Bequem : Kroatien mit dem Schiff erkunden

Die kroatische Küste lässt sich bequem per Schiff entdecken. Ausflüge sind sportlich - mit dem Fahrrad.

von
Hvar
Insel Hvar. Der Küstenkreuzer "Kapetan Jure" liegt hier im Hafen von Jesla vor Anker. Die Gäste sind unterwegs - zum Sightseeing....Foto: Gerald Penzl

Die „Kapetan Jure“ läuft in den Hafen von Dubrovnik ein. Anton, Kapitän und Eigner der 15-Kabinen-Yacht, strahlt übers ganze Gesicht. Ein toller Törn. Das Wetter war gut, das Meer verhielt sich ruhig, die Gäste blieben bei den Radausflügen unversehrt und – nicht zuletzt – der Getränkeumsatz der vergangenen fünf Tage war eine Wucht. Und weil alles bisher so prima gelaufen ist, da ist sich Anton sicher, wird auch am letzten Abend noch einmal kräftig die Kasse klingeln.

Dabei hatte die Reise im Ausgangshafen Split ein wenig holprig begonnen. Einige Gäste kamen mit großer Verspätung. Sie verpassten zwar nicht das Schiff, jedoch den ersten Ausflug der kombinierten Schiffs-Rad-Reise. Schade, denn Split zählt zum Weltkulturerbe. Doch am nächsten Morgen ist alles vergessen. Punkt neun Uhr nimmt die „Kapetan Jure“ Kurs auf Omiš.

Kein europäisches Land außer Norwegen verfügt über so viele Buchten und Inseln wie Kroatien. Sie sind ein Relikt der jüngsten Eiszeit. Als sich vor rund 12 000 Jahren die Erde wieder erwärmte und die Gletscher schmolzen, hob sich der Pegel der Adria um gut 70 Meter. Dabei versanken weite Teile der kroatischen Küste im Meer und bescherten dem Land sage und schreibe 1185 kleine und kleinste Inselchen.

Während sich die Radgemeinde im Salon des Küstenkreuzers beim Frühstück für den Tag stärkt, kontrolliert Reiseleiter und Stimmungskanone Klaus die Fahrräder, verteilt Kartenmaterial und erläutert die bevorstehende Tagesroute. „Rom und Venedig“, spielt er auf die Prachtpaläste am Vortag in Split an, „war gestern, heute geht’s ab in die Berge von Omiš.“ Davon, dass es in dem einstigen Piratennest etwas rauer zugeht, bekommen die Gäste sehr schnell eine Ahnung. Eben waren noch ein ansehnlicher Strand und hübsche Jugendstilvillen zu sehen, dann, zack, türmt sich am Ortsausgang ein riesiger Felsbrocken auf. Links schäumen die Stromschnellen der Certina, rechts baumeln ein paar verwegene Kletterer in den himmelstürmenden Wänden.

Langsam, aber unerbittlich steigt die Straße an. Serpentine um Serpentine kurbeln die radelnden Bootsgäste an Kiefern und Laubbäumen vorbei nach Kucice. Kein aufregender Ort, dessen Hauptattraktion die Gruppe in einer alten Bäuerin sieht, die gleich neben dem Dorfbrunnen frische Feigen verkauft. Alle decken sich mit den vitaminreichen Leckereien ein, füllen ihre Trinkflaschen am Brunnen auf und radeln weiter. Die Sonne knallt. Die Steigung lässt noch nicht nach, doch alle schaffen mehr oder weniger angestrengt den Anstieg bis Kostanje. Das (kleine) Bier in der Dorfkneipe zischt dann gewaltig. „Keine Sorge“, verspricht Klaus, „das Gröbste ist geschafft. Jetzt geht es nur noch bergab.“

„Hey, seid ihr ins Meer gefallen?“, feixt Anton, als die Ausflügler klatschnass geschwitzt wieder das Schiff erreichen. „Okay“, sagt er dann lachend, „ab zum Mittagessen.“ Während Koch Vicko im Salon frische Thunfischfilets serviert, legt die „Kapetan Jure“ ab. Zwei Stunden später geht der 27 Meter lange Küstenkreuzer in Pucišce vor Anker. Der kleine Hafenort im Nordosten der Insel Brac gilt als Mekka der Steinmetzkunst. Backbord leuchten die ersten Marmorsteinbrüche, steuerbord sieht man die Bildhauerschule Klesarska Škola. „Eigentlich“, erklärt uns Klaus bei der Besichtigung, „ist der Bracer Marmor kein echter Marmor. Vielmehr handelt es sich um weißen Kreidekalkstein. Egal. Bildschön wie er ist, wird er vom römischen Kaiserpalast in Split über den Reichstag in Berlin bis zum Weißen Haus in Washington überall auf der Welt verbaut.“

