Flanieren : Das ist meine Promenade!

Man muss kein klassischer Flaneur sein, um einen Lieblingsweg zu haben. Sechs Beispiele beweisen es.

von , , , , und Gerd W. Seidemann
Das ist Kopenhagen, wie es auch Einheimischen gefällt.
Das ist Kopenhagen, wie es auch Einheimischen gefällt.Foto: laif

Im Süden flanieren sie ja täglich – rund ums Jahr. Viele Deutsche tun es nur im Urlaub. Sogar dann, wenn sie nicht in den klassischen Promenierländern wie Italien, Frankreich oder Spanien Ferien machen. Einmal auf den Geschmack gekommen, taugt fast jede Meile fürs lustvolle Herumspazieren. Unsere Autoren und Autorinnen präsentieren schöne und skurrile Wege.

Im Licht von Kopenhagen

Kopenhagen, die Bilderbuchschönheit, ist mehr oder weniger durchpromeniert von der Seejungfrau bis zum Tivoli. Aber nie schreibt jemand über die vier – künstlichen – Seen, die bogenförmig von Westen die Innenstadt abschließen. Jeder davon hat irgendeinen Namen, aber die tun nichts zur Sache. Denn man kann sie von unten oder oben angehen, man kann an den verkehrsreichen Kreuzungen zwischendurch die Richtung wechseln, immer am Wasser entlang, und ganz unten, fast schon am Hauptbahnhof, das Tycho- Brahe-Planetarium besuchen. Aber eigentlich geht es ums Licht, jenes skandinavische, ach was, Kopenhagener Licht, das eben nicht nur mit Sonne zu tun hat, sondern mit strahlender Transparenz, kantigen Schatten, sauerstoffpraller Luft und solchen immateriellen Dingen. Sie alle flitzen hier hin und her zwischen den Backsteinhäusern, werden vom Himmel zurückgeworfen, von den rasch ziehenden Wolken verändert. Mehr ist da nicht, nichts zum Shoppen, nichts zum Sitzen, nur das Gefühl, das der Promenierende mit den vielen Kopenhagenern um ihn herum, mit ihren Kindern und Hunden, teilt: so schön hier. Es sind immer nur ein paar Schritte zum Botanischen Garten, wo sich das Naturfühlen intensivieren lässt, oder zu den anderen quietschgrünen Parks der Innenstadt, und joggen lässt sich hier vermutlich gut. Ach, und natürlich hat meine Vorliebe für diesen Ort ein wenig damit zu tun, dass auch das kleine Bistro von Adam Aamann ganz in der Nähe liegt. Dort gibt es die mit Abstand besten Smørrebrøds des Planeten….

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