Basilikata : Erst Jesus, dann James Bond

Warum die süditalienische Provinz Basilikata Regisseure aus aller Welt in den Bann zieht.

Hella Kaiser

Im Drehbuch für den neuen James- Bond-Film steht eine wahnwitzige Verfolgungsjagd in einem weit verzweigten, düsteren Höhlensystem. Wahrscheinlich wird Darsteller Daniel Craig für diese Szene nach Süditalien reisen müssen. Die Location-Scouts haben sich jedenfalls in der Region Basilikata schon umgesehen und waren entzückt von der Welt unter Tage rund um die Provinzhauptstadt Matera. Die meisten Regisseure reizte bisher allerdings eher, was überirdisch zu sehen war. „Wenn man Basilikata sieht, sieht man Felder, Weinberge und wunderschöne Landschaftsstriche. Man sieht die Welt so, wie sie sein sollte“, schwärmte Francis Ford Coppola. Er ist allerdings voreingenommen, denn sein Großvater stammte aus dieser Gegend. Und der war Heimat und Beruf so verhaftet, dass er später sogar in einem New Yorker Keller das Keltern probierte, erzählt Coppola schmunzelnd.

Filmemacher Brunello Rondi fand in Basilikata „ein spirituelles Ambiente“ und entdeckte verzückt „eine ruhige Gegend, die zu schweben scheint und wo die verborgenen menschlichen Züge, urzeitliche Merkmale des Menschen und seine furchtbare Unrast gleichsam im Rohzustand zu Tage treten“. Sein Kollege Pier Paolo Pasolini urteilte dagegen: „Elendige Ortschaften, kahl schmucklos und überhaupt nicht spektakulär. Und dennoch voll von Spiritualität.“ Hingerissen aber waren sie alle von dieser Provinz, die sonst so wenig von sich reden macht.

Von 1950 an bis heute sind 36 Filme in Basilikata gedreht worden. „Die Region mit ihren knapp elftausend Quadratkilometern birgt die gesamte Vielfalt der italienischen Landschaft in sich“, heißt es in einer Touristikbroschüre. Und sie hat biblisches Potenzial. 1964 drehte Pier Paolo Pasolini hier „Das erste Evangelium – Matthäus“, 1979 entstand Francesco Rosis Streifen „Christus kam nur bis Eboli“, und Mel Gibson fand hier die passende Kulisse für „Die Passion Christi“ (2004). „Einige Teile der Stadt sind zweitausend Jahre alt und gleichen sehr dem Bild dessen, was Judäa gewesen sein muss“, sagte der amerikanische Regisseur. Und nutzte die Kulissen für sein grausames Kinospektakel.

Seitdem kann man in Matera die Pasta so essen, wie Mel Gibson sie am liebsten mochte: Fettuccine mit gebratenen Zwiebeln, Bohnenmus, Pilzen und Tomaten. Du lieber Himmel, Fettuccine. Als hätten sie hier im Süden nicht ganz andere Genüsse zu bieten. Seebarsch mit lukanischen Malvasia-Trauben zum Beispiel, Kastanien-Bohnensuppe oder Schaffleisch mit Sellerie. Als hätte auch Obelix hier einen Auftritt zu bestehen, hat man ein Omelette mit 30 (!) Eiern kreiert. Am Morgen eines jeden Ostermontags wird es – traditionell seit Hunderten von Jahren – serviert.

Im Kino von Matera aber spielen sie nicht die Streifen, die am Ort gedreht worden sind. Hier läuft nur das, was im internationalen Verleih angesagt ist. Trotzdem kann man dem Film hier sehr nahe kommen, bald sogar im Schlaf. In Bernalda, einer kleinen Ortschaft unweit von Matera, hat Francis Ford Coppola einen Palast aus dem 19. Jahrhundert gekauft, den er zu einem eleganten Suitenhotel umbauen lässt. Bis zur Eröffnung kann man sich im spektakulären Sassi-Hotel einmieten. Die zwanzig Zimmer befinden sich in einem Höhlensystem, das auch versteckte Terrassen und Höfe offeriert. (www.hotelsassi.it, Doppelzimmer ab 87 Euro).

Matera gehört zum Weltkulturerbe der Unesco, und viele der in die sanfte Landschaft eingebetteten Dörfer sind bilderbuchschön. In Maratea steht eine 28 Meter hohe Christus-Statue, die in ihrem Ausmaß nur noch von jener in Rio de Janeiro übertroffen wird.

Basilikata – eine Gegend, durch die man als Engel schweben kann. Ganz real. In den lukanischen Dolomiten bei Castelmezzano kann man an einem über einen Kilometer langen Seil – in 500 Meter Höhe – entlangsausen. 28 Euro kostet der Flug. (www.volodellangelo.com).

Basilikata hat die unterschiedlichsten Persönlichkeiten angezogen. Der griechische Mathematiker und Philosoph Pythagoras gründete hier im 5. Jahrhundert vor Christus eine religiös-politische Gemeinschaft, Friedrich II. besaß zwei Schlösser in der Region. Seinen Gästen soll der Kaiser gesagt haben: „Es ist offensichtlich, dass der Gott der Juden diese Natur und dieses Land nicht kannte, denn sonst hätte er seinem Volk nicht Palästina als Gelobtes Land versprochen …“

Zu den Schätzen von Basilikata gehören auch die Strände entlang der Ionischen Küste. Und hier ist man, vielleicht, auch vor den internationalen Location- Scouts sicher.

Auskunft: Italienische Zentrale für Tourismus Enit, Friedrichstraße 187, 10117 Berlin, Telefon: 030 / 247 83 98, E-Mail: enit-berlin@t-online.de.

Über die Homepage www.enit.de kann man unter der Rubrik „Prospekte“ Broschüren über italienische Regionen und eben auch über Basilikata anfordern. Die Provinz präsentiert sich im Internet unter: www.aptbasilicata.it

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