Durch Deutschland : Strampelnde Nation

Die Deutschen steigen in ihrem Urlaub zunehmend auf das Fahrrad um und erkunden damit das eigene Land.

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Radeln ist auch in Europa Trend. Foto: ddpddp

„Seit dem Jahr 2000 steigt die Nachfrage nach fahrradtouristischen Angeboten stetig“, sagt Iris Hegemann, Referentin für Verkehr und Tourismus des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) in Bonn. In den vergangenen Jahren habe sich das Angebot nahezu verfünffacht. Beliebt seien vor allem der Elbe-Radweg und Mountainbike-Touren in den bayerischen Voralpen.

Das Fahrrad habe sich damit mittlerweile zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt, sagt Hegemann. „Mit den Bruttoumsätzen an Ort und Stelle sowie Anreisekosten, Investitionen für Fahrrad und Ausrüstung kommen wir auf einen Gesamtbruttoumsatz von 9,16 Milliarden Euro.“ Damit liege der Fahrrad- noch vor dem Camping- und weit vor dem Kanutourismus. „Rein rechnerisch bestreiten 186 000 Menschen allein mit diesem Sektor ihren Lebensunterhalt.“ Der unmittelbare Umsatz durch den Fahrradtourismus, also durch die Ausgaben der Ausflügler und Urlauber im Gastgewerbe oder im Einzelhandel, liege bei knapp 3,9 Milliarden Euro.

Grund für die steigende Beliebtheit des Rades sei zunächst einmal die gute Infrastruktur in Deutschland, sagt Hegemann. Zwar sei eine einheitliche Beschilderung wünschenswert, das Radwegenetz sei jedoch insgesamt 75 000 Kilometer lang. Hotellerie und Gaststätten seien hingegen mit speziellen „Bett & Bike“-Angeboten auf die Zweiradurlauber eingerichtet. Und schließlich entsprächen Bewegung an frischer Luft und die Schonung der Umwelt dem Zeitgeist.

Die Velourlauber legten Wert auf gut ausgebaute Strecken, attraktive Landschaften und die Möglichkeit, sich an der Strecke oder am Etappenziel kulturell oder sportlich zu betätigen, sagt die Tourismusexpertin. Ein Theaterbesuch werde ebenso gern angenommen wie das Kombipaket „Pedal und Paddel“ mit einer integrierten Kanufahrt. Außerdem blieben die Kosten bei dieser Art von Urlaub im Rahmen. „In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit liegt es in der Entscheidung des Urlaubers, wie viel Geld er an Ort und Stelle ausgibt und wie teuer unterm Strich der Urlaub werden wird.“ dpa

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