• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Fidschi : Die Götter mögen’s leise

09.12.2012 00:00 Uhrvon
Ökologisch korrekt. Auf den Fidschi-Inseln wird die Natur geschont. Was die Erde hergibt, nutzen die Menschen auf vielfältige Weise – wie vor Hunderten von Jahren.Bild vergrößern
Ökologisch korrekt. Auf den Fidschi-Inseln wird die Natur geschont. Was die Erde hergibt, nutzen die Menschen auf vielfältige Weise – wie vor Hunderten von Jahren. - Foto: Patrick Frilet/laif

Auf den Fidschi-Inseln dominiert Tradition. Dazu gehören Gebete, farbenfrohe Gewänder – und scharfe Gerichte.

Mereisi schnitzt an einer Skulptur. Mit dem Messer in der Hand sitzt sie im schneeweißen Sand am Strand von Namaquaqua und schneidet einzelne Fasern aus einem mannshohen Holzblock. Stück für Stück entstehen die primitiven Konturen eines Gesichts: breite Lippen, schmale Augen, platte Nase, hohe Stirn. „Ich bearbeite eine Schwarzwurzel vom Baumfarn. Mein Onkel hat sie mir aus dem Dschungel mitgebracht“, erzählt die 26-jährige Fidschianerin stolz. Das halbfertige Kunstwerk sieht aus, als sei es aus Hunderten Splittern zusammengepresst. Vielleicht wird es bald in einem schicken Urlaubsresort stehen. Schwarz wie die Nacht starren die sogenannten Balambalas dort die Touristen an und erschrecken mitgereiste Kinder.

Mereisis Arbeitsplatz liegt an der Korallenküste im Süden von Viti Levu. Mit 10 000 Quadratkilometern ist die Insel die größte der 332 Fidschi-Eilande – und die ursprünglichste. Drei Viertel der Bevölkerung Fidschis leben hier, der Großteil in den flachen Küstenstädten, die die Insel sprenkeln. Allen voran die Hauptstadt Suva im Süden mit der attraktiven Hafenpromenade Stinson Parade, dem abendlichen Tummelplatz für Liebespaare, und dem Open Air Markt an der Usher Street, auf dem Einheimische Paradiesvogelblumen, Ananas und Papageienfische feilbieten. Nirgendwo zeigt sich das moderne Fidschi-Leben so beeindruckend wie hier.

Ganz anders sieht es in Lautoka aus. Die zweitgrößte Küstenstadt Viti Levus lebt von den gewaltigen Zuckerrohrplantagen, die den Inselnorden bedecken. Als die Engländer den Südseestaat 1874 kolonialisierten, holten sie für die Zuckerrohrernte billige Arbeitskräfte aus Indien ins Land. Auch nach der Unabhängigkeit Fidschis im Jahr 1970 ist der Norden Viti Levus weitgehend indisch geprägt geblieben. Saris und Brokatkissen schmücken Lautokas Schaufenster. Außerhalb, an der Küstenstraße Kings Road, prahlt jedes noch so kleine Dorf mit einem Hindutempel oder einer Moschee.

Wenige Schritte hinter den Städten beginnt das gebirgige Inselinnere. Im tropischen Regenwald schreien Affen, rabengroße Fledermäuse hängen wie Weihnachtskugeln an Palmenzweigen, Männer, die Macheten über der Schulter tragen, tauchen urplötzlich auf und entschwinden rasch wieder im Busch. Manchmal zeigt sich zwischen Bananenstauden, Farnen und Bambus ein winziges Dorf wie Navala, bebaut mit schlichten Hütten aus Palmwedeln. Männer und Frauen im Sulu, dem traditionellen Wickelrock, schreiten die Dorfwege entlang, im Haar eine feuerrote Hibiskusblüte.

„Schau, was ich heute mitgebracht habe“, flüstert die 26-jährige Tikki ihrem Mann zu und stellt einen Palmenkorb voller Blüten und Blätter auf den Boden vor ihrer Hütte. Darin sorgsam sortiert: Blätter des Wasserapfels gegen Kopfweh, Brotfrüchte für eine Diät, Hibiskus für Wundverbände und Goldpflaume gegen Husten, Fieber und Appetitlosigkeit. Die schwarzgelockte Frau war am Morgen aufgebrochen, um Kräuter im Dschungel zu sammeln. „Nächstes Mal nehme ich dich mit, dann kannst du für unser neues Haus einen Balambala schlagen", sagt sie ihrem Mann noch und lacht.

Reisen

Weitere Themen

Ihre Fotos verstauben auf der Festplatte? Mit dem Tagesspiegel-Fotoservice können Sie jetzt Ihre Leinwand, Kalender oder ein persönliches Fotobuch gestalten!

Tagesspiegel Fotoservice
Unser HTML/CSS Widget (statisch)