Elbe-Elster-Land : Der Schatz der Rosen

Der Pfarrgarten von Saxdorf lag Ende der 60er Jahre verwüstet da. Dann machten zwei Männer ein blühendes Wunder daraus

Hella Kaiser
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Besucher gehen weich. Pfarrer Karl-Heinz Zahn (links) und Hanspeter Bethke sorgen gemeinsam für ihren Zaubergarten. Geschenke von...

Im Pfarrgarten von Saxdorf gibt es keine Wege. „Hier gehen Sie nur auf Rasen“, sagt Hanspeter Bethke und schiebt stolz hinterher: „Das gibt es nicht mal in England.“ Und England, das ausgewiesene Gartenland, war schließlich immer sein leuchtendes Vorbild. Doch über die Jahre hat sich der Gärtner und Maler davon emanzipiert und ein beispielloses Kleinod geschaffen. Unter seiner Hege und Pflege, unterstützt von seinem Gefährten, Pfarrer Karl-Heinz Zahn, ist ein bunt blühendes, duftendes Wunder entstanden. Über 2500 Pflanzenarten sind zu entdecken, darunter 300 Rosensorten.

Rund vierzig Jahre Arbeit stecken darin. 1968 kamen Bethke und Zahn nach Saxdorf, einige Kilometer westlich von Bad Liebenwerda. Nur Ödnis war damals rund um die romanische Kirche aus dem 13. Jahrhundert. In den 1960er Jahren plante die DDR eine militärische Nutzung der Gegend, eine Panzerstraße wurde gebaut. Und was im Weg war, musste weichen. Zahlreiche Obstbäume, Ulmen und Haselnusssträucher fielen der „Modernisierung“ zum Opfer. Der alte Pfarrgarten wurde verwüstet. „Es gab viel zu tun“, sagt Bethke – und so fingen sie einfach an. Beseitigten mannshohe Brennnesseln, wuchernden Hopfen und kämpften sich durch Brombeerdickichte.

Dann, endlich, konnte gepflanzt werden. Ein Maulbeerbaum hier, Azaleen dort, Magnolien, Astern, Schwertlilien und immer wieder Rosen, Rosen, Rosen.

Der Garten bekam Gestalt. Auch durch jene Gegenstände, die von den Bauern in den siebziger, achtziger Jahren achtlos weggeworfen wurden. Ein altes, schmiedeeisernes Zaunelement ist zur Rankhilfe für Wicken geworden. Alte Steine umfassen Beete, auf einem Sandsteinsockel steht ein Kakteentopf, aus einem Futtertrog sprießen Dutzende lila Blüten. „Der Pfarrer ist mit der Sackkarre zum Müllplatz gefahren und hat das alles eingesammelt“, erklärt Bethke.

Während die Bauern im Dorf ihre Höfe „modern und sauber“ haben wollten, konservierten Bethke und Zahn Vergangenes. So tragen die Backsteinquader am Garteneingang eine Haube aus fleischigen Semperviven, zu Deutsch Donnerwurz. „Das haben wir den alten Bauernhöfen abgeguckt“, sagt Bethke. „Früher sah man das hier überall, denn Donnerwurz sollte, so der Aberglaube, vor Blitzeinschlägen schützen.“

Wenn die beiden Saxdorfer ihr Idyll verlassen, dann vor allem, um sich anderswo in der Welt Gärten anzuschauen. Und immer kommen sie mit Mitbringseln zurück, die dann im Pfarrgarten eingepflanzt werden. Ein Ableger des legendären 1000-jährigen Rosenstocks vom Hildesheimer Dom gehörte dazu, aber auch ein chinesischer Urweltmammutbaum.

Inzwischen hat auch die eine oder andere Skulptur aus Holz oder Stein ein Plätzchen im Garten gefunden. „Geschenke von Künstlerfreunden“, brummelt Bethke. Inmitten der wuchernden Pflanzen entfalten die Objekte einen ganz eigenen Charme. Hier und da steht eine Ruhebank oder ein Holztisch mit ein, zwei alten Gartenstühlen drumherum. Ob Bethke mal darauf sitzt, um in alten Gartenbüchern zu schmökern? Schließlich besitzt er eine ganze Bibliothek solcher Schätze, darunter zum Beispiel Karl Foersters Klassiker „Blütengarten der Zukunft“ aus dem Jahre 1916.

Dreimal in der Woche ist Saxdorf für Besucher geöffnet. Individualisten wünscht sich Bethke dann, die das Kunstwerk aus Steinen, Sträuchern, Rasen und Kletterpflanzen in seiner Einzigartigkeit begreifen. Und darüber staunen, was selbst an schattigen Fleckchen noch blüht und gedeiht. Wahrscheinlich werden sie Bethke und Zahn darum beneiden, weil die das duftende Paradies jeden Tag genießen können. Oder doch zumindest aus einem rosenumrankten Fenster im Pfarrhaus einen stolzen Blick drauf werfen können.

Bethke lächelt und schaut auf seine Hände. Die bezeugen, dass so ein Garten auch viel Arbeit macht. Da muss gegossen und geschnitten werden, dort eine Schnecke entfernt und Raupen zuleibe gerückt werden. Ein Ruhestand ist nicht in Sicht – und auch nicht erwünscht. Andererseits: Bethke und Zahn sind beide um die siebzig. Und machen sich ein bisschen Sorgen darum, ob sich mal jemand findet, der ihr Lebenswerk fortsetzt. Die Hoffnung hilft – und vielleicht auch ein Gebet. Die hübsche, kleine Kirche lädt dazu ein – und die ist ja gleich nebenan.

Der Garten ist zwischen Ostern und Mitte Oktober jeweils mittwochs, sonnabends und sonntags geöffnet.

Kontakt: Hanspeter Bethke und Karl-Heinz Zahn, Hauptstraße 5, 04895 Saxdorf; Telefon: 03 53 41 / 21 52, im Internet: www.saxdorf.de

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