Binnenmuseum von Möthlow : Von der Wabe auf die Stulle

Im Bienenmuseum von Möthlow im Havelland erfahren Besucher alles über Honig – und mehr.

Stefan Woll
Eine flotte Biene – was sonst? – begrüßt die Besucher im Möthlower Museum, wo sich alles um den natürlichen Süßstoff und seine Gewinnung dreht.
Eine flotte Biene – was sonst? – begrüßt die Besucher im Möthlower Museum, wo sich alles um den natürlichen Süßstoff und seine...Foto: Britta Pedersen

In der Veranda hängt noch die Urkunde vom 6. Juni 1961, die ihn als Gärtnermeister ausweist, ausgestellt vom Ministerium für Land- und Forstwirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik, verliehen Henri Kraatz, geboren 1935 in Möthlow, aufgewachsen in Möthlow und bis heute geblieben in Möthlow. Über der Tür zu seiner Wohnstube dann im kleinen Holzrahmen jener Spruch, der Albert Einstein zugeschrieben wird: „Wenn die Bienen plötzlich verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.“ Die Warnung vor der Apokalypse ist auch die mahnende Botschaft, die Kraatz mit seinem Bienenmuseum im havelländischen Luch aussenden will, dort, wo der engere Metropolenraum Berlins in viel plattem Land ausläuft.

Was vor mehr als 35 Jahren mit einem leidlich erhaltenen Bienenkorb begann, hat sich unterdessen zu einer ganz eigenwilligen Mischung aus Sammlung, Wunderkammer und Heimatmuseum ausgewachsen. Nicht weniger als 950 Exponate mit Bezug zur Imkerei beherbergt heute die ehemalige LPG-Futterlagerhalle am Dorfrand: Honigschleudern, die älteste von 1865, zwei angetrieben von Trabbi-Wischermotoren, unzählige Bienenwohnungen, Modelle und Bilder zur Geschichte der Imkerei, Fachbücher, Schautafeln, die das kurze Leben der Sommerbienen illustrieren, Kleinwerkzeuge und Rauchpfeifen, Schaustücke, die die Honigbiene als Rohstofflieferanten für Körperpflege, Gaumenfreuden und mehr zeigen: „Alles voll bis unter die Decke.“

Die Liebe zur Biene hat der bodenständige Hobby-Imker von seinem Vater mitbekommen, der ihm 1973 nicht weniger als 28 Bienenvölker hinterließ. War der noch Standimker ohne Wanderfahrzeuge gewesen, so hat Henri dann Wanderwagen angeschafft – „Zugmaschine ran und die Bienen umgesetzt“ –, Umkreis 20 bis 25 Kilometer. Der Ertrag stieg, 15 bis 20 Kilogramm Jahresernte, Standimker brachten es pro Bienenvolk nur auf 12 bis 15 Kilogramm.

Einige der in der DDR gebräuchlichen Wanderwagen, die die Bienenvölker zu den Erntegründen transportierten, Ein- und Zweiachser, zeigt das Bienenmuseum. Zu sehen auch ein Modell vom Dittersbacher Wanderwagen mit integriertem Schleuderraum, Kaufpreis 2000 Ost- Mark. Eine lohnende Investition. Denn, so erzählt Kraatz, Honig erzielte damals nicht nur gute Preise auf staatlich festgesetzter Höhe; der Imker profitierte auch davon, dass der Transport zu Obstanbaugebieten und Ackerflächen nicht zu seinen Lasten ging und er eine „Bestäubungsprämie“ erhielt, bis zu 20 Ost-Mark pro Volk.

Von all dem, von der Honigproduktion, vom Vertrieb, von der Qualitätskontrolle oder vom Preissystem, wie es noch vor 40/50 Jahren im Osten Deutschlands üblich war, kann erfahren, wer seinen Besuch im Bienenmuseum in Möthlow mit einer persönlichen Führung durch den Museumsleiter verbindet. Der erläutert auch gerne in aller Ausführlichkeit, warum beispielsweise die Robinie, die auf dem Freigelände seines Museums steht, den optimalen Nektarwert 4 erreicht, der Holunder hingegen, weil die Biene nicht an den Nektar herankommt, nur eine kümmerliche 0.

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