Reise : Drei Schichten Leder am Stiefel

Das Armeemuseum in Kulmbach dokumentiert altpreußisches Soldatenleben, Ausrüstungen und Waffen. Verherrlicht wird das Militär des „Alten Fritz“ nicht.

Preußischer Adler am Degen. Zur Zeit Friedrichs II. sollten Waffen auch präsentabel sein. Die Ausstellung auf der Plassenburg macht das in vielen Details deutlich. Foto: dpa
Preußischer Adler am Degen. Zur Zeit Friedrichs II. sollten Waffen auch präsentabel sein. Die Ausstellung auf der Plassenburg...Foto: dpa

Das Jubiläumsjahr von Friedrich dem Großen wird groß gefeiert – vor allem in Berlin und Potsdam. Doch wer sich für Details zu den Truppen Friedrichs interessiert, kann auch nach Bayern reisen. Genauer gesagt nach Kulmbach in Oberfranken. Hinter den Mauern der beeindruckenden Plassenburg ist die größte Ausstellung altpreußischer Militaria aus der Zeit zwischen 1700 und 1806 zu sehen, wie die Bayerische Schlösserverwaltung betont. Einige der Exponate werden auch bei der Jubiläumsschau „Friederisiko“ von Ende April an in Potsdam zu sehen sein.

Der Historiker Bernd Windsheimer hat all die Degen, Gewehre, Uniformen, aber auch Dokumente, Gemälde und Alltagsgegenstände der Soldaten in mehr als vier Jahrzehnten gesammelt. Zunächst war seine Sammlung auf Schloss Ortenburg in Niederbayern untergebracht, doch Ende der 1990er Jahre waren die Räume zu klein. Auf der Suche nach einer neuen Ausstellungsstätte wurde der Sammler in Kulmbach fündig – die Plassenburg ist die bedeutendste Hohenzollern-Festung in Bayern. Dort entstand das „Armeemuseum Friedrich der Große“.

Windsheimer kennt sich aus in der Szene – und ist mit seiner Sammlung bekannt. Er weiß, welche Antiquitätenhändler Militaria anbieten, welche Schätze in privaten Sammlungen schlummern. Von einem speziellen Trompeterdegen, so weiß er, sind nur noch wenige Exemplare bekannt. Zehn Jahre mühte er sich darum, einen dieser Degen zu bekommen. Es klappte – für einen fünfstelligen Betrag. Oder eine Hinterglasmalerei mit Szenen aus der Zeit Friedrich des Großen. Ein Bekannter machte ihn darauf aufmerksam, dass das Kunstwerk bei einem Hausabbruch in Norddeutschland zufällig entdeckt worden sei. „Ich könnte zu jedem Exponat eine fantastische Geschichte erzählen“, sagt Windsheimer. 850 Ausstellungsstücke hat er bisher.

Die Schau beginnt mit der Zeit von Friedrich Wilhelm I., Friedrichs Vater. Er schrieb dem preußischen Heer erstmals zentral die Ausrüstung vor und richtete eine Gewehrmanufaktur in Potsdam ein. Dann geht es um die verschiedenen Streitkräfte: Dragoner, Husare, Infanterie, Jäger, Kürassiere. Letztere waren die Elitesoldaten des Heeres, ein Kürassier musste mindestens 1,80 Meter groß sein. Sie trugen Stiefel mit drei Schichten Leder, zum Schutz vor Gewehrkugeln.

„Preußen war die stärkste Armee im 18. Jahrhundert“, sagt Windsheimer. Zwei Vitrinen sind auch den Gegnern Frankreich und Österreich gewidmet. Kaiserin Maria Theresia war Friedrichs Gegenspielerin.

Windsheimers Schau verherrlicht das preußische Militär nicht, es wird auch das harte Lagerleben der Soldaten gezeigt. Eine Amputiersäge etwa weist auf die medizinische Versorgung hin – „und da lag einiges im Argen“, sagt Windsheimer. Viele Soldaten seien nicht in der Schlacht gestorben, sondern später am Wundbrand.

Große Kasernen gab es zur Zeit Friedrichs auch noch nicht – Bürger mussten die Soldaten aufnehmen, ihnen Räume zur Verfügung stellen und erdulden, dass sie ihre Gewehre mit Urin reinigten. Legendär auch der Drill im preußischen Heer: Dokumente zeugen von strengen Strafen bei Fehlverhalten.

Eine Deutung der Herrschaftszeit des „Alten Fritz“ sucht man im Museum indes vergeblich. Der Sammler will das bewusst nicht. „Hier steht die Dokumentation im Vordergrund.“ (dpa)

Internet: www.schloesser.bayern.de www.armeemuseum-plassenburg.de/

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