Ecuador : Die schwarzen Augen des Schmetterlings

Dichter Regenwald, über 70 Vulkane, rare Pflanzen und Tiere: Ecuador ist faszinierend, vor allem für Wanderer.

Lottemi Doormann
Gigantisch. Im Waldschutzgebiet Mindo lebt nicht nur dieser Bananenfalter, auch rund 500 Vogelarten wie Kolibri und Papagei wurden gezählt.
Gigantisch. Im Waldschutzgebiet Mindo lebt nicht nur dieser Bananenfalter, auch rund 500 Vogelarten wie Kolibri und Papagei wurden...Foto: Reiner Harscher, mauritius images

Zu viert in einem offenen Drahtseilkäfig über den Dschungel zu sausen, dafür braucht man schon ein bisschen Mut. Unter uns ein gigantischer Teppich aus dunkelgrünen Urwaldwipfeln bis zu den Bergen am Horizont. Endlos möchte man so weiterschauen, aber nach gut 500 Metern müssen die Gäste aussteigen. Die handbetriebene Seilbahn fährt zur Waldstation zurück. Weiter geht es zu Fuß auf holprigen, teilweise steilen Pfaden zu den sieben Wasserfällen im Bergnebelwald von Mindo-Nambillo.

„Alle Baumriesen mit ihren Stelz- oder Brettwurzeln kämpfen ums Licht“, sagt unser Begleiter Boris Siebert, ein deutscher Anthropologe, der seit langem in Ecuadors Hauptstadt Quito lebt und sich mit Tropenpflanzen auskennt. Besonders die Würgefeige beeindruckt uns. Sie setzt sich von oben auf die Baumkrone eines mächtigen Wirtsbaums, überwuchert ihn nach und nach mit langen Luftwurzeln, umwickelt ihn immer fester und erwürgt ihn schließlich. So erobert sie sich einen Platz im schier undurchdringlichen Dschungel. „Bei manchen Schlingpflanzen ist es allerdings eine Selbstmordaktion“, sagt Boris, „die sterben mit dem Wirtsbaum.“

Als wir den ersten Wasserfall erreichen, durchbricht die Sonne das dichte Baumkronendach. Orchideen verstecken sich im Gebüsch, azurblaue Morphofalter flattern davon. Rauschend stürzt das Wasser herunter aus dem Pichincha-Gebirge. Jeder dieser Wasserfälle ist anders, der eine mehr fürs Auge, der andere mit einem Naturbecken zum Baden geeignet, den dritten muss man sich balancierend über Baumstämme und glitschige Steine erst erobern.

Der Bergnebelwald gehört zu einem der eindrucksvollsten Naturschutzgebiete Ecuadors, dem 19 200 Hektar großen Bosque Protector Mindo-Nambillo. Außer dem bis zu 2000 Meter hoch gelegenen Nebelwald umfasst dieses Schutzgebiet auch feuchtwarme, subtropische Regenwälder und zieht sich hinauf bis zu den schroffen Kraterwänden des Vulkans Guagua Pichincha auf über 4000 Meter Höhe. Aus diesen unterschiedlichen Waldformen erklärt sich die hohe Biodiversität der Flora und Fauna, die aufzuspüren man tagelange Wanderungen brauchte.

Der kleine Ort Mindo, der sich über Jahre den Schutz seiner Nebelwälder gegen die Verlegung von Ölpipelines erkämpfen musste, bietet sich als Ausgangspunkt für Exkursionen an. Für Vogelbeobachter ist es ein Paradies. Seiner etwa 500 Vogelarten wegen, darunter rote Andenfelsenhähne, Tukane, Bergfasane, Papageien, Kolibris, Haubenspechte, Habichte, Eulen, Wildenten und Quetzales, wurde der Wald zu einem der bedeutendsten Vogelschutzgebiete Südamerikas erklärt.

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