Die Ausstellung „HighTech Römer“ : Wiege das Kettenhemd

Lust und Leid bei den Römern: Hannover bietet Familien ein Spektakel.

Katharina Sieckmann
Pack an. Der Nachbau eines römischen Lastkrans vermittelt, wie manches Bauwerk einst gestemmt wurde.
Pack an. Der Nachbau eines römischen Lastkrans vermittelt, wie manches Bauwerk einst gestemmt wurde.Foto: Landesmuseum Hannover

Max und Julian rennen schon mal vor. Katapult- und Armbrustschießen, das wollten sie immer schon mal ausprobieren. Sie sind in der Militärstation der neuen Römerausstellung „HighTech Römer“ gelandet, die jetzt im Landesmuseum Hannover eröffnet wurde. Hier kann überhaupt alles Mögliche unter die Lupe genommen werden. „Wiege dieses Kettenhemd eines römischen Soldaten!“ oder „Setz dich aufs Klo, wie die Römer es taten!“, lauten die Anregungen.

Dann kommt der Clou: Wer durch den Abwassertunnel der Cloaca Maxima klettert, findet unten einen Lichtschalter, der zeigt, wie die Römer ihre Notdurft verrichteten. Sie saßen mit mehreren zusammen, erledigten ihr Geschäft und hatten dabei Stäbe mit Schwämmen daran in der Hand – die Vorläufer unserer heutigen Klobürsten. „Muss das gestunken haben!“, mag der Besucher denken. Doch weit gefehlt. Unter den Toilettenlöchern verliefen Abwasserkanäle, in denen alles gleich weitergespült wurde.

„Wir möchten zeigen, wie die genialen technischen Errungenschaften Jahrtausende überdauert haben. Das Römische Reich war das Imperium der Ingenieure, und vor allem Kinder und Jugendliche sollen in dieser Ausstellung spielerisch Maschinen und Geräte ausprobieren und dabei jede Menge über technische und physikalische Gesetze lernen können“, erläutert Kulturvermittlerin Regine Tuitjer.

Links rot, rechts schwarz bedeutet „Feuer!“

Die Ausstellung insgesamt ist ein multimediales und interaktives Spektakel zugleich. Neun Themeninseln widmen sich den Bereichen Architektur, Maschinen, Kanalisation, Straßenbau und Kommunikation. 33 Mitmachstationen zeigen auf anschauliche Weise, dass viele unserer Alltagsgegenstände ihren Ursprung in römischen Erfindungen haben. Flaschenzüge, Rechenmaschinen und Messinstrumente sind nur einige davon.

Auf den Fahnentürmen kann jeder ausprobieren, wie sich die Römer verständigt haben. Links rot, rechts schwarz bedeutet „Feuer!“. Links und rechts gelb heißt „Angriff bei Sonnenuntergang!“, links blau, rechts schwarz zeigt an, dass der Feind abzieht. „Die lateinische Sprache ist überall in unserer Umgebung. Wir haben deswegen besonderen Wert darauf gelegt, das Lateinische lebendig werden zu lassen. Professor Rolf Heine aus Göttingen hat uns geholfen, die komplexen technischen Texte ins Lateinische zu übersetzen, damit auch Lateinlehrer mit ihren Kursen hier umfangreiches Material bekommen“, erläutert die Museumsdirektorin Katja Lembke ihr Anliegen.

Die Ausstellung wurde vom Landesmuseum Bonn übernommen, das sie in Kooperation mit zwei niederländischen und einem belgischen Museum entwickelt hat. Deshalb kann man die Texte an jeder Station auf Englisch, Französisch, Deutsch, Niederländisch und – das ist die Besonderheit hier in Hannover – auf Lateinisch lesen. Auf zahlreichen Bildschirmen verdeutlichen Animationen, wie die Stadt Rom vor 2000 Jahren ausgesehen haben mag, wie ein Aquädukt funktionierte und wie die Römer Dächer gedeckt haben.

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