Reise : Die Mauer von Mödlareuth

Eine Tour an der einstigen deutsch-deutschen Grenze

Hella Kaiser

In Travemünde geht’s los. Hier begibt sich Dieter Kreutzkamp, Fotograf und Autor, auf seine spannende Tour entlang der einstigen deutsch-deutschen Grenze. Rund 1400 Kilometer legt er zurück, zu Fuß, mit dem Mountainbike und bisweilen im Auto. Versteckte Idyllen findet er, verschwiegene Plätzchen und kuriose Hinterlassenschaften. Bisweilen ist auch ein Wachturm stehengeblieben – als Mahnmal. Immer wieder trifft er Menschen, die ihm Geschichten erzählen, vom Alltag in der DDR, von Flucht und vom Bleiben, von der Wendezeit. In Schlagdorf ereifert sich ein Bauer noch heute über jene Westler, die 1990 auftauchten und für „läppische 100 D-Mark“ein Schwein kaufen wollten.

Was hat sich verändert? Der Bürgermeister von Rüterberg an der Elbe vergleicht Vergangenheit und Gegenwart mit folgendem Beispiel: „Ungestraft durfte ich früher zum Meister sagen: Du bist ’ne Pfeife. Hätte ich gesagt: Honecker ist ’ne Pfeife, wäre ich sofort eingebuchtet worden. Wenn ich heute zum Meister sage: ‚Du bist ’ne Pfeife, kann ich mir zum nächsten Ersten einen neuen Job suchen. Sage ich das Gleiche über die Bundesregierung, ist das völlig okay.“

In 53 Kapitel ist das Buch unterteilt, so dass sich der Leser auch bestimmte Gegenden herauspicken kann. Den Harz etwa, wo die innerdeutsche Grenze quer zur Eckertalsperre verlief. Nun ist hier ein Refugium für seltene Tiere. Auerhuhn, Ringdrossel und sogar die Alpenbraunelle kann man hier beobachten.

Noch immer werden in Lindewerra, im Dreiländereck von Hessen, Thüringen und Niedersachsen, Wanderstöcke produziert. Zu DDR-Zeiten wurden sie für Devisen ins „nicht-sozialistische Ausland“ exportiert, nun wirft ihre Herstellung kaum noch Gewinn ab. Mödlareuth, zwischen Thüringen und Bayern, bekam den Beinamen „Little Berlin“. Denn vierzig Jahre lang trennte eine 700 Meter lange Mauer den Ort. „Die Stasi verbot den Ost-Mödlareuthern sogar, Verwandten oder Freunden in West-Mödlareuth zuzuwinken“, hat Kreutzkamp erfahren.

Das Buch regt an, sich in dem einen oder anderen Abschnitt auf dem „grünen Band“ selbst umzutun. Wer es dann genauer wissen will, bekommt an vielen Orten geschichtlich fundierte Hilfestellung. 29 Grenzlandmuseen sind mit Internetadressen verzeichnet. Hella Kaiser

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