Schorfheide Chorin : Zum Advent spaziert

Erst das Chorkonzert, dann ein Karpfentopf: Winter im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin.

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Galerie Wiegehalle. Künstler Holger Barthel zeigt neue Werke.
Galerie Wiegehalle. Künstler Holger Barthel zeigt neue Werke.Foto: Wiebrecht

„Kloster Chorin ist keine jener lieblichen Ruinen, darin sich’s träumt wie auf einem Frühlingskirchhof (...). Wer hier in der Dämmerstunde des Weges kommt und plötzlich zwischen den Pappeln hindurch diesen still einsamen Prachtbau halb märchenhaft, halb gespenstisch auftauchen sieht, dem ist das Beste zuteil geworden...“, schrieb Fontane. Seitdem der Dichter durch die Mark gewandert ist, sind etliche Jahrzehnte vergangen. Doch noch immer geht von dem bedeutenden Werk der Backsteingotik ein wundersamer Zauber aus. Vielleicht wirkt er doppelt an grauen Wintertagen, wenn sich nur noch kahle Äste um Spitzbogenfenster und Schmuckblenden ranken, kein grünes Blattwerk mehr die reich verzierten Giebel umhüllt und sich stattdessen Nebel wie ein mystischer Schleier um die ehemalige Zisterzienserabtei legt.

Zu diesem Ort passt kein Weihnachtsrummel. Kommerz ist nicht erwünscht. Einzig am 15. Dezember, dem dritten Adventssonntag, werden Besucher auf Weihnachten eingestimmt. Mit dem festlich beleuchteten Kirchenschiff, das in den vergangenen Jahren saniert wurde, mit Weihnachtsliedern auf historischen Instrumenten aus dem Mittelalter wie Drehleier, Zither, Sackpfeife oder Krummhorn und mit stündlichen Lesungen. Auch das Klostercafé erwacht für einen Tag aus dem Winterschlaf und lädt zu einem herzhaften Adventsbrunch – mit weihnachtlichen Biocrêpes – ein, während in der „Werkstatt der kleinen Wichtel“ Weihnachtsschmuck gebastelt wird.

Nach einem Künstlergespräch bei Tee und Glühwein mit Christian Lutze, der seine Gemälde unter dem Motto „Wunderlicht“ zeigt, erklingt um 16 Uhr in der beheizten evangelischen Kapelle ein Adventskonzert. Um 17 Uhr startet schließlich die „Funzelführung“: Mithilfe von Taschenlampen geht’s zu den verborgenen Winkel des Klosters.

Ökodorf muss nicht bunt sein

Draußen schläft die Natur – und kann von Ausflüglern in aller Stille genossen werden. Ein Spaziergang um den Amtssee beginnt gleich am Bahnhof Chorin und dauert nur eine gute Dreiviertelstunde. Schön ist auch eine kleine Wanderung durch die Landschaft des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin mit ihren ausgedehnten Wäldern, Tümpeln, Mooren und Teichen. Rund sechs Kilometer sind es beispielsweise zum Ökodorf Brodowin, das zu den größten Demeter-Betrieben Deutschlands gehört. Nicht weit vom Kloster, beim Haus am Amtssee, zweigt der mit blauem Strich markierte Wanderweg ab, der auf altem Kopfsteinpflaster durch lichten Mischwald führt.

Hier und da hängen noch Blätter in den Kronen mächtiger Eichen, rechts tun sich die riesigen Trichter der Kesselmoore mit ihrer eigentümlichen Flora und Fauna auf, während es hügelauf und hügelab geht. Schließlich gelangt man auf einen von Weiden gesäumten Feldweg, wo in der Ferne die ersten Häuser von Brodowin auftauchen.

Wer sich ein Ökodorf bunt und alternativ vorgestellt hat, sieht sich getäuscht. Gut aufgeräumt wirkt der Weiler rund um einen Anger. Die meist einstöckigen Häuser sind adrett hergerichtet, hier und da dekorieren ein paar Kürbisse die Eingänge. Man kann Gesundes im Landgasthof speisen oder im Hofladen für den heimischen Kühlschrank einkaufen. Eine gute Adresse für Gourmets. Hier gibt es keineswegs nur den Brodowiner Mozzarella, den Roten Weichkäse, frische Ziegenmilch oder Rindersalami zu kaufen, die vor Ort hergestellt werden, sondern auch Bioweine und Bioschokoladen zu stolzen Preisen. Wer will, kann einen Blick durch die Glasfassade in die benachbarte Schaumolkerei werfen, wo Milch zu Käse und Butter verarbeitet wird.

Zurück nach Chorin muss man nicht den selben Pfad nehmen. Ein rot markierter Wanderweg führt am Weißen See entlang, durch Waldlandschaft und das stille Örtchen Chorin, das etwa 2,5 Kilometer vom Kloster entfernt ist. Zurück am Amtssee schmeckt eine deftige Schorfheider Wildgulaschsuppe, ein scharfer Karpfentopf in der Alten Klosterschänke oder in Honig marinierter Schinkenbraten in der Immenstube.

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