Burgenstraße : Wo Luther Unterschlupf fand

Die Burgenstraße führt über 1200 Kilometer von Süddeutschland bis Tschechien.

Horst Heinz Grimm
Das Wahrzeichen von Nürnberg: In der Kaiserburg erwartet Besucher heute ein Museum, in dem es um die Baugeschichte der Anlage geht. Foto: Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg
Das Wahrzeichen von Nürnberg: In der Kaiserburg erwartet Besucher heute ein Museum, in dem es um die Baugeschichte der Anlage...Foto: dpa-tmn

Trutzburgen wachen über den Tälern, barocke Residenzschlösser und mittelalterliche Städtchen erinnern an frühere Zeiten. Eine Fahrt entlang der Burgenstraße gleicht einer Zeitreise in die Vergangenheit. Der Name ist Programm: Auf der Route durch Süddeutschland und Tschechien reihen sich Burgen und Schlösser wie Perlen aneinander.

„Die historische Route beginnt in Mannheim, führt über Schwetzingen, Heidelberg, Rothenburg ob der Tauber, Nürnberg, Bamberg, Coburg, Kulmbach und Bayreuth zur tschechischen Grenze“, erklärt Ariane Born, Geschäftsführerin des Vereins „Die Burgenstraße“ in Heilbronn. „Sie endet nach etwa 1200 Kilometern in Prag. Mehr als 90 Burgen und Schlösser, 15 davon in Tschechien, liegen am Weg.“ Eine Reise zu den geschichtsträchtigen Orten entlang der Route will gut geplant sein. Besucher können Etappen auswählen und sollten entsprechend viel Zeit mitbringen, sagt Born.

Werner Wichers aus Düsseldorf ist hier schon zum dritten Mal unterwegs. Er ist Vater von zwei Söhnen im Alter von zwölf und 14 Jahren. „Die Jungs sind ganz wild nach Ritterromantik. Diesmal stehen drei Burgen auf dem Programm.“  Wichers traf mit seiner Wahl voll ins Schwarze. Die mehr als 750 Jahre alte Festung Rosenberg über Kronach in Nordbayern an der Grenze zu Thüringen gilt als eine der am besten erhaltenen in Europa. Wenige Kilometer entfernt erhebt sich die Veste Coburg mit mächtigen Bastionen und tiefen Gräben. Der Reformator Martin Luther fand hier 1530 als Geächteter Unterschlupf. „Es ist ein überaus reizender und für Studien geeigneter Ort“, soll er damals gesagt haben.

Die dritte Anlage dieses Trios ist die imposante Plassenburg, die über Kulmbach thront. Chronisten datieren ihre Entstehung auf das Jahr 1135. Doch als im 16. Jahrhundert nach einem Krieg die Festung zerstört worden war, entstand bald ein Neubau, der heute als Juwel der Renaissance-Architektur in Deutschland gilt. „Auf der Burg ist das größte Zinnfigurenmuseum der Welt untergebracht“, sagt Hermann Müller, Kulturreferent der Stadt.

Ritterturniere, Schlossfestspiele und mittelalterliche Märkte locken jedes Jahr zahlreiche Besucher an. Es kommen Schulklassen und Reisegruppen ebenso wie Rad- und Motorradurlauber. „Häufig sind jedoch Familien mit Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren anzutreffen, die Ritterromantik suchen“, hat Born beobachtet.

Eine passende Unterkunft finden Touristen auf der Burgenstraße schnell. „Gefragt sind Hotels in historischen Gemäuern, die zeitgemäßen Komfort aufweisen“, sagt Born. In Haßmersheim nördlich von Heilbronn können bis zu 60 Urlauber im alten Marstall der mittelalterlichen Burg Guttenberg auf Heu übernachten. Außer diesem „Landsknechtlager“ stehen 14 „Kemenaten“ bereit. Zugeständnisse an die heutige Zeit sind die modernen sanitären Einrichtungen.

In der zum Teil privat bewohnten Burg Guttenberg gibt es eine urige Burgschenke, in der historisch kostümiertes Personal als Knappen und Mägde „allerley leckere Speysen“ serviert. Diese sind zum Teil nach Originalrezepten aus dem 13. bis 15. Jahrhundert zubereitet. Gern bestellt werden „Tafeleyen“, also Rittermahle. „Das sind aber keine Gelage, bei denen man mit Essen oder Tellern wirft“, sagt Herbergswirtin Uta Kannegießer vorsorglich.

Die Burganlage von Nürnberg sei eine international bekannte Touristenattraktion, ebenso wie die historischen Städtchen Heidelberg und Rothenburg ob der Tauber, meint Born. Zu überlaufen, dürfte sich mancher sagen und beispielsweise Bad Wimpfen am Neckar vorziehen. „Hier fand 1622 eine der schwersten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges statt“, erzählt der Hobbyhistoriker Henrik Graf aus München. Er reist wie viele andere mit seinem Fahrrad auf dafür ausgebauten Strecken von Burg zu Burg.

Ein Klassiker der Burgenstraße ist Bamberg mit seiner weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Altstadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Prägnantes Wahrzeichen ist das Alte Rathaus, das die Bürger im 15. Jahrhundert auf einer künstlichen Insel in der Pregnitz errichteten.

Orte an der Burgenstraße waren auch Schauplätze der Weltliteratur. So ließ Goethe in seinem „Götz von Berlichingen“ die Figur des kämpferischen Reichsritters „mit der eisernen Hand“ aufleben. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1562 auf der Burg Hornberg nördlich von Heilbronn und soll einen Vertreter der Staatsgewalt mit dem berühmten Zitat „Er kann mich im Arsche lecken“ bedacht haben.

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UNTERKUNFT

Auf vielen Burgen entlang der Route kann man auch nächtigen. Dazu gibt es eine Reihe von Pauschalpaketen (Auskunft siehe unten), beispielsweise auf der Burg Rabenstein in der Fränkischen Schweiz: Pauschale „Wildschwein“ mit Übernachtung, Frühstück und Wildschwein-Essen 98 Euro pro Person.

LITERATUR
Für die Burgenstraße gibt es einen Reiseführer aus dem Imhof Verlag: Auf 240 Seiten werden alle an der Route liegenden Burgen, Schlösser und Burgruinen beschrieben. Der Reiseführer vermittelt die historischen Hintergründe zu den Bauten und empfiehlt Rundgänge, auf denen alle für eine Burg wichtigen Räume vorgestellt werden.

Erhältlich ist dieser zum Preis von 12,80 Euro im Buchhandel oder kann nachfolgend zuzüglich 1,50 Euro Versandkosten bestellt werden.

AUSKUNFT
Die Burgenstraße e. V., Allee 28, 74072 Heilbronn;

Telefon: 071 31 / 56 40 28, www.burgenstrasse.de

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