Die "Göttliche" auf Kreuzfahrt : Im Fahrstuhl zu den Sternen

Die "MSC Divina" kreuzt im Mittelmeer und entführt ihre Gäste nach Bari, Olypmia, Izmir. Das Schiff besticht durch italienisches Design – und tadellosen Butlerservice in der Club-Klasse.

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Venedig, so klein. Von Deck 18 der „Divina“ blickt man weit über die Lagunenstadt. Passend zum Spätherbst und überaus kleidsam hat sie sich in leichten Nebel gehüllt.
Venedig, so klein. Von Deck 18 der „Divina“ blickt man weit über die Lagunenstadt. Passend zum Spätherbst und überaus kleidsam hat...Foto: Hella Kaiser

Auf einem Vaporetto winken Menschen, in zwei Wassertaxis recken sie die Hälse und halten Kameras vor die Augen, auch auf Brücken verharren etliche staunend. Aber sie blicken nicht zu den Palazzi am Canal Grande, nicht mal den Markusplatz nehmen sie ins Visier. Alle schauen nur auf uns. Oder genauer: auf den Riesen, auf dem wir an ihnen und Venedig vorübergleiten. 18 Decks hat die „MSC Divina“, mehr als 4000 Gäste und 1300 Crewmitglieder haben auf ihr Platz.

Hoch oben stehen wir, könnten uns majestätisch fühlen – und haben doch ein schlechtes Gewissen. Ist es nicht ein Frevel, sich so breitzumachen vor diesem einzigartigen Lagunenstädtchen? Und gibt es nicht genügend Venezianer, die den Ausverkauf ihrer Heimat an die Reedereien beklagen? Raffaele Cinque, Hoteldirektor auf der „Divina“ lächelt alle Bedenken weg. „Wir müssen hier sehr, sehr, sehr langsam fahren“, betont er, „da können wir gar nichts kaputt machen.“ Die Vaporetti dagegen rammten schon mal eine Brücke und richteten sehr viel mehr Schaden an.

Die Abenddämmerung bricht herein. Venedig ist nun schon viele Seemeilen weit weg. 19 Uhr: Dinner. Unsere Kabine auf Deck 16 befindet sich im vorderen Teil des Schiffs. Wie kommt man jetzt am besten zum zugewiesenen Restaurant „Villa Rossa“ auf Deck sechs? Weit hinten am Heck muss es sein. Verborgen in einem Labyrinth, das mit 26 Fahrstühlen erschlossen wird. Man kann sich leicht verirren auf dem Giganten. 333 Meter lang ist er, 38 Meter breit und fast 70 Meter hoch. Immer mal wieder sieht man Passagiere in den Fluren rätselnd vor den Decksplänen stehen.

Uns ist die Orientierung erst mal schnurz, wir verlassen uns auf unseren Butler. Auf Wunsch führt er uns direkt zum Ziel. Ein Privileg, das alle genießen, die den „MSC Yacht Club“ gebucht haben. 69 Suiten gehören zu der noblen Klasse, und sie sind so geräumig, dass auch verwöhnte Fünf-Sterne-Hotelgäste sofort begeistert sind.

Die Yacht-Club-Gäste müssen sich auch nicht an den Frühstücksbuffets drängeln. Sie können die erste Mahlzeit des Tages in einer vornehmen Lounge einnehmen, in der – von Obstsalat über Croissants bis Lachsschnittchen – eine feine Speisenauswahl angerichtet ist. Die Lounge befindet sich im Vorschiff und verfügt über großzügige Panoramafenster. Gute Idee des Schiffsdesigners, denn nun sitzen wir, mit einem cremigen Cappuccino in der Hand, gemütlich im Sessel und schauen auf Bari. Gerade hat die „Divina“ in dem süditalienischen Hafen festgemacht. Und erst um 15 Uhr wird sie wieder ablegen. Sechs Stunden in Apulien.

Und so praktisch: Man braucht in keinen Bus zu steigen. Man geht einfach von Bord, spaziert in die Altstadt – und staunt: Hier hat sich Italien kein bisschen verändert. In winzigen Höfen, rechts und links schmaler Gassen, hängt bunte Wäsche zum Trocknen, Turnschuhe baumeln an einer Schnur, in einer Ecke liegt ein pflaumenweicher Fußball. Souterrain schneidet eine alte Frau Nudelteig in Streifen. Über ihr, aus einem offenen Fenster im ersten Stock, ertönt eine Arie.

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