Lappland : Die gestürzte Monarchin

Spielplatz Norwegen: Wie Sonja ihre Ferien verbringt.

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Glücklich im Freien. Königin Sonja liebt das „Friluftsliv“.
Glücklich im Freien. Königin Sonja liebt das „Friluftsliv“.Foto: promo

Das einsame Zelt in Lappland, nur die Natur und ich. Auf dieser Wanderung bin ich im Gegensatz zu sonst nervös. Und bei der Wintertour über die Hardangervidda, als im Schneesturm keine Hütte mehr zu sehen ist, klopft das Herz nicht nur vor Anstrengung. Eine tolle Tour, aber das alles ist nichts gegen die Aufregung wenige Tage zuvor, an jenem Abend in Oslo.

Ich stehe im Nobel-Friedenszentrum und soll gleich einer zierlichen Dame mit ondulierten hellbraunen Haaren die Hand schütteln; sie heißt Königin Sonja von Norwegen. Ich habe noch nie einer Königin die Hand geschüttelt. An diesem Abend wird der Norwegische Tourismus-Preis verliehen. Nein, nicht an mich, ich darf nur dabei sein. Der Preis geht an XXLofoten, einen Eventveranstalter, bei dem Gruppen von Kajakfahren im Meer bis Hochseilturnen im Wald allerlei verrücktes Zeug buchen können.

Einleitend gibt es einen bebilderten Vortrag über „Friluftsliv“, wie die Norweger alles nennen, was im Freien stattfindet. Da sich dort auch die Königin gerne aufhält, lässt es sich Ihre Majestät nicht nehmen, an diesem Abend ihre eigenen Fotos zu zeigen und von den entsprechenden Reisen zu erzählen.

Im Nobels Fredssenter erläutert Haddy Jatou N’jie, Moderatorin und Sängerin, noch schnell die Regeln. Wenn die Königin den Saal betritt, sollen wir aufstehen. Und schon kommt sie, umgeben von einer beachtlichen Entourage, dazu ein paar Männer mit Knopf im Ohr. Alle stehen natürlich auf. Das Hinknien wird uns allerdings erlassen. Sonja von Norwegen ist eine Bürgerliche, 1937 in Oslo geboren. 1959 lernte sie Harald kennen, der war damals Kronprinz von Norwegen – und sein Vater gegen die Heirat. Neun Jahre dauerte es, bis der alte Herr sein Plazet gab.

Wie wir uns doch ähneln, die Königin und ich

In Schnee und Eis fühle sie sich wohl, der Winter sei ihr „Favorit“, offenbart sie dann zu Fotos von Skitouren. Im Plauderton führt die Königin mit ihren Bildern durchs Land. Zur Landschaft um Lillehammer erklingt Griegs „Peer Gynt“ Suite; zum Freilichtmuseum Maihaugen erzählt sie, ein Gebäude dort nutze man im Winter noch immer, und als sie auf einem Foto eingemummelt zu sehen ist, fügt sie lakonisch an: „Das Wetter kann unangenehm sein.“ Die Natur sei ein „unglaublicher Spielplatz“, und dann sehen die Zuschauer sogar eine gestürzte Monarchin – Sonja, wie sie lachend im Schnee liegt.

Als ihr liebstes Ski-Abenteuer bezeichnet sie eine Tour im Hardangerfjord, vom Meer hinauf auf den Berg. Im Sommer hingegen fährt sie gern zu den Lofoten, Inselhüpfen. Leider fehle es dort noch an guter touristischer Infrastruktur, lässt sie in einem Hauch von Kritik durchblicken. Sie hingegen habe Glück, „ich habe ein Boot dabei“. Genauer gesagt: die königliche Jacht. Und in Jotunheimen logiert Ihre Hoheit in der königlichen Jagdhütte.

Dann ist der Vortrag zu Ende, der Preis überreicht. Die Königin samt Hofstaat verlässt den Saal. Wieder stehen alle auf. Dann geht es nach nebenan, eine Handvoll Auserwählter – ich gebe es zu: Ich wurde bloß ausgelost – dürfen nun mit Ihrer Majestät plaudern. Wir warten, ich wische mir die Handinnenfläche staubtrocken am schwarzen Kleid. „Keine hohen Absätze, kein auffälliger Schmuck, nicht zu viel Haut“, hatte man uns instruiert. Und schon kommen wieder die Männer mit Knopf im Ohr, und im geübten Smalltalk arbeitet die Königin die auserwählten Gäste einzeln ab.

Sie rückt immer näher – und schon hab ich die königliche Hand in der meinen. Ein kurzes Wortgeplänkel und schließlich fragt sie, wohin ich denn die Leser meiner Texte so schicken würde. „Im Winter auf die Hardangervidda.“ – „Oh, in den Schnee“, sagt Ihre Majestät Königin Sonja von Norwegen, „ja, auch ich kann es jedes Jahr kaum erwarten, bis der Winter richtig losgeht.“ Ach, wie wir uns doch ähneln, die Königin und ich.

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