Digitale Urlauber : Gestalte deinen Tag

Glaubt man den großen Veranstaltern, sind Urlauber ohne Smartphones, Tablets und Internet verloren.

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Daddeln am Gipfel. Herrlich diese Ruhe, endlich mal Muße, sich ausgiebig mit dem Smartphone zu beschäftigen.
Daddeln am Gipfel. Herrlich diese Ruhe, endlich mal Muße, sich ausgiebig mit dem Smartphone zu beschäftigen.Foto: imago stock&people

Einfach so ins Reisebüro gehen oder im Internet schnell nach den Möglichkeiten für den kommenden Sommerurlaub fahnden – das war offenbar einmal. Die großen deutschen Veranstalter stellen fest, der Kunde wolle zwar unter einem Sicherheitsschirm reisen, also „pauschal“, das jedoch mit möglichst individuellem Zuschnitt. Deshalb eröffne man ihm Möglichkeiten, ein maßgeschneidertes Paket zu erwerben, ganz so, als sei alles nur für ihn gemacht.

Mit zunehmender Verfeinerung der elektronischen Buchungstechnik ist das auch umzusetzen – allerdings blickt der Kunde allein nicht mehr durch. Und ist somit wie in Vor-Internet-Zeiten auf die Hilfe von Reisebüro oder Veranstalter angewiesen. Es sei denn, er nimmt es in Kauf, altbacken zu erscheinen und wie vor 20, 30 Jahren schlicht „zwei Wochen Mallorca“ zu buchen, um sich dann an Ort und Stelle die gewünschten Erlebnisse selbst zu erarbeiten oder das Nichts-Erleben schlicht zu genießen.

Nun möchte man meinen: Toll, was die einem alles bieten können! Bei Tui beispielsweise können Kunden sich in elf Urlaubszielen ein flexibles A-la-carte-Ausflugsprogramm zusammenstellen. Das Konzept „Design Your Day“ (Gestalte deinen Tag) wurde bereits im vergangenen Sommer in der Türkei getestet und wird nun zusätzlich in Ägypten oder Marokko angeboten. Auch bei Mietwagen-Rundreisen gibt es mehr Flexibilität: Auf Touren durch die USA, Kanada, Australien und Neuseeland können Urlauber nun ein vorgesehenes Hotel tauschen, länger an einem Ort bleiben, die Reise verkürzen oder verlängern und Leernächte für private Unterbringungen einplanen.

Transferzeiten per SMS

Zudem  bietet Tui gegen 25 Euro Aufschlag einen späten Check-out an. Das könnte der Reisende zwar auch alles selbst erledigen, also kostengünstiger, doch zugegeben: Diese Dinge können lästig und zeitraubend sein. Andererseits hat die Eigenarbeit den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass der Urlauber im Dialog mit Einheimischen dichter an den Alltag des jeweiligen Landes rückt, also eher ein Reiseerlebnis hat, statt auf der glatten Veranstalterautobahn durch den Urlaub zu rauschen.  

Und natürlich setzt auch der Marktführer auf den digital ausgerüsteten Pauschalisten: Seit kurzem erhalten Urlauber in Spanien, Griechenland, Portugal, Bulgarien und der Dominikanischen Republik die Transferzeiten per SMS auf ihr Handy. Weitere Länder sollen nun folgen. Einen Internetzugang im Transferbus – offenbar ein Verkaufsargument – wie derzeit in der Türkei und Spanien soll es in Zukunft in noch mehr Ländern geben. Zudem werden in mehr als 90 Prozent der Reisebüros künftig Touchpads eingesetzt, mit denen sich die Kunden vor der Buchung über Hotels und Urlaubsziele informieren können. 

Bei der guten Geschäftsentwicklung von Tui sorgt die Luxus-Tochter Airtours für das wirtschaftliche Sahnehäubchen: „Luxus läuft“, heißt es. „Menschen mit Geld wollen sich etwas gönnen“, weiß Stefan Krämer, Leiter der Unternehmensmarke Airtours. Sie nähmen auch gern gewisse Privilegien wie Upgrades bei Flügen oder Chauffeurservice in Anspruch. Dazu sollten sie allerdings dem „Inner Circle“ angehören, dem Kreis derer, die in den zurückliegenden zwölf Monaten beim Veranstalter Reisen für mehr als 10 000 Euro gebucht haben.

Reisebüros rüsten auf

Die goldene Spitze der zwölf Airtours-Kataloge bildet übrigens „Finest“, der in aufwendiger Machart durchaus als Prachtband auf dem heimischen Kaffeetisch zu reüssieren vermag. Das hochwertige Stück gibt es jedoch nur auf Anfrage. Mit etwas Glück liegt es auch im Wartebereich der Steuerberaterkanzlei, beim Promi-Coiffeur oder der Schönheitsfarm. Einen Preisteil wird der geneigte Kunde gleichwohl vergeblich suchen, frei nach dem Motto: Wer sich nach dem Preis erkundigen muss, kann sich den Spaß eh’ nicht leisten.

Die Veranstalter der Thomas Cook AG geben sich bei ihren Angeboten als Vorreiter der digitalen Anwendungen. Weil „immer mehr Kunden bei der Urlaubssuche ihre Smartphones und Tablets“ nutzen, stellen sie eine neue kostenlose App zur Verfügung, mit der Reiseinteressierte Zugriff auf Videos und Bildergalerien von Hotels haben. Dazu wurden Hotelbilder in den Katalogen aufbereitet, die mit Hilfe der neuen App „Travel Insight“ gescannt werden können. Der Kunde wird dann auf zusätzliche Inhalte weitergeleitet, von Videos bis hin zu Google-Maps. Im ersten Schritt bietet Thomas Cook die „Augmented Reality-Funktion“ für 250 Hotels.

Eine Befragung von Thomas Cook ergab, dass sich die Kunden auch im Reisebüro sowohl interaktive Medien wünschen als auch „Freiräume, um sich in Ruhe inspirieren“ lassen können. Künftig bieten die Büros deshalb neben den klassischen Beratungscountern Lounge-Ecken und frei zugängliche Tische wie in einer Bibliothek. In diesen „Inspirationsbereichen“ stehen Tablets bereit, mit denen die Kunden sich umfassend informieren können. Weitere Elemente der so ausgerüsteten Reisebüros sind auch hier Touchscreens und ein Reise-Konfigurator, an dem sich jeder seine Wunschreise selbst zusammenstellen kann. Gleichzeitig werden die Webseiten neckermann-reisen.de und thomascook.de neu gestaltet.

Der neue Auftritt beziehe zum ersten Mal die Kunden direkt ein, wird jubiliert. Die Erwartungen, die in generelle Reiselust in Kombination mit ausgefeilter Animationstechnik gesetzt werden, sind entsprechend hoch. Cook/Neckermann verdreifachen etwa ihr Angebot für Städtereisen, von 2100 Hotels auf 6000 Hotels in 21 Ländern. Eine weitere Neuerung: Die Städtetrips sind nun auch kombinierbar mit einer Anreise per Fernbus.

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