Buscho-Umzüge in Südungarn : Schafsfell über der Fratze

Alljährlich ziehen Hunderte von Männern, Buschos genannt, durch die kleine südungarische Stadt Mohács. Ihre Faschingsmasken sind Kulturerbe.

Horst Schwartz
Ein südungarischer Buscho in der traditionellen Faschingsmaske
Ein südungarischer Buscho in der traditionellen FaschingsmaskeFoto: Horst Schwartz

Die Aufmachung ist martialisch. Die Männer tragen ein Schafsfell mit den Zotteln nach außen, eine mit Stroh ausgestopfte Hose und bunte, grob gestrickte Strümpfe. Die Verkleidung wird mit einem Seil gehalten, an dem eine Viehglocke hängt. Mit diesen Glocken und auch Ratschen machen die Männer ungeheuren Lärm. Aber das Furchterregendste sind die Masken, die sie tragen: mit Tierblut gefärbte, holzgeschnitzte Fratzen, obenauf eine Kapuze aus Schafsfell.

Derart ausgestattet ziehen alljährlich Hunderte von Männern, Buschos genannt, durch die kleine südungarische Stadt Mohács, etwa eine halbe Autostunde von der früheren Kulturhauptstadt Pécs entfernt. Der durchaus fröhliche Umzug, der immer zum Ende des Faschings stattfindet, hat höchste Weihen erlangt: Seit 2009 stehen die Buscho-Umzüge als immaterielles Weltkulturerbe auf der Unesco-Liste.

Das Brauchtum, so erzählt Zsuzsanna Hegyi vom Tourismusamt in Pécs, geht auf die kroatische Minderheit der Region zurück und ist heidnischen Ursprungs. Mit dem lärmenden Treiben soll der Winter ausgetrieben werden. So wird am letzten Tag des Festes ein Sarg mit einem Buscho-Kostüm verbrannt – symbolisch der Winter, jetzt kann der Frühling kommen.

Heutzutage werden die Frauen erschreckt

Eine Prise Geschichte mischt sich in die Buscho-Umzüge, die in diesem Jahr vom 12. bis 17. Februar stattfinden, nämlich eine bittere Niederlage gegen die Türken auf dem Schlachtfeld vor den Toren der Stadt im Jahre 1526. Sie bescherte den Ungarn 150 Jahre Türkenherrschaft – und dem Buscho-Brauchtum eine ganz pragmatische Erklärung: Mit den furchterregenden Masken sollen die Männer von Mohács die Türken in Angst und Schrecken versetzt und somit vertrieben haben, ein frommes Wunschdenken.

Heutzutage werden die Frauen der Stadt erschreckt. Damit fangen Jungenbanden an, die zum Auftakt des Faschings ihr Unwesen treiben. In Lumpen verkleidet rennen sie durch die Stadt und bestäuben Mädchen und Frauen, die sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen können, mit Sägespänen oder mit Mehl. Und dann kommen die Buschos. „An den sechs Tagen des Umzugs ist alles erlaubt“, sagt Zsuzsanna Hegyi schmunzelnd, „die normale Ordnung kehrt erst wieder mit dem Beginn der Fastenzeit zurück.“ Damit die Männer bei ihrem Treiben nicht erkannt werden, nehmen sie die Maske niemals ab. „Sie sprechen auch nicht und verändern ihren Gang“, sagt die Marketingchefin des Süd-Transdanubischen Marketing-Büros. Die Buscho-Umzüge locken nicht nur die 20 000 Einheimischen an, sondern auch viele Besucher.

Von Pécs aus werden das ganze Jahr über und nicht nur zu den Buscho-Umzügen Ausflüge nach Mohács angeboten. Dabei werden die in Vereinen organisierten Maskenschnitzer besucht. Mit ihren furchterregenden Masken posieren sie gerne für Erinnerungsfotos. „Die Masken sind einfach zu schnitzen“, erklärt Zsuzsanna Hegyi beim Besuch der „Alpenmasken-Schnitzer“, eines der vielen Vereine der Buscho-Bewegung. Aber die Masken, so versichert sie, seien bei dem Weltkulturerbe-Brauchtum nicht das Wichtigste: „Es kommt auf den Spaß an.“

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