Museum in Teltow : Spur der Schweine

In Teltow bei Berlin erfahren Besucher in einem Museum Wissenswertes über Eber, Sauen und Ferkel.

Stefan Woll
Foto: imago

Eigentlich ist es ja eine eine Riesensauerei: Unser gutes altes Hausschwein wird täglich tausendfach missbraucht. Einmal abgesehenen von den verschiedenen Varianten, in welchen das Tier auf unseren Tellern landet, ist auch sein Name ständig in aller Munde. Ob an der Arbeitsstelle, daheim, hinter dem Lenkrad und – natürlich – am Stammtisch: Immer und überall ist von Schweinerei, dummer oder gar dreckiger Sau die Rede, je nach Situation. Wer herausfinden möchte, was es tatsächlich mit dem Schwein auf sich hat, sollte nach Teltow fahren, ins Schweinemuseum.

Warme, trockene und gesunde Luft sollte die Tiere umgeben, die Auslaufmöglichkeiten wären großzügig zu bemessen, die Wände aus Derbstangen dachte er sich transparent. Luft, Licht und Bewegung: Fast schon philantropisch mutet an, was für Ferdinand von Lochow in den 1920er Jahren einen gesunden Zuchtschweinestall ausmachte. Ein Musterexemplar ließ sich noch bis 2007 in Teltow-Ruhlsdorf besichtigen, wo die Versuchswirtschaft für Schweinehaltung seit 1918 die industrielle Schweinefleischerzeugung in Deutschland begründete. Dann schlug der Blitz ein und der Prototyp brannte ab.

Auch diese Geschichte erzählt das Deutsche Schweinemuseum, das auf dem weitläufigen Gelände seit 1993 ansässig ist. Das Nutz-, nicht das Kuscheltier bestimmt die Botschaft des Museums mit seinen mehr als 2000 Exponaten, die in mühsamer Kleinarbeit zusammengetragen worden sind. Entsprechend schonungslos das Credo: „Die Tiere sind auch Waren in einem Wirtschaftskreislauf. Als solche werden sie transportiert, geschlachtet und ihr Körper umfassend verwertet. Bewahren durch Aufessen, so ist das.“

Thomas Paulke vom Förderverein des Museums geht es um die „fachlich richtige Darstellung“, das Schwein zu verzärteln ist seine Sache nicht. Schließlich ist er hauptberuflich beim Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung für das Thema Schweinezucht und -haltung zuständig. In acht Abschnitte unterteilt ist die Dauerausstellung, Hinweisschilder an den Deckenbalken markieren den Weg. Zum Einstieg erfährt der Besucher, wie aus dem domestizierten eurasischen Wildschwein über mehr als 10 000 Jahre das Hausschwein hervorging, sich seine Körpergröße und Silhouette wandelten.

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