Schottland : Entzückende Liebschaften

Königin Victoria kam gern nach Inverlochy Castle, dem schottischen Adelssitz mit besten Aussichten. Nun können Hotelgäste auf ihren Spuren wandeln.

von
Keinswegs im Schatten des 1344 Meter hohen Ben Nevis liegen die Ruine des Inverlochy Castles sowie das gleichnamige Luxushotel. Foto: Alamy/mauritius images
Keinswegs im Schatten des 1344 Meter hohen Ben Nevis liegen die Ruine des Inverlochy Castles sowie das gleichnamige Luxushotel.Foto: Alamy/mauritius images

Gleich, als Königin Victoria am Morgen des 10. September 1873 erwacht, notiert sie einen Satz in ihr Tagebuch: „Auf allen Hügeln liegt Nebel, es regnet unaufhörlich.“ Sie ist auf Inverlochy Castle. Schon bei ihrer Ankunft am Vorabend hatte das Wetter zu wünschen übrig gelassen. „Es begann wieder heftig zu regnen. Es wurde dunkel, und wir konnten die Berge gerade noch erkennen“, so beschreibt sie den Moment, in dem sie mit ihrer Entourage aus Tochter Beatrice, einer Hofdame, Privatsekretär General Henry Ponsonby, Leibarzt sowie neun Dienstboten, darunter ihr Lieblingsdiener John Brown, die Vorfahrt erreichte.

Doch schon immer sind die Menschen eher trotz als wegen des Wetters nach Schottlands gereist, auch wenn die Einheimischen mit ganzjährig lodernden Kaminfeuern und der generellen Verfügbarkeit von Single Malt Whisky wirkungsvolle Strategien im Umgang mit dem Klima entwickelt haben.

Victoria, die die Gegend bereits 26 Jahre zuvor in Begleitung ihres Gatten Albert besucht hatte, war meilenweit davon entfernt, ihre Begeisterung durch das Wetter trüben zu lassen. Zum einen schaffte die Sonne es gelegentlich doch durch die Wolken, sodass sie Zeichnungen anfertigen und nach Lunch und Klavierspiel mit Tochter Louise ausfahren konnte. Zum anderen war die Aussicht vom Haus auch bei verhangenem Himmel „wunderschön, besonders von meinem Wohnzimmer aus, das auf den Ben Nevis weist und außerdem eine entzückende Aussicht auf Fort Williams bietet“.

Jakobsmuscheln, Wachtelei, Sommertrüffel

Die Aussicht auf das Städtchen verbergen längst die alten, hochgewachsenen Bäume des Parks. Ben Nevis, mit 1344 Metern der höchste Gipfel der britischen Inseln, ist noch immer von Victorias Drawing Room aus zu sehen – zumindest, solange sich kein Nebel über die West Highlands senkt. Mit goldenen Rokoko-Spiegeln, einem funkelnden Kronleuchter und einer Farbpalette aus freundlichen Gelbtönen und der Aussicht auf den Garten, das Loch, Moorlandschaft und Berge zur einen, auf Ben Nevis zur anderen Seite hat der Raum noch immer das Flair eines schottischen Adelssitzes.

Stilvoll. Das Inverlochy Castle Hotel, hier die Empfangshalle. Foto: Alamy/mauritius images
Stilvoll. Das Inverlochy Castle Hotel, hier die Empfangshalle.Foto: Alamy/mauritius images

Hier sinken heute Hotelgäste in tiefe Sessel, um einen Cocktail zu nehmen, bevor sie aus fünf Gerichten pro Gang ihr Menü zusammenstellen und in einen der drei Dining Rooms hinübergehen. Dort nehmen sie auf handgeschnitzten Eichenstühlen Platz, einem Geschenk des norwegischen Königs. Nun demonstriert der mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Küchenchef Philip Carnegie, wie sich schottische Klassiker in Geschmackserlebnisse verwandeln, an die man lange zurückdenkt.

Jakobsmuscheln mit gebratenen Wachtelei, Sommertrüffeln, Buttersoße und einem Hauch Koriander lässt er etwa ein schottisches Steak auf Blattspinat mit Pfifferlingen und Sauce Bordelaise folgen, wobei das Fleisch so zart gerät, dass der Gast für den Verzehr nicht einmal Zähne bräuchte. In der Großen Halle, wo ein offenes Feuer im Kamin flackert und dralle Putten von der Decke herablächeln, hat eine Harfenspielerin Platz genommen. Sie schafft eine Geräuschkulisse, die gerade eben das Klirren des französischen Tafelsilbers diskret überdeckt.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben