Mönchsweg : Eine Kerze für Petrus

Der Mönchsweg führt Radler von Bremen bis Fehmarn – vorbei an Kirchen, Klöstern und Gehöften.

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Grüß Gott! Am Benediktinerkloster Nütschau bei Bad Oldesloe verdient der Mönchsweg leibhaftig seine Bezeichnung: Begegnung mit Bruder Matthäus.
Grüß Gott! Am Benediktinerkloster Nütschau bei Bad Oldesloe verdient der Mönchsweg leibhaftig seine Bezeichnung: Begegnung mit...Foto: Axel Baumann

Bruder Matthäus Buß macht einen zufriedenen Eindruck. „Kloster Nütschau ist eine Oase der Ruhe am Wegesrand“, sagt der Ordensmann. Den schleswig-holsteinischen Abschnitt des Mönchswegs habe er bereits mehrmals abgeradelt. Nicht nur, um sich fit zu halten. Der kulturgeschichtliche und der religiöse Aspekt spielten für ihn eine Rolle, vor allem aber die gemeinsame Erfahrung in der Gruppe beim Unterwegssein.

Seit langem lebt der 72-Jährige im Benediktinerkloster bei Bad Oldesloe, das erst 1951 in einem Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert von der Diözese Osnabrück gegründet wurde. Heute leben neben Pater Matthäus 16 weitere Brüder in Nütschau, die sich der Bildungs- und Tagungsarbeit widmen. Und Gäste empfangen, die auf dem Mönchsweg unterwegs sind.

Jetzt wurde der niedersächsische Teil des insgesamt 530 Kilometer langen Radpilgerwegs eröffnet. Die mit einem blauweißen Kirchen-Logo ausgeschilderte Strecke führt durch drei Bundesländer: von Bremen durch Niedersachsen bis Puttgarden auf Fehmarn in Schleswig-Holstein. Die Route zeichnet die Ausbreitung des Christentums in Norddeutschland nach. „Sie folgt den Spuren der Missionare wie dem ,Apostel des Nordens‘, Erzbischof und Benediktinermönch Ansgar, der Mitte des 9. Jahrhunderts zunächst in Hamburg und nach der Vertreibung durch dänische Wikinger in Bremen tätig war“, sagt Pater Matthäus.

„Ansgar ist auch der Patron des Klosters Nütschau. Seine Christianisierungsbemühungen waren noch wenig erfolgreich, da es immer wieder zu Slawenaufständen kam.“ Erst im 12. Jahrhundert setzte Vicelin, der Bischof von Oldenburg in Holstein, die Missionierung in Ostholstein fort. Rund 100 Kirchen – zirka 80 evangelische und 20 katholische – bieten die Möglichkeit zu innerer Einkehr am Wegesrand, doch es gibt auch zahlreiche weltliche Stopps.

Eine „Pina-Kuh-lada“ zur Stärkung und wieder auf den Sattel

Wir starten am Sankt-Petri-Dom in Bremen. 789 weihte Bischof Willehad den ersten kleinen Holzdom. 70 Jahre später wirkte Ansgar bereits in einer dreischiffigen Basilika aus Stein. Da die Wettervorhersage nichts Gutes verspricht, entzünden wir am großen Gebetsleuchter eine Kerze und bitten Petrus darum, die Himmelsschleusen in den nächsten Tagen geschlossen zu halten. Pastor Henner Flügger, selbst passionierter Radler, gibt uns den Pilgersegen und wünscht uns, dass wir „glücklich ans Ziel unserer Fahrt kommen“ mögen. Nun kann ja kaum noch etwas schiefgehen, also, raus aus dem morgendlichen Berufsverkehr, rein in die Wümmeniederungen, die durch Kornfelder, Wiesen und verästelte Flussarme geprägt sind. Vogelgezwitscher überall.

Vorbei an der 1962 aus roten Backsteinen errichteten Johannes-der-Täufer-Kirche in Horstedt, erreichen wir in Nartum ein leuchtend grünes Holzhäuschen mit rotem Ziegeldach zwischen knorrigen Bäumen. In ihrem „Melkhus“ bietet Birgit Intemann Milchspezialitäten an und hilft ausgelaugten Stramplern mit einem Buttermilchshake namens „Pina-Kuh-lada“ wieder auf den Sattel. Über ein Rezept für einen Mönchs- oder Pilgermix grübele sie noch, meint die Landfrau.

Weiterhin irdisch geht es in der Kleinstadt Zeven zu. Hier wurde das Königreich Hannover vermessen. Carl Friedrich Gauß, der Mann auf dem letzten Zehn-D-Mark-Schein, legte den Grundstein für die trigonometrische Landvermessung. Dazu erklomm er 1824 den Kirchturm von St. Viti. Von hier hatte er sowohl den Wilseder Berg in der Lüneburger Heide als auch Bremen im Blick.

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