Brandenburg : Region mit Geschmack

Schmausen in der Natur: Der „Uckermärker Picknickkorb“ erhielt auf der ITB den Brandenburger Tourismuspreis.

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Frühstück auf dem Rasen. Das Bild malte Claude Monet 1865/1866. Heutige Picknickgesellschaften in der Uckermark sind anders gekleidet, wirken aber ähnlich heiter.
Frühstück auf dem Rasen. Das Bild malte Claude Monet 1865/1866. Heutige Picknickgesellschaften in der Uckermark sind anders...Foto: p-a/Artcolor

Sanfte Hügel prägen die Landschaft, immer wieder blinkt ein See im Grün, nur ab und zu sieht man ein Haus. Die Uckermark ist mit gut 3000 Quadratkilometern der größte und am dünnsten besiedelte Landkreis Deutschlands. Wem das Getriebe der Großstadt die Kräfte geraubt hat, wird hier – und sei es auf einem Sonntagsausflug – in Ruhe zu sich finden. Der Berliner hat natürlich trotzdem was zu meckern. „Wenn ick da rausfahr’, muss ick mir doch ’ne Stulle mitnehmen“, mault er. In der Tat: Orte für eine nette Einkehr sind selten. Nicht mal in Groß Fredenwalde, dem hübschen Ortsteil von Gerswalde, wird der Besucher fündig. Eine fein restaurierte Feldsteinkirche ist vorhanden, ein Gutshaus mit öffentlichem Lenné-Park, eine Kunstgalerie, sogar ein Fahrradverleih. Aber eben kein Gasthof, nirgends eine Möglichkeit einzukehren.

Weil die Uckermark jedoch eine Reihe guter Produkte hervorbringt, die man sich buchstäblich auf der Zunge zergehen lassen könnte, hatte das Ehepaar Fugger eine Idee. Warum die Köstlichkeiten nicht in einen Picknickkorb packen und diesen dann für die Besucher an einen schönen Platz mit Aussicht stellen? Im vergangenen Frühsommer startete das Projekt mit den bestellten Mahlzeiten im Grünen. Auf der ITB erhielt es nun den mit 2500 Euro dotierten Brandenburger Tourismuspreis 2013. Seit dem Jahr 2000 werden „kreative touristische Angebote“ beziehungsweise „innovative Dienstleistungen von der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH (TMB) ausgezeichnet.

„Es geht nicht um uns“, betont Donata Gräfin Fugger. „Wir wollten ein Erlebnis mit regionalen Produkten vorstellen.“ Ihr Mann Ulrich ergänzt: „Wir wollten zeigen, dass die Uckermark schmeckt.“ Aus dem Anstoß des Ehepaares ist ein Netzwerk entstanden, an dem viele mitwirken. In erster Linie natürlich die Produzenten der Region, die den Korb mit Schmackhaftem füllen. So liegt Orient Kaffee aus Lychen darin, Kloster-Vollkornbrot im Glas aus Angermünde, Schokoladenaufstriche der Chocolaterie Hammelspring, Straußenleberpastete aus Berkenlatten oder Wildsalami aus Klein-Fredersdorf. 30 Produzenten beteiligen sich bis jetzt. „Aber natürlich können mehr dazukommen“, sagt Donata Fugger.

Die Picknickkörbe werden von behinderten Menschen in den Uckermärkischen Werkstätten geflochten. Auch Geschirr und Besteck gehören zur Ausstattung und selbstverständlich eine große Decke zum Draufsetzen. „Alles ist dabei, was Berlinern einen Erlebnistag auf dem Land beschert“, sagt Donata Fugger. Und schwärmt: „An einem schönen Sommertag sieht die Szenerie dann aus wie auf einem Gemälde von Monet.“

Einfach losradeln. Die idyllische Landschaft der Uckermark lädt zu Ausflügen ein.
Einfach losradeln. Die idyllische Landschaft der Uckermark lädt zu Ausflügen ein.Foto: www.paulhahn.de

Die Fuggers, sie ist eine geborene von Arnim, wohnen teils in Brandenburg, teils in ihrer alten Heimat Bayern. Was liegt ihnen daran, Menschen in die Uckermark zu locken? „Wir wollen, dass die Gegend nicht ausstirbt“, sagt Donata Fugger fröhlich.

In der Tat ist der Bevölkerungsschwund gravierend. Lebten 1991 noch rund 165 000 Menschen in der Region, waren es 2011 nur noch gut 128 000. Einer Prognose zufolge werden im Jahr 2030 nur noch etwa 103 000 Menschen in der Uckermark ansässig sein. „Über uns schwebt das demografische Damoklesschwert“, sagt die Gräfin. Dagegen müsse man mit viel Optimismus etwas Neues setzen, etwas, „das die Uckermark stärkt“. Schließlich handele es sich um eine jahrtausendealte Kulturlandschaft, die man Besuchern nahe bringen könne.

Sanften Tourismus wünschen sich die Mitstreiter der Initiative. „Die großen Busse brauchen bei uns nicht vorzufahren“, heißt es. Man hoffe auf Besucher, die „unsere Natur wertschätzen“, sagt Donata Fugger. So, wie jener Geistliche, den der Schriftsteller Ehm Welk in seinen „Heiden von Kummerow“ porträtiert hat: „Vespern so draußen allein am Feldrand, das gut belegte Brot oder ein Stück Speck in der Linken und das Taschenmesser in der Rechten, (...), den Himmel über sich und Gottes Gnade um sich, dafür ließ Pastor Breithaupt gern einen gedeckten Tisch stehen.“

Darauf kann man anstoßen. Vielleicht mit Sekt aus Prenzlau – den man, falls gewünscht, auch im Korb findet.

Der Uckermärker Picknickkorb kostet pro Person 17,50 Euro, bei Gruppen ab zehn Personen zahlt jeder 14,50 Euro. Kinder sind mit fünf Euro dabei. Telefonische Bestellung unter 03 98 87 / 66 77 30 oder übers Internet: picknicken.eu

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