Costa Ricas Klimaschutz : Der weite Weg zum Ökoland

Costa Rica gilt als Musterland in der Klimapolitik. Doch ein Blick auf die großen Plantagen, den Autoverkehr und den Umgang mit Abwasser zeigt: Im "grünen" Bereich ist die Region lange noch nicht.

Matthias Knecht
Schutzzone im Nebelwald Monteverde – ein Vorzeigeprojekt in Costa Rica.
Schutzzone im Nebelwald Monteverde – ein Vorzeigeprojekt in Costa Rica.Foto: dapd

Das Stückchen Urwald in Costa Ricas nördlicher Region Huetar Norte ist ganz nach dem Geschmack von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP). Denn hier wird der Wald nicht nur geschützt, sondern das auch noch mit marktwirtschaftlichen Instrumenten. Costa Rica bezahlt die Waldbesitzer dafür, die einzigartige natürliche Vielfalt des tropischen Landes zu bewahren. Das rechnet sich – es ist letztlich besser als illegale Abholzung oder Plantagenwirtschaft.

Wie kaum ein anderes Land der Welt pflegt Costa Rica ein Öko-Image. Der tropische Kleinstaat von der Größe Niedersachsens und der Einwohnerzahl Sachsens setzte schon in den 90er Jahren auf Ökotourismus. Auf den sprechen auch die jährlich 50 000 Touristen aus Deutschland an, ungeachtet der wenig ökologischen Flugbilanz.

Nun will Costa Rica als erster Staat weltweit klimaneutral werden, und zwar bis 2021. Dabei setzt Costa Rica anders als andere Regierungen Lateinamerikas auf Marktwirtschaft statt auf Gesetze und Verbote. Als erstes Land der Welt führte es eine Ökosteuer auf Benzin ein, durch die wiederum mehr als 75 000 Hektar Wald erhalten werden sollen.

Kein Wunder, dass das Land eines der neuen Lieblingskinder deutscher Entwicklungshilfe ist. Bei seinem Besuch in Costa Rica jubelte Niebel denn auch: „Das Aufforstungsprogramm Huetar Norte zeigt, wie aktiver Waldschutz durch ein System mit intelligenten Anreizen möglich ist.“ Entsprechend der Philosophie Niebels kommt die deutsche Entwicklungshilfe in dem mittelamerikanischen Land auch deutschen Unternehmen zugute. So entsteht in der Hauptstadtregion ein Windpark mit 15,3 Megawatt Leistung. Rund ein Viertel der Investition von mehr als 51,5 Millionen US-Dollar (39,4 Millionen Euro) trägt die deutsche Entwicklungshilfe, über die KfW-Entwicklungsbank. An der Erstellung der Anlage arbeiten und verdienen auch die deutschen Unternehmen Juwi und Enercon.

Aber das Potenzial sei noch längst nicht ausgeschöpft, heißt es in einer Analyse der deutschen Botschaft in der Hauptstadt San José. Deutsche Technologieanbieter könnten im Tourismus und im Transport weiter zulegen. Hinzu kommen Abfallbeseitigung und Recycling, wo Entwicklungshilfe und Förderung deutscher Unternehmen ebenfalls Hand in Hand gehen.

Auch Costa Ricas Bürgerorganisation CEDECO sieht durchaus Positives: „Costa Rica redet wenigstens über das Klima“, lobt Jonathan Castro, Klimaexperte der Gruppe. Doch ganz so grün sei Costa Rica noch lange nicht. Negativbeispiele sind die weit verbreiteten Ananas- und Bananenplantagen, deren Chemikalien Umwelt, Gewässer und Menschen belasten. Hinzu kommen die Abwässer, die zu fast 100 Prozent ungeklärt in Flüsse und Meer fließen. Auch der schleichende Verkehrskollaps in der Hauptstadtregion mit ihren stinkenden Uraltbussen passt nicht zum Öko-Image.

Die CEDECO, die unter anderem vom Evangelischen Entwicklungsdienst unterstützt wird, kritisiert darum die auf reine Ausgleichsmechanismen konzentrierte Klimapolitik, wie etwa beim Wald. Dessen Aufforstung oder Erhalt lindere die Klimaeffekte, gehe aber nicht die Ursache der Erderwärmung an – den Autoverkehr und die Industrie. Die Klimaziele mit der Bekämpfung von Symptomen zu erreichen, koste etwa sieben Milliarden Dollar (5,4 Milliarden Euro) zusätzlich, rechnet Castro vor. Das wäre ein Fünftel der Wirtschaftsleistung des Landes.

„Wie Costa Rica diesen Wandel schaffen will, ist völlig unklar“, kritisiert er. „Denn die Regierung will nur einfache, schnelle Lösungen.“ Ein wichtiger Schritt wäre dem Forscher zufolge die Anerkennung kleinräumiger Bio-Landwirtschaft, die erwiesenermaßen das Klima weniger belastet als etwa Plantagen. Doch genau da ist das Problem: „Es ist viel einfacher, schnell mal 1000 Hektar Wald aufzuforsten als 1000 indigene Familien zu unterstützen“, betont Castro.

(epd)

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