder Stätten für den Sonnenkult? Der Ursprung der Taula liegt im Dunklen. Ciutadella, die alte Stadt im Westen, müsse man sehen, knapp 45 Kilometer entfernt von Mahon (mit Flughafen) im Osten der Insel. Und noch zwei andere Dinge seien einzigartig auf Menorca: der köstliche Käse Mahon – und die Ses Avarques, rustikale Sandalen aus mit Chrom gegerbten Kalbsleder. „Königin Sofia liebt sie und trägt sie, so oft sie kann“, sagt David Vidal stolz.

Dass es auf Menorca kein Nachtleben gibt, sei eine Mär. Der Club „Sa Cova den Xoroi“, auf einer Klippe gelegen, sei sogar einer der schönsten der Balearen. Aber in puncto Party bis zum Morgengrauen ist Ibiza eben doch unschlagbar. „Wir bewerben das nicht mehr so“, sagt Neus Tur Riera, „aber natürlich haben wir viele spannende Diskotheken.“ Das legendäre „Pacha“, gegründet 1975, gebe es immer noch, aber längst seien weitere, noch größere dazugekommen.

Natürlich entwickelt sich auch Mallorca ständig weiter. Neue Fahrradstrecken wurden ausgewiesen und neue Wanderwege beschildert. Sogar Wanderhotels gibt es inzwischen, neben dem immer weiter wachsenden Übernachtungsangebot auf Fincas im Inselinneren. Und in der Hauptstadt Palma öffnen beständig neue Designhotels in ehrwürdigen Mauern.

Trotzdem: Die kleineren Baleareninseln sind zu Recht dabei, sich aus dem Schatten der großen Nachbarin Mallorca herauszuschälen. Nicht zuletzt das kleine Formentera, dessen Strände Neus Tur Riera so schön findet, dass die Ibizenquerin selbst in jedem Jahr ein paar Tage dort verbringt. Im Mai etwa sei es da traumhaft ruhig. „Im Sommer kommen viele Italiener nach Formentera“, erzählt sie. Und von denen weiß man schließlich, dass sie sich auf der ganzen Welt nur die schönsten Ecken herauspicken.

Auskunft: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Kurfürstendamm 63, 10707 Berlin, Telefon: 030 / 882 65 43,

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben