Bootsverleih in Mecklenburg : Abenteuer mit Tante Polly

Mecklenburg hat rund 2000 Seen. Bootsverleiher bieten Flöße und andere nicht ganz alltägliche Gefährte fürs Wasser an

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Flachdach ahoi! Kommod geht’s mit dem Bungalow Boot voran. Foto: promo
Flachdach ahoi! Kommod geht’s mit dem Bungalow Boot voran. Foto: promo

Die Landkarte von Mecklenburg zeigt auffällig, dass es dort fast genauso viel Wasser wie Land gibt: 26 000 Kilometer Wasserstraßen und 2000 Seen, von denen viele miteinander verbunden sind – nicht nur in der Seenplatte um Schwerin, sondern auch im Südosten der Region zwischen der Müritz und der Grenze zu Brandenburg. Bei so viel Wasser liegt es nahe, sich darauf fortzubewegen: „Sie können hier eine ganze Saison rumfahren, ohne einen Hafen zweimal anzusteuern“, sagt Manfred Römer, von Yachtcharter Römer – eines der vielen Unternehmen, die davon profitieren: An vielen Orten kann man Kanus, Kajaks und Motorboote mieten. Und um Gäste anzulocken, lassen sich Bootsbauer- und Vermieter wie Römer neue und außergewöhnliche Wasser- Transportmittel einfallen, neben denen die herkömmlichen Boote fast ein wenig langweilig wirken. Wir stellen einige vor. Nicht erst um diese Jahreszeit, sondern schon jetzt. Denn die Erfahrung lehrt: Wer sich für diese Wassergefährte interessiert, tut gut daran, so früh wie möglich für die kommende Saison zu reservieren.

Beziehungstest im Tretboot de luxe

Große Jachten dümpeln im Hafen von Rechlin an der Kleinen Müritz im Wasser. Eine Schwalbe kommt angeflogen und sucht sich als Landeplatz zielsicher eins von den beiden Booten in der Marina aus, die ganz anders aussehen als der Rest: eine Mischung aus Tretboot, Schaufelraddampfer, Kanu, Katamaran und Fahrrad mit dem Äußeren eines Designobjekts aus weißem Kunststoff und dunklem Holz. „Lütt Hütt“ hat Bernd Scheiter von der Firma Woterfitz diese Boote genannt – er hat sie entworfen und gebaut: „Für mich ist es eigentlich ein Kanu de luxe“, sagt er und bittet an Bord des rechteckigen 400 Kilo schweren, 5,5 Meter langen Gefährts. Es wird ähnlich gesteuert wie ein Tretboot. Das Wort mag Scheiter aber nicht: „Das ist so negativ behaftet. Tretboote gelten doch als langsam und schwerfällig.“ Das passe nicht zur „Lütt Hütt“.

Zwei Tester nehmen Platz auf den weißen Ikea-Bürostühlen, von denen aus man das Boot steuert – mit den Füßen über vier Rennrad-Pedalen. Es tritt sich leicht, wie ein Fahrrad mit guter Gangschaltung. Das Wasser rauscht durch die beiden Schaufelräder, die links und rechts am Boot angebracht sind. Alles schnurrt so leise wie der Motor einer Nähmaschine. Die Schwalbe auf dem Bug bleibt sitzen und lässt sich auf den See hinausschippern. Bootsbauer Scheiter gibt eine kleine Unterweisung in der Kunst, sein „Lütt Hütt“ zu steuern. Das funktioniert nur zu zweit – ähnlich wie beim Paddeln im Zweier-Kanu. „Ein kleiner Beziehungstest“, sagt Scheiter. „Wenn man sich nicht verständigt und gleichmäßig stark tritt, fährt man im Kreis. Wenn sich zu kräftige Herren beschweren, sage ich ihnen: ,Sie strampeln einfach im Kreis, Ihre Frau sonnt sich und wird so von allen Seiten gleichmäßig braun und alle sind zufrieden‘.“ Scheiter lacht. Will man eine Kurve fahren oder umdrehen, strampelt einer einen Augenblick etwas stärker. Es dauert eine Weile, bis sich dafür ein Gefühl einstellt. Aber dann funktioniert es gut.

Auch das Innere des „Lütt Hütt“ ist nichts für Paare, die sich nicht immer gut verstehen: Es passen genau zwei Matratzen nebeneinander hinein. Tagsüber wird die eine auf die andere gelegt, so entsteht ein Sofa. An drei Seiten hat die kleine Kajüte Fenster.

Zurück im Hafen gibt Bernd Scheiter Anweisungen zum Rückwärts-Einparken: Einer strampelt weiter vorwärts, der andere rückwärts – schon dreht sich das Boot schnell. „Und wenn Sie jetzt nicht mehr weitertreten, macht der Wind den Rest“, sagt Scheiter. „Geduld ist das Wichtigste beim Wassersport.“

Geduld hatte der gelernte Werkzeugmacher Scheiter auch bei der Entwicklung des „Lütt Hütt“: Fünf Jahre hat er daran herumgetüftelt und sechs Prototypen gebaut, bevor er mit der Steuerung halbwegs zufrieden war. Die Idee zu dem neuartigen Gefährt kam ihm bei einer Elbreise: Von Dresden aus machte er einen Ausflug auf einem Schaufelraddampfer flussaufwärts und dachte sich, dass so ein Schiff doch auch mit Muskelkraft funktionieren könnte. Seit März kann man mit seiner Erfindung nun in See stechen. 299 Euro kostet das für eine Woche. Informationen im Internet unter www.woterfitz.de oder telefonisch: 03 98 23 / 214 43.

Im schwimmenden Bungalow

Ist man mit einem „Lütt Hütt“ unterwegs, muss man des Öfteren an Land gehen: Viel Platz für Vorräte gibt es schließlich nicht und vor allem: keine Toilette. Wer seinen Urlaub dagegen komplett auf dem Wasser verbringen will, könnte das in einer anderen Erfindung tun: dem „BunBo“. Das steht für Bungalow Boot und ist tatsächlich ein schwimmendes Ferienhaus – mit dem Unterteil eines Katamarans wie das „Lütt Hütt“. „Zweitwohnsitz auf dem Wasser“, nennt es Yachtcharter Römer, die die BunBos vermieten. „Das Fahren ist bei diesen Dingern nicht das Primäre. Viele legen sich einfach da hinten vor die Seerosen und verlassen den BunBo nur ab und zu mit einem Kanu.“ Er zeigt über den Müritzsee bei Buchholz, einen schmalen Seitenarm der Müritz, der südlich der großen Namensvetterin liegt. Dann tuckert das schwimmende Flachdachhaus namens „Tante Inge“ los. Das Schwesterschiff heißt „Tante Erna“. Jetzt könnte man sich in der gemütlichen Wohnküche einen Kaffee oder sogar eine ganze Mahlzeit kochen – der Strom wird mit Solarzellen generiert.

Wer mit dem BunBo losfahren will, braucht eine dreistündige Einführung und bekommt dann für 90 Euro einen sogenannten Charterschein, der für eine Reise gilt. Und die führt nicht immer nur zu den Seerosen. Wer möchte, kann auch weitere Strecken zurücklegen. Die Firma hat etwa eine Dependance in Berlin, so dass man von dort aus mit dem schwimmenden Häuschen sogar nach Mecklenburg fahren könnte – oder zurück. Auch eine längere Fahrt lässt sich auf den 40 Quadratmetern gut aushalten: Es gibt zwei Schlafzimmer und einen kleinen Ofen, falls es mal kalt wird auf dem Wasser. Am Bug ist eine große Terrasse, auf der man eine Hängematte spannen kann. 615 bis 940 Euro kostet das BunBo pro Woche je nach Saison. Informationen unter www.yachtcharter-roemer.de oder telefonisch: 03 99 23 / 716 88

