Reise : Die Krux mit den Fahrkarten Komplexe Programmierarbeit: Bahn beseitigt Tariffalle

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Die Deutsche Bahn (DB) hat es endlich geschafft: Eine seit Jahren bestehende Preisfalle im Auskunfts- und Buchungssystem ist beseitigt. Wer mit dem Regionalzug eine Tagestour in ein benachbartes Bundesland unternehmen will, wird nun nicht mehr zum Kauf unnötig teurer Fahrkarten verleitet. Eine andere Tariffalle existiert jedoch weiterhin.

Wie vor einem Jahr berichtet, konnte das DB-Verbindungssuchsystem nicht erkennen, dass bestimmte Ländertickets auch für Tagestouren in benachbarte Bundesländer und zurück gelten. Stattdessen schlug der Computer in diesen Fällen oftmals vor, sich für die Rückfahrt ein eigentlich unnötiges weiteres Länderticket ausdrucken zu lassen. Betroffen davon waren die Fahrkartenautomaten, das Online-Buchungssystem und auch die Computer an den Bahnhofsschaltern.

Obwohl diese Preisfalle an Automaten schon seit 2008 und im Internet seit 2010 existiert, ließ sich die Bahn viel Zeit mit der Beseitigung. Auf Anfrage unserer Zeitung kündigte die DB im Dezember 2012 an, sie werde den Fehler erst im Laufe des Jahres 2013 korrigieren. Denn es handele sich um eine „sehr komplexe Programmieraufgabe“, außerdem seien nur relativ wenige Kunden betroffen.

Immerhin hat die Bahn Wort gehalten: Wie unsere Stichproben aus Anlass des Jahreswechsels ergaben, zeigt das Computersystem mittlerweile die korrekten Tarife an. Das Brandenburg-Berlin-Ticket wird vom DB-Computer weiterhin gar nicht angeboten. Doch er verweist Regionalzugreisende jetzt immerhin auf die Seite des VBB-Tarifs, wo dann kleingedruckt auch das Brandenburg-Berlin-Ticket erwähnt wird. Früher teilte das DB-System lapidar mit: „Preisauskunft nicht möglich“, ohne Link zum VBB.

Nichts ändern will die DB an einer anderen Tariffalle, die bundesweit an Fahrkartenautomaten lauert: Wer hier das Feld „Start – Ziel“ antippt, anschließend das Fahrtziel eingibt und dann auf „Direkt zur Fahrkarte“ drückt, bekommt nur den teuren Normalpreis angezeigt. Nichts weist darauf hin, dass vielleicht auch Sparangebote infrage kämen: für den Nahverkehr das beliebte Wochenendticket, das „Quer-durchs-Land-Ticket“ oder ein Länderticket – und für den Fernverkehr die Sparpreisangebote mit Zugbindung für Frühbucher.

Die DB verteidigte jetzt erneut diese Programmierung: Der „Direktkauf“ sei für Vielfahrer gedacht, die meist eine Bahncard besäßen. „Die dahinterstehende Buchungslogik geht von einem sofortigen Fahrtantritt aus, ohne dass der Kunde an einen bestimmten Zug oder wie bei den Länder-Tickets an eine Abfahrt nach neun Uhr gebunden ist“, mailte ein Bahnsprecher auf Anfrage. „Diese Logik wird auch zukünftig so bleiben.“ Eckhard Stengel

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