Lutherweg : Der rastlose Reformator

Auf dem „Lutherweg“ lassen sich nun die Spuren des unsteten Kirchenmanns verfolgen.

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Aber hallo, Herr Luther! Der Reformator in Gestalt von Norbert Hein (hier vor der Mädler-Passage in Leipzig) wird in den den kommenden Jahren noch oft gefragt sein.
Aber hallo, Herr Luther! Der Reformator in Gestalt von Norbert Hein (hier vor der Mädler-Passage in Leipzig) wird in den den...Foto: Volkmar Heinz

Luther war kein Wanderer. Spätestens seit seine Ehefrau Katharina ihn bekochte, hatte er nämlich eine allzu opulente Statur. Reiter war er auch keiner, nicht zuletzt, weil seine Gallensteine ihn peinigten. Und das strapaziöse Pilgern zu Reliquien lag dem Reformator aus theologischen Gründen ebenfalls fern. Unterwegs war er trotzdem nahezu ununterbrochen. Die Gedanken der Reformation mussten zu den Adligen und unters Volk gebracht werden. Deshalb mangelt es in Mitteldeutschland nicht an Tafeln, auf denen bescheinigt wird, dass der Reformator an diesem Orte predigte, schmauste, übernachtete, sich mit Gleichgesinnten oder Widersachern traf. Wo die Gemäuer 500 Jahre oder älter sind, geht das problemlos. Manchmal wird ausgewichen auf „Hier stand das Haus, in dem Luther ...“

Und manchmal bleibt nur, um die Ecke zu denken: „In diesem Nonnenkloster lebte 1509 bis 1523 Katharina von Bora ...“, steht an der Ruine von Kloster Nimbschen bei Grimma. Luthers spätere Ehefrau floh am 5. April 1523 mit acht Gefährtinnen gen Wittenberg. Wie überall werden die Fakten umhüllt von einem Gespinst aus Legenden. Sind die jungen Frauen wirklich in die Heringsfässer gekrochen, die der Torgauer Ratsherr Leonhard Koppe ihnen geschickt haben soll?

Bestand ihre neue Freiheit tatsächlich darin, in Wittenberg herumgestanden zu haben, um von den Junggesellen der Stadt begutachtet und mitgenommen zu werden? Fest steht jedenfalls, dass ausgerechnet Luther keinerlei Lust auf den Ehestand verspürte. Aber er hatte versprochen, jeder entflohenen Nonne einen Gemahl zu beschaffen – und Katharina war nach zwei Jahren noch immer übrig. Deshalb heiratete er sie 1525. Aus dem Akt der Barmherzigkeit wurde dann doch noch Liebe. Und alle – vor allem die, die Gedenkstätten für Katharina unterhalten – sind sich einig, ohne „Herrn Käthe“, wie Luther seine Frau respektvoll nannte, wäre die Reformation anders verlaufen.

Der Lutherweg in Sachsen verbindet 27 Orte

Durch die unablässige Reiserei Luthers und seiner Mitstreiter und dadurch, dass sich in vielen Orten die Bürger schon früh dem neuen Glauben öffneten, ergaben sich jedenfalls so viele Stätten der Reformation, dass es nicht schwerfiel, die heutzutage durch einen Lutherweg zu verknüpfen. Sachsen-Anhalt und Thüringen taten dies bereits, Sachsen zog nach und eröffnet seinen Lutherweg am 4. Juni in Gnandstein. Diese touristischen Projekte sind Bestandteile der Lutherdekade 2008 bis 2017.

Sie endet mit dem 500-jährigen Jubiläum des Thesenanschlages von Wittenberg. Der Lutherweg in Sachsen verbindet auf rund 550 Kilometern 27 Orte; 43 Informationstafeln geben Auskunft über die jeweiligen Schauplätze der Reformation. Finanziert wurde das 880 000-Euro-Projekt aus Brüsseler Fördertöpfen und Mitteln der teilnehmenden Kommunen. Das meiste Geld floss in die Betreuung und Vermarktung des neuen touristischen Angebotes und in die Beschilderung. Baulich gab es die Wanderstrecken in der Mehrzahl schon.

Die Strecke führt von Torgau aus entweder östlich über Wurzen, Grimma und Rochlitz nach Zwickau oder auf der Westroute über Leipzig und Borna. In Bad Düben könnte der Wanderer auf den Lutherweg von Sachsen-Anhalt abbiegen, in Altenburg auf den von Thüringen. Man kann, aber muss nicht immer zu Fuß unterwegs sein. Wer schummeln will, könnte zum Beispiel von Leipzig aus mit dem Bus nach Grimma abkürzen. Oder er steigt gleich aufs Fahrrad, Motorrad oder ins Auto.

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