Buchtipp : Abenteuer Silbervogel

Die Meisten, die große Taten vollbringen wollen, sehen ihren Ruhm in der Zukunft. Nur Wenige wollen wiederholen, was es bereits gab. Der Enkel des legendären Konstrukteurs Claude Dornier begab sich auf die Spuren des Großvaters.

Die großen Taten, von denen junge Menschen gern träumen, liegen überwiegend in der Zukunft. Noch einmal das Gleiche zu vollbringen wie der Großvater, wünschen sie sich selten. Es sei denn, sie tragen einen berühmten Namen, stammen beispielsweise von dem Flugpionier Claude Dornier ab, der 1930 in seinem kaum weniger berühmten Flugboot Do-X, dem damals größten Flugzeug der Welt, zur umjubelten Weltreise aufbrach. Iren Dornier, Enkel des legendären Konstrukteurs, hat ihm nachgeeifert und auf der eigenen Flugreise zweimal auch Station in Berlin gemacht: Mit seiner Do-24 ATT, 1943 als Flugboot gebaut, in den Achtzigern für den amphibischen Einsatz zu Wasser und zu Lande umgerüstet, nach jahrelangem Museumsschlaf wieder flottgemacht, war er bestaunter Gast auf der Internationalen Luftfahrtausstellung 2005 und 2006.

Mittlerweile ist die Weltreise des Abenteurers, der auf den Philippinen eine Fluggesellschaft betreibt, beendet und von ihm in einem „Logbuch der Träume“ für die weniger Wagemutigen beschrieben worden. Vor allem ist es ein Bildband, der den Silbervogel komplett und im Detail aus allen nur denkbaren Perspektiven und vor zahllosen, oft exotischen Kulissen zeigt – eine fotografische Verherrlichung, an der Liebhaber nostalgischer Technik ihre Freude haben werden. Auch der einführende, unter Mitarbeit der Journalistin Susanne Fischer entstandene Text ist spannend, beschreibt das Projekt mit seinen Höhen und Tiefen, was dem Leser Respekt vor der Leistung Dorniers abnötigt. Die Glorifizierung seiner Willensstärke und visionären Kraft, die der leidenschaftliche Flieger der Schreiberin durchgehen ließ, war da völlig überflüssig. (ac)

Iren Dornier: Logbuch der Träume. Mit dem fliegenden Boot um die Welt. Die Do-24 (Unter Mitarbeit von Susanne Fischer). Sandmann- Verlag, München. 256 Seiten, 44 Euro.

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