Reise : Bildung, bitte – als Lektor an Bord

Bernd Mackowiak
Gern gesehen wird es, wenn der Lektor mit zum Landausflug kommt. Foto: Hapag-Lloyd
Gern gesehen wird es, wenn der Lektor mit zum Landausflug kommt. Foto: Hapag-Lloyd

Unterhaltung an Bord – ein Muss. Doch die fällt ganz unterschiedlich aus. Auf vielen Kreuzfahrtschiffen ist zum Beispiel Bildung fester Bestandteil des Programms. Gute Lektoren sind gefragt, und die Reedereien müssen selten lange suchen. Denn die Mitreise ist für die Experten der unterschiedlichsten Wissensgebiete lukrativ: interessante Zielgebiete kennenlernen, ein überschaubarer Arbeitsaufwand und das bei freier Kost und Logis, wo gibt es das sonst? „Bildung“, dargereicht in Vorträgen mit Powerpoint-Präsentation oder anderen zeitgemäßen Medien, wird von Passagieren gut angenommen. Denn: Entspannung auf hoher See ist eine feine Sache; steht allerdings kein Landgang an, schaut sich der Gast schon bald nach anderer Beschäftigung um. Informationsprogramme im Bordfernsehen – gut und schön, doch nichts geht schließlich über den direkten Kontakt zum Vortragenden aus Fleisch und Blut, über die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu diskutieren.

Und eigentlich haben Lektoren an Bord leichtes Spiel. Schiffe sind schließlich sozusagen ein „geschlossenes System“. Der Lektor braucht nur ein spannendes Thema und muss Freude am Erzählen haben. Dann ist der Erfolg garantiert, trotz der unvermeidlichen Konkurrenz parallel laufender Angebote.

Wenn auch nicht immer die Reiseziele den Lektoren die Themen vorgeben, ist es doch von Vorteil, wenn die Vorträge mit dem Fahrtgebiet in Verbindung stehen. Etwa im östlichen Mittelmeer. „Die ägyptischen Pyramiden – Gräber oder Fahrstühle zu den Sternen?“ Wer wollte sich das nicht anhören vor dem Ausflug nach Giseh? „Vulkanismus und Plattentektonik im Mittelmeer“ wird beim Besuch der Caldera von Santorin manchen Seefahrer erschauern lassen. Das Interesse der Passagiere an Bord der „Albatros“ war so enorm, dass kaum noch Platz im Showroom zu finden war.

Ob es denn auch noch einen landeskundlichen Vortrag über Sizilien geben könnte? Der stand nicht auf dem vereinbarten Programm und Bilder waren per Internet wegen der langen Übertragungswege nur schwer zu erhalten. Also Vortrag nur zum Zuhören gehalten – mit überraschend überwältigendem Erfolg und dem Kompliment: „Schön, einfach mal nur zuzuhören!“ Bernd Mackowiak

Der Tagesspiegel-Wissenschaftsautor war als Lektor an Bord der „Albatros“

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