Essen im Flugzeug : Das Premium-Menü

Früher gab’s im Flieger nur zwei Klassen: Economy und Business. Nun wird eine Variante angeboten

Christian Röwekamp
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Bequemer als in den Economy- geht’s in den „Business Light“-Klassen zu. Foto: promo

Dass Manager stets und komfortverwöhnte Urlauber oft in der Business Class reisen, ist passé. Denn angesichts der Wirtschaftskrise haben Firmen ihre Dienstreiserichtlinien verschärft und auch Privatreisende schauen genauer aufs Budget. Nun in die „Holzklasse“ – also die Economy Class – zu wechseln, dürfte vielen allerdings schwerfallen. Das muss auch nicht sein: Als Alternative gibt es immer mehr Angebote zwischen den beiden Klassen. Sie heißen Economy Extra, Premium Voyageur oder World Traveller Plus und bieten „ein bisschen Business“ zum nicht ganz so üppigen Preis.

Die Sitzklassen zwischen Eco und Business sind eine Erfindung der vergangenen zehn Jahre. British Airways, United Airlines, Air New Zealand und die skandinavische SAS gehörten zu den ersten Anbietern. Im Sommer 2008 baute auch der Ferienflieger Condor seine Maschinen vom Typ Boeing 767-300 entsprechend um. Mit Air France ist nun ein weiteres Branchen-Schwergewicht aktiv geworden: Ende Oktober flog die erste Maschine mit der Premium Voyageur genannten Zwischenklasse von Paris nach New York, Tokio folgt als zweites Ziel.

Wie sehr die Krise Reisende umsteigen lässt, zeigen Zahlen zur Economy Plus bei United Airlines. Bei der US-Fluggesellschaft lag die Zahl der Reservierungen von Januar bis August 2009 um 25 Prozent über dem Vorjahreswert, sagt Sprecher Werner Claasen in Alsbach.

Auch Condor stellt fest, dass ihre neue Premium Eco, platziert zwischen Economy und Comfort Class, gut ankommt – und zwar nicht nur bei Passagieren, die jetzt sparen müssen: „Sowohl Kunden, die vorher Economy gebucht haben, als auch Comfort-Class-Kunden interessieren sich für die neue Premium Eco“, sagt Firmensprecher Johannes Winter. Bei SAS dagegen heißt es: „Ein deutlicher Trend zugunsten von Economy Extra ist nicht feststellbar“, die Buchungszahlen seien dort stabil.

Was dürfen Passagiere in den Zwischenklassen erwarten, und wie teuer wird für sie der Spaß? Hier eine kurze Übersicht:

Mehr Platz für die Beine

Der größere Sitzabstand als in der Eco dürfte vielen Gästen in der Zwischenklasse als Erstes auffallen. Am meisten bietet die Air New Zealand, nämlich 102 bis 104 Zentimeter Abstand zum Vordermann. Je nach Flugzeugtyp sind das 15,6 bis 22,7 Zentimeter mehr als in der Economy Class, erklärt die Airline-Vertretung in Neu-Isenburg.

Die Angaben der Konkurrenz zum Vergleich: British Airways (97 Zentimeter Abstand, 18 mehr als in der Eco), Air France (97 Zentimeter, 15 mehr), SAS (96 Zentimeter, 15 mehr), United Airlines (92 Zentimeter, plus 13) und Condor (91,4 Zentimeter, plus 15,2).

Eine Besonderheit bei Air France ist, dass dort auch in der Zwischenklasse ein Hartschalensitz verwendet wird, sagt Sprecherin Bianca Wirth. Bei dieser Konstruktion muss kein Passagier seinen Tomatensaft auf dem Tablett festhalten, wenn der Vordermann unangekündigt die Rückenlehne bewegt.

Anders essen – oder auch nicht

Wer in der Zwischenklasse Platz genommen hat, darf sich manchmal über einen anderen Service als in der „Holzklasse“ freuen. Überall ist das aber nicht so. Air France und United zum Beispiel lassen Essen und Getränke wie hinten in der Maschine auftragen. Air New Zealand dagegen serviert Getränke und Speisen wie in der Business.

Bei British Airways und SAS enthält das Menü in der Zwischenklasse drei Gänge, bei Condor wartet ein „Premium-Menü“.

Weitere Annehmlichkeiten können zum Beispiel persönliche Bildschirme für die Bordunterhaltung, zusätzliches Freigepäck und – etwa bei British Airways – ein „Komfort-Reiseset“ mit Hygieneartikeln sein.

Was kostet es?

Natürlich lassen sich die Airlines den höheren Komfort bezahlen. Bei United beträgt der Aufschlag 80 bis 120 Euro pro Flug und Person. British Airways verlangt auf der Strecke London – New York für ein World-Traveller-Plus-Ticket ab 648 Euro. Das sind mindestens 234 Euro mehr als in der Eco, aber weniger als die Hälfte des Preises in der Business. Und bei Air France ist ein Flugschein Paris – New York und zurück in der Premium Voyageur für 1038 Euro zu haben – 390 Euro mehr als das reguläre Economy-Ticket und 53 Prozent des Business-Preises. Condor schlägt in der Regel 100 Euro auf den Preis der Economy, pro Strecke.

Wer zieht noch mit?

Konkrete Pläne weiterer Airlines seien ihm nicht bekannt, sagt Martin Gaebges, der Generalsekretär des Fluggesellschaftenverbundes Barig. Auch Lufthansa erlebt zwar momentan „in der Kabine eine Wanderung von vorne nach hinten, vor allem bei innereuropäischen Flügen“, sagt Sprecherin Amélie Schwierholz. Eine Klasse zwischen Business und Eco werde es jedoch nicht geben. Lufthansa setze auch künftig auf ihr Drei-Klassen-Angebot unter Einschluss einer First.

Dass First und Business Class aus den Flugzeugen verschwinden könnten, erwartet auch Gaebges nicht. Wenn es der Wirtschaft wieder besser gehe, werde es auch wieder mehr Buchungen für diese Sitzreihen geben – zuerst als Ausnahmeregelung für Manager auf langen Reisen und später ganz regulär. Nur werde es „diesmal länger dauern als nach früheren konjunkturellen Abschwüngen“, meint Gaebges.

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