Cunard-Oceanliner : Die abgedankte Königin

Die legendäre „Queen Elizabeth 2“ dümpelt seit Jahren im Hafen von Dubai. Ambitionierte Pläne für das Schiff sind gescheitert, nun droht der Abwracker.

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Die „QE 2“, der einstige Stolz Britanniens, hier 1998 beim Verlassen des New Yorker Hafens. Ein Bild, das es so nicht mehr geben wird. Die Zwillingstürme zerstört, das Schiff vermutlich zum Schrottwert verhökert.
Die „QE 2“, der einstige Stolz Britanniens, hier 1998 beim Verlassen des New Yorker Hafens. Ein Bild, das es so nicht mehr geben...Foto: gws

Die Königin ist im Ruhestand. Sie durfte ins sonnige Dubai ziehen, sollte dort einen ihr angemessenen Alterssitz finden. Doch irgendwas ist schiefgelaufen. Sie verbringt ihre Tage hinter einem schäbigen Schuppen in Gesellschaft einer weit weniger rüstigen Alten. Von Altersarmut zu sprechen, wäre im Fall der vornehmen Dame allerdings unangebracht, denn sie wird offensichtlich bislang mit allem versorgt, was sie braucht. Doch einer Königin würdig ist das Dasein nicht.

Die „Queen Elizabeth 2“, legendärer Spross der Cunard-Familie, wurde 2008 nach knapp 30 Dienstjahren ausgemustert und ins Emirat Dubai verholt – wo man ihr eine goldene Zukunft als luxuriöses Hotelschiff in bester Lage mit angeschlossenem Museum bescheren wollte. Dazu wird es allem Anschein nach nicht kommen. Seit vier Jahren nun dümpelt das schnittige, fast 300 Meter lange Schiff an einem Außenpier von Port Rashid, wo wir sie Anfang Dezember entdeckten. Und weil dem Vernehmen nach der Neuausstatter abbestellt wurde, droht ihr nun wahrscheinlich der Abwracker.

Wir sind mit einem anderen, moderneren Schiff im Hafen von Dubai aufgekreuzt. Von Deck der „Mein Schiff 2“ aus fällt der Blick quer über die Kaianlagen direkt auf die „Queen Elizabeth 2“. Ja was ist das? Rauch kräuselt sich aus dem Schornstein, der im für Cunard typischen Rot-Schwarz in den blauen Himmel ragt. Zwar ist es stets etwas heikel, zu Fuß und ohne Legitimation durch ein streng bewachtes Hafengebiet zu streifen, doch wir wollen die Legende, die uns einst so erinnerungswürdige Tage auf dem Atlantik bescherte, mal von Nahem ansehen.

Scheinbar ohne Ziel schlendern wir weg von unserem Schiff, schlagen einen großen Bogen, kriechen durch einen defekten Zaun – und landen in den Armen eines Wachpostens. Der Mann ist freundlich, spricht mit sanfter Stimme, fragt nach dem Woher und Wohin. Och, ein wenig die Beine vertreten, das Wetter genießen und – ach, was ist das denn für ein Schiff dort drüben? „Ist alt, da gibt es nichts zu sehen.“ Na ja, einen Blick würden wir schon gern mal riskieren.

Der Mann schaut sich nach allen Seiten um. „Aber passen Sie auf.“ Nunmehr schnellen Schrittes und klopfenden Herzens nähern wir uns dem Stück Nostalgie aus Stahl. Nur noch um das abbruchreife Häuschen (in dem offenbar Hafenarbeiter aus Fernost hausen) herum – da liegt die Königin in ganzer Pracht. Tiefschwarz und ohne erkennbare Makel der Rumpf, noch immer strahlend weiß die obere Partie. Und die Silhouette eines richtigen Schiffs!

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