Kopenhagen : Die Stadt der guten Laune

Das größte Aquariumbecken der Welt, Bio-Gourmettempel und E-Bikes zum Ausleihen: Kopenhagen setzt immer neue Trends.

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Der da könnte gefährlich sein! Zum Glück schützen dicke Glasscheiben die Besucher vor spitzen Haifischzähnen.
Der da könnte gefährlich sein! Zum Glück schützen dicke Glasscheiben die Besucher vor spitzen Haifischzähnen.Foto: Thomas Lekfeldt

Hering ist Hering und Dorsch bleibt Dorsch. Den Fisch erfindet niemand neu – sein menschengeschaffenes Zuhause aber, die Aquarien, präsentieren sich immer aufregender, immer spektakulärer. Seit März vergangenen Jahres erhebt sich am Öresund „Der Blaue Planet“, sozusagen ein Tempel für alles, was von der Natur mit Flossen, Schuppen und kleinen, spitzen Zähnen ausgestattet wurde. Nicht die einzige aufregende Attraktion, die Kopenhagen zu bieten hat.

Wie ein riesiger Propeller mit schimmernder Silberhaut liegt der „Planer“ unmittelbar am Wasser, direkt gegenüber des schwedischen Malmö. Im angeblich größten Aquariumbecken der Welt ziehen Hammerhaie, Tarpune und Zackenbarsche ihre Bahn, Stachelrochen gleiten auf fächelnden Schwingen durch die vier Millionen Liter Meerwasser, die von einer 45 Zentimeter dicken Panoramascheibe zurückgehalten werden. Das Szenario ist in fünf „Welten“ aufgeteilt.

Über dem Vogelfelsen der „Färöer“ beispielsweise schreien die Möwen, in den „Großen Seen Afrikas“ wimmelt der komplette Farbkasten tropischer Natur, und am „Amazonas“ verharren goldglitzernde Piranhas bewegungslos im Wasser, als hätte jemand jeden einzelnen an Fäden hineingehängt, wie eine kostbare Schaufensterdekoration.

Und dann sind da natürlich die Zahlen: 450 Arten. 20 000 Tiere. Ein 16 Meter langes Korallenriff. Schon im ersten Jahr kamen 1,3 Millionen Besucher – das doch recht kleine Kopenhagen hat es manchmal gern ein bisschen größer.

Mit dem richtigen Riecher, kann man es weit bringen in Kopenhagen

Die dänische Hauptstadt ist wie eine Wundertüte, aus der immer wieder mal neue Überraschungen purzeln. Der Besucher kann jedoch darauf vertrauen: Alles Alte ist an seinem Platz. Der Tivoli. Das interessante Arbeitermuseum. Die königlichen Pferde morgens vor Schloss Christiansborg. Aber mit Sicherheit ist einiges Neue dazugekommen: eine Muschelzucht mitten im Stadthafen. Der „Streetfoodmarkt“ in einer Industriehalle. Neue Geschäfte für Superheldenmasken oder feinste Papierwaren aus San Francisco.

„Ich bin Lasse“, sagt grinsend der pausbäckige junge Mann mit der Tolle. „Ich bin 24 Jahre alt. Und Haferbrei ist mein Leben.“ Lasse Andersen hat gut lachen: In seinem „Groed“, einem winzigen, ehemaligen Fahrradkeller in der angesagten Jaegerborggaede, sitzen junge Männer mit Basecap, Vollbärten und klug ausschauenden Freundinnen, löffeln dabei begeistert Vierkornmüsli, italienisches Risotto oder Apfelgrütze. Vor drei Jahren hat Lasse den Imbiss eröffnet, in dem Brei in vielerlei Form serviert wird – inzwischen ist es so erfolgreich, dass er in der neuen, hochfeinen Markthalle Torvehallerne einen Ableger einrichten konnte.

Röde Gröde med flöde, Dänemarks zungenbrechender Klassiker Rote Grütze mit Sahne in der Bio-Variante als Modesnack – sieh an! Wer den richtigen Riecher hat, kann es also weit bringen in Kopenhagen, insbesondere auf kulinarischem Terrain. Jüngst wurde das „Noma“ zum dritten Mal zum besten Restaurant der Welt gewählt. Die neue skaninavische Küche startete in diesem Edellokal von René Redzepi vor zehn Jahren seinen Siegeszug um die Welt.

Soeben wurde eine neue Generation Stadträder eingeführt

Aber auch wer nicht monatelang auf eine Reservierung im Allerheiligsten warten will, findet jede Menge vielversprechender Ausweichmöglichkeiten. Das sternengekrönte „Geranium“ etwa serviert hochverfeinerte vegetarische Küche. Im „Manfreds & Vin“ geht es hingegen kulinarisch etwas bodenständiger zu. Das Keller-Ambiente ist ausgesprochen gemütlich, zum Essen werden Bio-Weine serviert. Gegründet wurde es von Christian Puglisi, einem „Noma“-Schüler.

Ökologisch: Leihräder
Ökologisch: LeihräderFoto: Lerchenmüller

Auch Matthew Orlando hat seinen letzten kulinarischen Schliff im „Noma“, dieser Keimzelle kulinarischer Talente, erhalten. Im vergangenen Herbst eröffnete er auf der Hafeninsel Rafshaleöen – wo gestern das Finale des European Song Contest stattfand – sein Restaurant „Amass“. In der offenen Küche entstehen Köstlichkeiten wie Tintenfisch mit Mandelemulsion, Dry-aged-Rinderfilet mit Buttermilchsoße und Giersch oder Hühnerhaut mit Salzpflaumen und Rettich – kein kulinarischer Schickschnack, sondern vielmehr köstliche Geistesblitze aus überwiegend skandinavischen Zutaten.

Kopenhagen gelingt es immer wieder, Trends zu setzen. Soeben wurde eine neue Generation Stadträder eingeführt. Jedermann kann die 250 schweren, weißen „Bycyklen“ an verschiedenen öffentlichen Stellen unkompliziert ausleihen. Sie sind mit Elektromotor ausgestattet und haben ein fest eingebautes Tablet, auf dem der Fahrer in Dänisch oder Englisch per GPS navigieren, Informationen zu Sehenswürdigkeiten abfragen oder sich Hilfe bei technischen Problemen holen kann. Aufgeladen werden die Minicomputer an den Leihstellen, bezahlt wird per Kreditkarte, umgerechnet drei Euro pro Stunde.

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