Hoher Fläming : So trutzig die Türme

Der Burgenweg im Hohen Fläming ausgezeichnet. 2012 findet der Deutsche Wandertag in der Region statt.

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Burg Rabenstein im Hohen Fläming. Mehr Jugendherberge als Hotel, deshalb kann der Wanderer hier preiswert übernachten. Foto: ddp
Burg Rabenstein im Hohen Fläming. Mehr Jugendherberge als Hotel, deshalb kann der Wanderer hier preiswert übernachten. Foto: ddpFoto: ddp

Ein zertifizierter Wanderweg? Gütesiegel? „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“, schön und gut. Auch wunderbar, dass jüngst der Burgenwanderweg im Hohen Fläming so ausgezeichnet wurde. Doch fühlt man sich schon etwas an die Normier- und Regelwut von Bürokraten erinnert, die über DIN-Normen und Emissionswerte wachen. Geht es nicht beim Wandern darum, endlich mal dem Alltag mit all seinen Regeln und Bestimmungen zu entfliehen und den Beinen freien Lauf zu lassen? Halt! Genau das will eben das Gütesiegel sicherstellen.

„Der Weg soll weitgehend auf Naturböden verlaufen, anstelle von befahrenen Landstraßen und Gewerbegebieten soll er an landschaftlich möglichst reizvollen Orten vorbeiführen und einem mithilfe von Infostelen den Blick für Sehenswertes am Wegesrand öffnen“, erklärt Traugott Heinemann-Grüder, Geschäftsführer des Tourismusverbands Fläming. Im Übrigen sei das Gütesiegel wichtig für eine Reiseregion, die sich anschickt, im Juni 2012 Gastgeber des Deutschen Wandertags zu sein.

Schon seit Jahren wird hier fleißig an einem feinmaschigen Wegenetz und originellen Laufangeboten gearbeitet – neben dem Fläming Walk gibt es einen Kunstwanderweg, der über allerlei kreative Stationen von Belzig nach Wiesenburg führt, es werden regelmäßig Wandertage organisiert und sogar „Yoga-Walking“ angeboten. Nun also der Burgenwanderweg.

Mehr als eine Woche kann man auf der rund 150 Kilometer langen Strecke von Burg zu Burg wandern. Eckpunkte sind die Burg Eisenhardt in Belzig, die Burg Rabenstein, die Wiesenburg und die Bischofsresidenz Ziesar. Sie gehen allesamt auf slawische Wehranlagen zurück, haben aber ganz unterschiedliche Geschichten hinter sich. Wer sich auf ihre Entdeckung begibt, kann auch Serviceangebote wie den Gepäcktransfer oder die komplette Organisation einschließlich Übernachtungen in Anspruch nehmen. Wir probieren es erst mal mit einer Tagestour.

Unser Ausgangspunkt ist der Bahnhof von Belzig. Infotafeln weisen den Weg über eine Fußgängerbrücke, dann geht’s an den Gleisen entlang in Richtung Preußnitz. Kleingärten wechseln ab mit kleinen Wäldchen, während es gemächlich bergauf geht, gleitet der Blick über weite Felder und Wiesen. „Unterwegs hat man immer wieder wunderbare Ausblicke in die flämische Toskana“, hatte Wander- und Kulturführerin Ingrid Weinfeld zu Beginn der Tour versprochen. Nun ja. Vergleiche – ob mit der Toskana oder der besonders gern zitierten Schweiz – hinken meist. Der Naturpark Hoher Fläming kann auch ohne prominente Vorbilder auskommen. Mal haben wir ausgedehnte Kiefernwälder vor uns, wo das Klopfen der Spechte vernehmbar ist, mal Wiesen und Äcker, dazwischen überraschen Findlinge und die charakteristischen Rummeln. „Die Trockentäler sind Überbleibsel der Saaleeiszeit vor rund 300 000 Jahren und führen nur bei starkem Regen Wasser“, klärt uns die Führerin auf. Am Wegesrand liegen Bauernhöfe, stille Dörfer und der eine oder andere Landgasthof, der Flämingforellen oder zünftige Kartoffelgerichte auf den Tisch bringt.

Nachdem wir Preußnitz links liegen gelassen haben, empfängt uns eine schöne Kirschbaumallee, danach geht es an Holunderhecken, Feldern und Wäldchen vorbei nach Kranepuhl. Menschen sind nicht zu sehen, nur eine hübsche Feldsteinkirche und ein Kriegerdenkmal stechen aus der Häuseransammlung hervor. Wesentlich belebter ist Lühnsdorf, unser erstes Etappenziel nach 13,5 Kilometern. Im Landhotel „Alte Schmiede“ sitzen Gäste noch im Garten, drum herum schmücken Skulpturen die Umgebung des alten Vierseithofs. Vielleicht ein Süppchen gefällig? Die Speisekarte ist verlockend. Aber wir stillen lieber nur kurz unseren Durst. Es liegen noch fünf Kilometer vor uns.

Und es lohnt sich, nur eine kurze Rast einzulegen und sich wieder aufzuraffen. Denn bald folgt der Höhepunkt der Tour: das romantische Planetal, wo der gleichnamige Bach am Waldrand vor sich hinplätschert. Der idyllische Anblick hilft den Wanderern über die letzten beschwerlichen Kilometer bis Rädigke hinweg.

Im Rundlingsdorf mit Teich, Feldsteinkirche und Mufflongehege angekommen, ist nun wirklich eine Stärkung fällig. Dafür bietet sich der 350 Jahre alte „Gasthof Moritz“ an. Hier gibt es nicht nur den traditionellen Klemmkuchen, es stehen auch Zimmer zum Übernachten bereit – und jede Menge Bücher. „Erster Bibliotheksgasthof Deutschlands“ nennt sich der Vierseithof stolz. Über die gut gefüllten Regale seiner Flämingbibliothek wird sich auch so mancher Wanderer freuen, wenn ihn Regen hier länger als geplant festhalten sollte. Wir vertiefen uns stattdessen in die Wanderkarte. Bisher hat uns die Tour gut gefallen, nur Burgen haben wir keine gesehen. Aber die noch fehlenden Kilometer bis Raben mit der Burg Rabenstein schaffen wir auch noch.

Auskunft bei der Besucherinformation im Naturparkzentrum Hoher Fläming in Raben, Brennereiweg 45, Telefon: 03 38 48 / 600 04

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