Schloss Elmau : Die Stille vor den Helikoptern

Das Luxusresort Schloss Elmau, zwischen Karwendel, Wetterstein und Zugspitze gelegen, bereitet sich auf das G -7-Treffen im Juni vor.

Stefan Quante
Idyll im Landschaftsschutzgebiet. Schloss Elmau liegt versteckt, und ist – fürs Ereignis – gut abzuriegeln. Foto: Peter Kneffel/dpa
Idyll im Landschaftsschutzgebiet. Schloss Elmau liegt versteckt, und ist – fürs Ereignis – gut abzuriegeln.Foto: Peter Kneffel/dpa

Selten war es so leicht, sich mit einer einzigen Frage ins Abseits zu begeben wie derzeit auf Schloss Elmau. Mit „Wo wird denn Barack Obama schlafen?“ würde man sich sofort als Promi-Geier entlarven. Denn, wenn sich am 7. und 8. Juni die Delegationen der führenden sieben Industrienationen treffen, geht es schließlich um die großen drängenden Fragen der Menschheit – Überbevölkerung, Ernährung, Klimaschutz, Weltfrieden und freier Handel. Wer da wo schläft, ist erstens unerheblich und zweitens ohnehin eine Entscheidung des Protokollchefs aus Berlin und der Sicherheitskräfte des Weißen Hauses, nicht der Hotelleitung in Elmau.

Andererseits hat sich Hausherr Dietmar Mueller-Elmau selbst offensichtlich schon vor Jahren mit der Zimmerfrage beschäftigt. In seinem gerade erschienenen Büchlein „Schloss Elmau – Eine deutsche Geschichte“ heißt es: „Ich wollte mit dem Bau von acht identisch großen Familiensuiten die Chancen eines G-8-Gipfels (sic!) in Schloss Elmau erhöhen.“ Diese und 39 weitere Suiten sind just fertig geworden. Als „Schloss Elmau Retreat“ bilden sie jetzt ein eigenes Hotel neben dem fast 100 Jahre alten Schloss Elmau. Mit eigenem 2000 Quadratmeter großen Spa, mit zwei Pools, Bar, Bibliothek, Yoga-Saal, Terrassen und zwei Restaurants.

So viel Aufwand, nur um eventuell einmal einen G 8 beziehungsweise G -7-Gipfel hierher zu holen? Im Gespräch in seiner neuen Lobbylounge winkt Mueller-Elmau ab: „Vor allem wollte ich nach dem Brand vor zehn Jahren die ursprüngliche Zimmerzahl von Elmau wiederherstellen.“ Und was den Gipfel betrifft – um so etwas könne man sich ja nicht offiziell bewerben. Aber nicht unwichtig war wohl, dass Angela Merkel bei einem Besuch im Jahr 2005 Gefallen an diesem sehr speziellen Ort auf 1008 Meter Höhe bei Garmisch-Partenkirchen gefunden hatte.

Ganz ohne Dresscode und Etikettetütü

Was dem Städter hier sofort auffällt: die Stille. Ganz leise nur plätschert der Ferchenbach, Vogelgezwitscher, entfernte Kinderstimmen vom Spielplatz, gelegentlich mal das leichte Knacken einer Sonnenliege auf einem benachbarten Holzbalkon. Hundegebell fehlt gänzlich, denn in Elmau sind die Vierbeiner nicht willkommen. Ob es für die Möpse von Stammgast Loriot seinerzeit eine Ausnahme gab?

Im Vergleich zu Mueller-Elmaus Kinderzeiten, als die vielen Stammgäste sich als eingeschworener Kreis verstanden, gilt heute fast schon eine kultivierte Regellosigkeit ohne Dresscode und Etikettetütü. Damals war es verpönt, nach einem Konzert zu klatschen oder beim gemeinsamen Tanz miteinander zu sprechen. Das alles und noch viel mehr ging dem Hausherrn von heute fürchterlich auf die Nerven. Elmau wurde ihm zum Gefängnis seiner Jugend. Es zog den jungen Rebellen fort – zunächst nach München, dann in die USA, schließlich nach Indien.

Mit der Entwicklung des Hotelreservierungssystems Fidelio wurde er reich und unabhängig. Gut für Elmau, denn nach seiner Rückkehr bestand dringender Investitionsbedarf. Der Wiederaufbau nach dem Brand im Jahr 2005 verschlang viele Millionen. Gut angelegtes Geld, denn das neue Elmau meldet eine Belegungsrate von 85 Prozent, trotz ambitionierter Preise ab 213 Euro im Einzelzimmerchen unter der Woche in der Nebensaison.

Elmau ist noch nicht ganz fertig

Rebell geblieben zu sein reklamiert der 60-Jährige immer noch für sich. Die Tanzstunden hat er längst abgeschafft, den einstigen Kulturolymp geerdet und den esoterischen Mief weggeblasen. Mit mehr als 200 Konzerten, Lesungen und Filmvorführungen pro Jahr hat dennoch keinesfalls die Kulturlosigkeit Einzug gehalten.

Aber sobald etwas fertig ist, so sagt der Hausherr, interessiere es ihn nicht mehr. Und Elmau ist noch nicht ganz fertig. Dem alten Gasthof des ihm gehörenden Gutshofs nebenan soll neues Leben eingehaucht werden, drumherum sollen sich elf Chalets gruppieren. Elmau spricht von einer Art ursprünglicher Almsiedlung. Ihm schwebe da ein Luxusniveau zu Drei-Sterne-Preisen vor. Den Gemeinderat habe er auf seiner Seite, betont er. Gleichwohl: In Kreis und Land häufen sich die Irritationen, auch weil Hochglanzbroschüren schon gedruckt sind, bevor der Bebauungsplan steht.

Hat der selbst ernannte Rebell denn nicht auch Sympathien für die aktuell gegen den Gipfel protestierenden Gegner? Nicht, wenn es Feinde der Freiheit sind, betont er. Dem harten Kern von vielleicht 400 Gewalttätern gehe es ja nur darum, mit dem Gipfel ein „Symbol des Kapitalismus“ zu beschädigen. Die eher vom Naturschutz beseelten Gipfel-Kritiker aus der Region sieht er sogar auf seiner Seite. Denn die beschwörten ja genau wie er immer die einzigartige Schönheit von Elmau. Und die wolle er natürlich auch erhalten.

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