TIPPS ZU DEN SÄCHSISCHEN DÖRFERN : Bei Leinewebern, Müllern und sorbischen Zauberern

Vielfach wegweisend.
Vielfach wegweisend.Foto: Volkmar Heinz

Rammenau ist eines der 21 sächsischen Dörfer, die sich unter dem Motto „Lust auf Land“ zusammengeschlossen haben. Nun herrscht in der Reiselandschaft bekanntlich kein Mangel an Logos, Gütesiegeln oder thematischen Verbünden. Und nicht zuletzt der landauf, landab beworbene „Urlaub auf dem Bauernhof“ will Stadtflüchtlinge unter die karierten Federbetten locken. Zahlreiche Tourismusbüros glaubten auch bei „Lust auf Land“ zu wissen, worum es geht, und wollten umgehend mit ins Boot.

Doch die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen, die sich den Hut für die Gründung der neuen Angebotsgruppe aufsetzen ließ, baute beachtliche Hürden auf. An ihnen scheiterten zwei Drittel der Bewerber. Schließlich ging es um mehr, als einfach nur leere Betten zu füllen. Und „Dorf“ allein genügte nicht als Kriterium. Wo Industrieanlagen, der Lärm der Autobahn oder ein allzu städtisches Antlitz die Lust auf Land verderben, hatten die Kandidaten keine Chance. Und sie müssen eine Geschichte erzählen können, etwas, das ihr Dorf speziell macht. Das konnte ein nachvollziehbarer historischer Hintergrund sein, eine besondere Landschaft oder eine noch lebendige Tradition.

Die meisten Orte, die den Ritterschlag bekamen, liegen in der Lausitz. Dort beispielsweise tritt Obercunnersdorf als „Dorf der Umgebindehäuser“ auf und zeigt nicht nur her, was es diesbezüglich zu sehen gibt, sondern lädt auch ein, in der Leineweberei ein eigenes Stoffstück zu fertigen, die Impressionen während eines Mal- und Zeichenkurses festzuhalten und in einem Umgebindehaus zu wohnen. Im „Krabat-Dorf“ Schwarzkollm begegnet dem Gast der legendenumwobene sorbische Zauberer.

Diesbar- Seußlitz bei Meißen wirbt mit „Elbe und Wein“, das erzgebirgische Seiffen ist „das Handwerkerdorf“ oder das vogtländische Leubnitz bietet „Mühlen und Wege“. Alle Orte haben mindestens eine Urlauberpauschale zusammengestellt, die neben einer bis sieben Übernachtungen Besichtigungen, Spezialitätenmenüs, geführte Wanderungen oder Wellness enthält. Manchmal ist diese Pauschale auch für spezielle Anlässe gedacht, Hochzeiten, Klassentreffen oder Klassenfahrten beispielsweise. Die Unterkünfte können, müssen jedoch nicht bäuerlich-rustikal sein; meist sind Ferienwohnungen, Pensionen oder Landgasthöfe eingebunden. Welche genau das sind und was sie bieten, erschließt sich beim Katalogstudium leider nicht immer.

Mit von der Partie: Rammenau, das unter „Schloss und Philosoph“ im Katalog steht, nennt eine seiner Pauschalen „Auf den Spuren von J. G. Fichte“ (zwei Übernachtungen mit Frühstück in einer Ferienwohnung, Ortsbesichtigung, Wanderung Fichte-Lehrpfad, Drei-Gänge-Menü in der „Fichtestube“, Eintritt zum Barockschloss: 95 Euro pro Person). Oder: „Von Barock bis Sport“ (drei Übernachtungen/Frühstück in einer Ferienwohnung, Barockschloss, Essen in der Gesindeküche, Führung durch den Kräutergarten, Ortsführung, Kremserfahrt, Abendmenü, Sauna oder Bowlingbahn: 170 Euro pro Nase)

Auskunft: Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen, Bautzner Straße 45/47, 01099 Dresden; Telefon: 03 51 / 49 17 00, Fax: 03 51 / 496 93 06; die Informationsbroschüre online unter: sachsensdoerfer.de, E-Mail: info@sachsen-tour.de

Barockschloss Rammenau, Telefon: 035 94 / 70 35 59, im Internet unter: barockschloss-rammenau.com

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