Ganz gleich, welchen Reiseführer man aufschlägt, die Frage, ob Brac attraktiver ist als die Nachbarinsel Hvar, bleibt unbeantwortet. „In Sachen Strand“, sagt Klaus, „hat Brac eindeutig die Nase vorn. Etwas Genialeres als das handtuchschmale, 500 Meer ins Meer ragende sogenannte Goldene Horn gibt es wohl in ganz Kroatien nicht. Was Landschaft und Natur angeht, dürfte Hvar das bessere Terrain sein.“ Auf Hvar seien auch die Orte ansehnlicher. Allen voran Hvar-Stadt. Das 5000Seelen-Idyll mit seiner hoch über der Stadt gelegenen Festung sei ein hübscher Mix aus Klein-Venedig und Mini-Saint- Tropez, behauptet Klaus. Nachprüfen können es die Gäste nicht. Der Kreuzer stoppt dort nicht, sondern macht erst in Vela Luka an der Westküste der Insel Korcula fest.

Vela Luka ist auch Startort des nächsten sportlichen Ausflugs. Tagesziel ist Korcula-Stadt, 70 Kilometer liegen also vor den Radlern. Pinien, Zypressen, Weinberge und Schafe – entlang der wenig befahrenen Straße gibt’s immer was zu sehen. Ab und zu klicken die modernen Gangschaltungen, ein kleineres Ritzel rastet ein und die nächste harmlose Steigung wird glattgebügelt. Die Stimmung ist bereits gut, steigert sich jedoch noch, als das alte Winzerörtchen Smokvica erreicht ist. „Herzlich willkommen“, sagt Frau Ivica und bittet in ihren Weinkeller. Auf den adriatischen Inseln vor dem heutigen Kroatien kultivierten schon die alten Griechen und Römer Wein, und die Tradition wurde beständig fortgesetzt. Die guten klimatischen Bedingungen schöpfen kroatische Winzer zunehmend aus. Immer mehr Qualitätsweine werden auf den internationalen Markt gebracht.

Als Radler, der noch eine gute Strecke vor sich hat, wird man in einem Weinkeller allerdings nicht recht glücklich. Aber Probieren ist schon mal drin. Etwas am Wein nippen, die Obstbrände wenigstens mal riechen, bitte. „Wenn Sie etwas bestellen möchten“, sagt die Winzerin, „kein Problem. Wir bringen es Ihnen zum Schiff.“

Wenn es so etwas wie einen Schönheitswettbewerb unter den kroatischen Inselstädtchen gibt, hätte Korcula-Stadt alle Chancen auf einen der vordersten Plätze. Wie gemalt liegt die von Mauern umgürtete Altstadt auf einer schmalen Landzunge und stellt ihre mittelalterlichen Baupreziosen wirkungsvoll zur Schau. Etwa die Kathedrale Sveti Marko aus dem 15. Jahrhundert. Nur ein paar Meter weiter im Gassenlabyrinth steht der Besucher vor dem Geburtshaus von Marco Polo. Der Entdecker und Weltenbummler soll hier – so schwören die Bewohner zumindest – 1254 das Licht der Welt erblickt haben.

Wissenschaftlich spricht zwar nicht viel dafür, aber das Gegenteil konnte wohl bisher nicht bewiesen werden, auch wenn die meisten Quellen Venedig als Geburtsort des Entdeckers angeben.

Punkt 10 Uhr macht die „Kapetan Jure“ im Hafen von Dubrovnik fest. Anton checkt die Maschine, die Crew schrubbt das Deck, der Getränkeservice füllt die Bar und Vicko schnetzelt in der Kombüse die ersten Zutaten für das festliche Abschlussessen. Die Radgemeinde sitzt derweil im Bus und fährt in die Altstadt dieser – wie viele Reiseführer schreiben – nach Venedig spektakulärsten Küstenstadt im adriatischen Mittelmeerraum.

Wenn Steine sprechen könnten, hätten sie eine Menge zu erzählen. Zum Beispiel, wie sich das heutige Weltkulturerbe Dubrovnik im Mittelalter mit Intrigen, Diplomatie und Bestechung in die Logenplätze der damaligen See- und Handelsstädte katapultierte. Dass seine bis zu sechs Meter dicken und rund 25 Meter hohen, von der Adria umspülten Festungsmauern einen Ort beschützten, der Wiege vieler berühmter Literaten, Humanisten und Künstler war. Oder auch, dass selbst die kleinste Altstadtwohnung heute kaum noch bezahlbar ist. Die internationale Geldaristokratie schmückt sich gern mit Dubrovnik auf der Visitenkarte. Und zahlt dafür offenbar jeden Preis, und sei er noch so astronomisch.

Die Touristen stört das wenig. Für sie ist die Stadt die „Perle der Adria“, und sie sind begeistert. Das weiß auch Kapitän Anton. Und ordert vorsichtshalber noch etwas mehr Wein für den Abschiedsabend.

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