Fotografieren : Und der Himmel knallblau

Wie mittelmäßige Urlaubsfotos nachträglich am Computer gerettet werden können.

Arnd Petry
Urlaubsfotos
Ob das Bild etwas geworden ist, sieht man oft erst am heimischen Rechner. -Foto: dpa

Ist der Urlaub vorbei, gibt es oft lange Gesichter – nicht nur, weil der graue Arbeitsalltag wieder beginnt. Sondern oft kann auch die Qualität der Urlaubsfotos nicht mit den Erinnerungen mithalten. Grund für ernsthaften Kummer ist das allerdings nicht: Viele Bildfehler lassen sich mit geringem Aufwand nachträglich beheben.

„Die Bilder vieler Urlaubsfotografen haben einen zu geringen Kontrastumfang“, sagt Klaus Vogel von der DV- Photoakademie Ludwigsburg. Gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen mit sehr hellen und sehr dunklen Bereichen – bei Gegenlicht oder in der hellen Umgebung am Strand – passiert es schnell, dass die Kamera falsch belichtet. Das ist ärgerlich, wenn das Gesicht des Fotografierten „absäuft“ und seine Augen in schwarzen Höhlen verschwinden.

Doch solche Fehler lassen sich häufig ausbügeln: „Solange die Zeichnung noch vorhanden ist, die Konturen also noch zu erkennen sind, kann man das mit herkömmlichen Bildbearbeitungsprogrammen sehr gut retten“, sagt Robert Klaßen, Trainer für Videoschnitt und Bildbearbeitung in Düsseldorf. Sind dagegen nur noch ebene schwarze oder graue Flächen sichtbar, könne auch die beste Software nichts mehr ausrichten: Bildinformationen, die der Sensor der Kamera nicht eingefangen hat, lassen sich nicht mehr hinzufügen.

„In vielen Fällen reicht es aus, mit dem Helligkeitsregler die Gesamthelligkeit des Fotos anzuheben“, rät der Computertrainer Oliver Menzel aus Hessisch Lichtenau. Ist das Foto zu hell, wird zusätzlich der Kontrast reguliert. Sollen dunkle Bereiche aufgehellt werden, rät Robert Klaßen Photoshop-Anwendern zur Funktion „Tiefenlichter“. Die hellen Bereiche des Fotos werden dann von der Umrechnung verschont.

Auch der bei minderwertigen Weitwinkelobjektiven oft auftretende Helligkeitsabfall an den Bildecken – Vignettierung genannt – lässt sich mit Bildbearbeitungssoftware beseitigen. Viele Programme haben spezielle Linsenwerkzeuge, die die Ecken gezielt aufhellen. Aber auch diese Funktion bringt nur dann etwas, wenn noch Bildinformationen vorhanden sind. Sind die Ecken völlig dunkel, bleibt nur die digitale Schere – das Bild muss beschnitten werden.

Grundsätzlich lässt sich durch die Wahl des Bildausschnittes die Wirkung vieler Aufnahmen steigern – ebenso durch seitliches Kippen oder Drehen. „Das ist die Anfangsübung für Mausschubser“, sagt Oliver Menzel. Besonders Schnappschüsse sind selten gerade.

Wirken die Farben unnatürlich, weil etwa bei Kunstlicht fotografiert und der Weißabgleich vergessen wurde, lässt sich das ebenfalls am Rechner korrigieren. Sind die Farben insgesamt matt, hilft es, den Kontrast leicht zu erhöhen. „Das sieht dann knalliger aus“, sagt Klaus Vogel von der DV- Photoakademie. „Es hat aber den Nachteil, dass man die feinen Abstufungen der Mitteltöne verliert.“ Um die Helligkeit und die Farben von Fotos am Computerbildschirm beurteilen zu können, ist es notwendig, diesen mithilfe des Bildschirmmenüs richtig einzustellen.

Auch die Schärfe eines Fotos lässt sich in Maßen verändern: Mit einer Funktion, die bei vielen Programmen „Unscharf maskieren“ heißt, können die Ränder der Bildpunkte hervorgehoben werden. Die Funktion sollte jedoch nur sehr zurückhaltend angewendet werden, sonst wird die Struktur der Pixel sichtbar – auf glatten Flächen ein unschöner Effekt. „Die Nasenspitze muss nicht unbedingt scharf sein, auf die Augen kommt es an“, sagt Vogel.

All diese Aufgaben lassen sich mit den meisten Bildbearbeitungsprogrammen – beispielsweise „Photoshop Elements“ oder „Paint Shop Pro“ – erledigen. Die Programme liegen vielfach neuen Digitalkameras bei. „Eine kostenlose Alternative ist das Open-Source-Programm Gimp“, sagt Oliver Menzel. Ein Bildbetrachter mit vielen Korrekturfunktionen, der sich ebenfalls kostenlos herunterladen lässt, ist „Irfan View“.

Damit kein weiterer Urlaub nötig wird, um die in diesem Sommer gemachten Bilder auf Vordermann zu bringen, empfiehlt Robert Klaßen ein gezieltes Vorgehen: „Schauen Sie sich die Bilder in Ruhe an und notieren Sie die Schwachpunkte.“ Erst dann sollte man zur Maus greifen – und das auch nur für Fotos, bei denen es sich wirklich lohnt. Sonst wird ein Bild nach langem Herumdoktern lediglich anders, aber nicht unbedingt besser.

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