Fast wie auf dem Mississippi

Eine Nummer kleiner, weniger komfortabel, aber dafür abenteuerlicher als das BunBo sind hölzerne Flöße, die die Firma „Tante Polly“ vermietet. Anbieter von Floßtouren geben sich oft Namen aus den Abenteuerbüchern von Mark Twain, weil seine Protagonisten, Huckleberry Finn und Tom Sawyer, mit einem Floß Abenteuer auf dem Mississippi erlebten. Kein Wunder also, dass sich diese Firma „Polly“ nennt – nach Toms Tante. Im Hafen in Priepert zwischen dem Ellbogen- und dem Großen Priepertsee brechen gerade vier junge Männer um die zwanzig mit Angeln zu einer Tom-Sawyer-Reise auf. Einer nimmt hinterm Ruder Platz und sagt: „Hier lässt sich’s aushalten.“ Einen Bootsführerschein braucht man nicht. Anja Duklau und Andreas Krämer, die beiden Floßverleiher, zeigen jedem potenziellen Kapitän, wie man das Floß sicher steuern kann.

„Der schönste Platz ist da oben“, sagt Anja Duklau und zeigt auf das mit Teppich bezogene Dach. Wer hinaufklettern will, muss allerdings sportlich sein: Als Aufstiegshilfe gibt es nur eine Seilschlinge. Dort oben haben die vier Huckleberrys zwei Campingstühle deponiert. Einer davon droht, bei der nächsten scharfen Kurve ins Wasser zu fallen. Macht nichts. Geschlafen wird auf Isomatten in der Mitte des Floßes. Tagsüber genügen ein paar Handgriffe, um zwei lange Bänke zu installieren. Bei zu viel Regen oder Wind lassen sich zum Schutz Planen runterrollen. Maximal zwölf Personen passen tagsüber auf das Floß, aber Vorsicht, sobald zu viele Menschen auf einer Seite stehen, kippelt es bedenklich. Eine Sieben-Tage-Tour kostet zwischen 595 und 875 Euro. Informationen unter www.tantepolly.de oder unter der Telefonnummer: 03 98 28/26 449.

Neon-Kajak mit Durchblick

Das nächste Meer liegt nicht eben um die Ecke, von einem Ozean ganz zu schweigen. Trotzdem kann man bei Peggy Sarodnik, Betreiberin der „Kanu Mühle“ in Wesenberg, seit kurzem Boote in verschiedenen Neonfarben mit der Aufschrift „Ocean Kayak“ mieten. Sie sehen aus wie eine Mischung aus Surfbrett und Kajak. Wenn man hineinsteigt, merkt man gleich, dass es sehr schwierig wäre, sie zum Kentern zu bringen. So ist es auch nicht schlimm, dass man Gepäck und Zelt ungeschützt hinter dem Sitz befestigen muss. Man sitzt breitbeiniger als in einem normalen Kajak. Und zwischen den Beinen entdeckt man die eigentliche Besonderheit des Bootes: Eine Kunststoffscheibe, durch die man – wäre man im Ozean – paradiesisch bunte Fische betrachten könnte. In dem Kanal, an dem der Kanuverleih liegt, sieht man erst mal nur schwarz – und dann sein eigenes Spiegelbild. Durch eine Schleuse geht es weiter zur Schwanenhavel – einem schmalen malerischen Flüsschen mit wesentlich klarerem Wasser. Dort kann man durch den transparenten Boden große Wasserpflanzen erkennen, die an Wirsingkohl erinnern. Viel interessanter jedoch sind die schwarz geflügelten Libellen, die sich auf gelben Seerosen paaren. Ein Tag im Ocean-Kayak kostet 13, eine Woche 65 Euro. Auskunft unter www.kanu-mue hle.de oder telefonisch: 039832/20350

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