Reise : Ein Motor darf auch laut sein

Die Erkenntnis eines Richters wird die meisten Menschen nicht verblüffen: Auf Kreuzfahrtschiffen müssen Passagiere mit Motorgeräuschen rechnen. Solange „das übliche Maß“ nicht überschritten wird, sei eine Minderung des Reisepreises nicht gerechtfertigt, auch nicht für Passagiere in einer Premium-Suite, urteilte das Landgericht Rostock. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“. Dabei kann es sich bei der zu duldenden Lärmbelästigung sowohl um Geräusche von Schiffsmotoren handeln als auch um akustische Störungen von Motoren, die dem Betrieb von Klima- oder Entlüftungsanlagen dienen.

Im verhandelten Fall hatten die Kläger auf einem Kreuzfahrtschiff eine sogenannte Premium-Suite für eine Karibikreise gebucht. Unterhalb des zur Kabine gehörenden Sonnendecks befand sich ein Lufteinzug zum Betreiben der Lüftungsanlagen. Über den von diesem Ansaugstutzen verursachten Lärm beschwerten sich die Kläger.

Das Gericht wies die Klage ab, die Reisenden hätten keinen Anspruch auf Minderung des Reisepreises. Zwar könne eine übermäßige Lärmbelästigung grundsätzlich ein Reisemangel sein. Sie müsse jedoch hingenommen werden, wenn sie im üblichen Rahmen bleibe. Eine außergewöhnliche Lärmbelästigung hätten die Kläger jedoch nicht beweisen können. Hinzu komme, dass die Reederei in ihrem Katalog auf Motorengeräusche hinwies. Auch aus dem Umstand, dass die Kläger für besonders viel Geld eine Premium-Suite gebucht hätten, ergebe sich nicht das Anrecht auf eine außerordentlich ruhige Kabine. (Aktenzeichen: 9 O 147/10) dpa

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