Flusskreuzfahrten : Anlegen in Stadtmitte

Urlaub im schwimmenden Hotel: Flusskreuzfahrten sind die bequemste Variante der Bildungsreisen.

Tobias Schormann

Warum ist es am Rhein, auf der Donau oder der Rhône so schön? Lisa Ruhnau aus Stuttgart weiß die Antwort: „Das Beste an einer Flussreise ist, dass man schön herumkommt und sich um nichts kümmern muss.“ Sie feiert gerade auf einer Rhônefahrt in die Provence ihren 70. Geburtstag mit ihrem Mann. Wie ihr geht es vielen in Deutschland: Immer mehr Ältere entdecken Flusskreuzfahrten für sich. Gleichwohl, auch jüngere Semester müssen nicht vor dieser Art des komfortablen Reisens zurückschrecken.

„Der Reiz besonders für Ältere liegt darin, dass sie auf bequeme Weise viel zu sehen bekommen“, sagt Guido Laukamp, stellvertretender Vorsitzender des Schifffahrtausschusses im Deutschen Reiseverband (DRV). „Der Vorteil beim Schiff ist ja, dass Bett und Schrank mitreisen“, erklärt der Chef der Kölner Reederei Viking. „Manche Senioren schätzen es zwar, unter sich zu sein, aber doch längst nicht alle“, sagt Laukamp. Dennoch: Auf Flussreisen liegt nach einer DRV-Studie das Alter der Fahrgäste im Schnitt bei 58,4 Jahren. Zudem hat sich der Anteil der Reisenden, die älter als 66 sind, 2007 im Vergleich zum Vorjahr von 30 auf 35 Prozent erhöht. Inzwischen sind sieben von zehn Flussurlaubern älter als 56 Jahre.

Spricht diese Entwicklung nun dafür, dass Flussreisen für jüngere Passagiere völlig „uncool“ sind? Keineswegs, auch wenn die Flussschiffe schon allein auf Grund ihrer im Vergleich zu Hochseedampfern geringen Größe auf viele Freizeitangebote an Bord verzichten müssen. Aber schließlich besteht ja auch nicht die Notwendigkeit der permanenten Unterhaltung in Form von Lern-, Sport- oder Unterhaltungsprogrammen. Immer in Ufernähe wechseln ständig die Aussichten, stets ist der Passagier irgendwie auch am Landleben beteiligt. Wenn auch „nur“ als Betrachter.

Schöne Landschaften anzuschauen, steht dabei für die meisten Passagiere an oberster Stelle, sagt Laukamp und beruft sich auf Fahrgastbefragungen von Viking. „An zweiter Stelle kommt dann die Kultur – deshalb legen viele großen Wert auf deutschsprachige Führungen.“ Dabei müssen Urlauber auch die Extra-Kosten für Ausflüge einrechnen, um die Gesamtausgaben für eine Reise realistisch einschätzen zu können. Wer die Flussreise mit einem weiteren Aufenthalt im Urlaubsland verbinden will, sollte zudem auf Verlängerungsangebote etwa in einem Hotel im Zielhafen achten.

Auf Flussfahrten lernen Passagiere laut Laukamp auch leicht andere Menschen kennen: „Die Schiffe sind ja nicht so groß, da ist alles ganz privatissimo.“ Zugleich vermittle das Reisen in der Gruppe vielen ein Stück Sicherheit, sagt Petra Quasdorf von Sea Cloud Cruises. „So muss man sich unterwegs nicht allein zurechtfinden.“ Das wissen nicht nur Ältere zu schätzen.

Klassiker sind Rhein- und Donaufahrten etwa nach Amsterdam, Wien und Budapest, wo man dann sein Hotel gleich in der Stadtmitte hat. Doch auch Fahrten in andere Regionen sind zunehmend gefragt: Neben Frankreich erhalten auch Russland und der Nil inzwischen mehr Besuch von deutschen Flussreisenden als früher. Während Jüngere oft auf diesen Reisen anzutreffen sind, sollten Ältere abwägen, ob für sie diese Ziele die richtigen sind. „Solche Fahrtgebiete sind wegen der langen Anreise und des Klimas nicht für jedermann geeignet“, sagt Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (Bagso) in Bonn. Auch müsse der Zeitpunkt der Reise je nach Urlaubsland gut überlegt sein: Während auf dem Rhein oder der Donau im Frühjahr das Wetter noch nicht immer mitspielt, sollten ältere Urlauber wegen der Hitze nicht unbedingt im Hochsommer in südliche Länder fahren.

Der Reiz der Flussreise besteht darin, komprimiert sehr viel zu sehen. „Meist steht jeden Tag eine neue Station auf dem Plan. Allerdings muss man schon fit sein, wenn man alles angucken will“, sagt Laukamp. Urlauber sollten daher vorab erfragen, wie die Ausflugsprogramme gestaltet sind. „Manchmal ist die Enttäuschung groß, wenn man an Bord bleiben muss und nicht mit kann.“

Wichtig für viele sei Deutsch als Bordsprache, sagt Julia Pengel von A-Rosa: „Die Gäste wollen sich an Bord wie zu Hause fühlen.“ Die heimische Kultur wird daher auf manchen Schiffen auch gepflegt. Deutsches Radio und Fernsehen auf der Kabine ist dabei allerdings ebenso wenig jedermanns Sache wie der Alleinunterhalter, der auf der Donau von der Nordsee singt. Doch das muss ja nicht sein. Die Auswahl an Schiffen ist groß.

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