EM : Spontan zum Kick

EM-Angebote für "Last-Minute-Fans": Zürich ist belegt, Wien hat Zimmer.

Christian Röwekamp

Spontane Reiseideen sind oft die besten. Ob das auch die Fußballfans so sehen, die sich jetzt noch für einen Besuch der EM-Städte in Österreich und der Schweiz (7. bis 29. Juni) entscheiden, wird nicht nur vom Abschneiden der deutschen Mannschaft abhängen. Last-Minute-Trips sollten jedenfalls nicht auf dem Zufallsprinzip aufbauen – ohne frühe Zimmerbuchung droht ein Schlafplatz unter der Brücke. In den meisten EM-Städten sind die Hotelkapazitäten weitgehend erschöpft. Und auf günstige Offerten von Veranstaltern zu warten, dürfte sich nicht lohnen – anders als sonst, werden die Anbieter ihre Preise für Kurzentschlossene nicht senken.

Schwierig wird es vor allem in der Schweiz, gerade in Basel und Bern: „In den ersten EM-Tagen haben wir gleichzeitig die Kunstmesse Art Basel, in Bern tagt noch das Parlament – da sieht es mit Hotelzimmern zappenduster aus“, sagt Jörg Krebs von Schweiz Tourismus in Zürich. Hinzu komme, dass die Fans aus den Niederlanden rund um den Spielort ihres Teams viele Hotelzimmer längst belegt haben. Besser sehe es im Raum Zürich aus.

Für deutsche „Last-Minute-Fans“ interessanter ist die Buchungslage in Österreich – dort bestreiten Ballack & Co. die Vorrunde. In Klagenfurt, wo am 8. und 12. Juni Polen und Kroatien als Gegner warten, seien die 3000 Gästebetten „für die Euro ausgebucht“, sagt Markus Strutz von Klagenfurt Tourismus. „Was wir noch anbieten können, sind Fancamps.“ Auch in Innsbruck „sind die Zimmer an den Spieltagen ausgebucht“, heißt es bei der Tirol-Werbung. In Wien, wo Deutschland am 16. Juni auf Österreich trifft, sind trotz „erfreulicher Buchungslage“ noch „in allen Kategorien Zimmer zu bekommen“, verlautet aus Wien.

Wer sich erst im Mai oder zum Turnierstart im Juni zu einer Reise in die EM-Länder entschließt, muss zum Teil längere Anfahrten in die Städte in Kauf nehmen – „im Umkreis von 20 Kilometern stehen noch Zimmer zur Verfügung“, sagt etwa Gabi Ziller über Innsbruck. Oder er muss darauf hoffen, dass noch viele Zimmer kurzfristig frei werden, die bislang nur „virtuell“ belegt sind. „Täglich werden blockierte Kontingente zurückgegeben, etwa von der Uefa direkt“, erklärt Daniela King von der Salzburg-Information. Wie viele Zimmer die Sponsoren noch freigeben, dürfte allerdings erst „sehr kurzfristig vor dem Turnier“ feststehen, sagt Jörg Krebs von Schweiz Tourismus, der mit sehr vielen kurzentschlossenen EM-Besuchern rechnet.

Zum Teil sehen das auch die Reiseveranstalter so, etwa der Sportreisen-Spezialist Voss & Votava in Unna. Wenn es im Sommer Positives von der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu hören gebe, sei durchaus mit vielen Last-Minute-Wünschen zu rechnen, sagt Helmut Voss, der mit etwa 1000 EM-Kunden kalkuliert, darunter auch viele Firmen. „Wir haben noch Zimmer in Wien und Klagenfurt.“ Dass bei Preisen von 3990 Euro für eine dreitägige Flugreise zum EM-Finale in Wien auch viele Einzelkunden zuschlagen, ist eher nicht zu erwarten. Preise für Touren zu Vorrundenspielen gibt es derzeit „auf Anfrage“.

Bei Vietentours in Düsseldorf kostet ein viertägiger Trip zum Polen-Spiel in Klagenfurt ab 1265 Euro – ohne Anreise. „Wir haben noch ganz gute Kapazitäten mit Hotels im Drei- und Vier-Sterne-Bereich“, sagt Geschäftsführer Hans Overhage. Preisnachlässe werde es nicht geben, „das wäre unfair gegenüber allen, die frühzeitig gebucht haben“. Insgesamt habe Vietentours 7000 bis 8000 Hotelzimmer in Österreich und der Schweiz für die EM geblockt, davon 1500 bis 2000 für deutsche Einzelreisende.

Das Problem aller Reiseveranstalter ist, dass sie Eintrittskarten für die EM-Spiele nicht als Teil ihrer Gesamtpakete verkaufen dürfen. Anbieter wie Vietentours helfen zwar bei der Ticket-Beschaffung und kalkulieren die Kosten dafür auch in ihren Preisen ein, sind aber selbst nicht die Verkäufer der Stadionkarten. „Dass wir keine Tickets verkaufen, bremst schon die Euphorie“, sagt Tom Rostek, Sportreisen-Produktleiter beim Veranstalter Dertour in Frankfurt am Main. Der Marktführer für Städtereisen erwartet, dass viele wegen der EM-Atmosphäre zum Public Viewing in die Alpenländer reisen: „Unsere Hotelkontingente in den EM-Städten sind ausgebucht, da steigen wir auch nicht noch einmal in den Markt ein.“

Ob auch die angekündigten Dertour-Sonderzüge zu den Gruppenspielen mit deutscher Beteiligung auf die Reise gehen, steht noch nicht fest. Für die drei Züge, die sich von Hamburg aus mit Stopps in 13 Bahnhöfen nach Klagenfurt und Wien aufmachen sollen, war bis jetzt die Mindestteilnehmerzahl von 450 Gästen nicht erreicht. Die Züge fahren nachts hin und zurück, die Fans brauchen kein Hotelzimmer. „Die meisten Buchungen haben wir aus dem Ruhrgebiet“, sagt Rostek. Wenn die DFB-Elf das Viertel- und Halbfinale erreicht, sei vorstellbar, „dass wir auch dann Sonderzüge zu den Spielorten kurzfristig anbieten“.

Informationen: Österreich Werbung (Gratis-Telefon: 00800/40 02 00 00, Internet: www.austria.info); Schweiz Tourismus, (Gratis-Telefon: 00800/10 02 00 30, Internet: www.myswitzerland.com

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