Fünf-Sterne-Unterkunft : Hauben auf Passhöhe

Das luxuriöse Arlberg-Hospiz-Hotel hat eine lange Tradition. Schon im 14. Jahrhundert fanden frühe Reisende hier Unterschlupf. Um ide Edelherberge ranken sich noch weitere wundersame Geschichten.

Hella Kaiser

Ein paar Häuser und Hotels, hingekuschelt in den Schnee: St. Christoph am Arlberg ist kein Ort für Flaneure. Wer hier Urlaub macht, fährt Ski. Die Wege zu den Liften sind minutenkurz, erst recht für die Gäste des luxuriösen Hospiz-Hotels. Und die müssen sich auf den nicht enden wollenden Pisten ringsherum besonders viel Appetit holen, damit sie das sechsgängige Menü am Abend auch bewältigen. Windbeutel vom Junglauch, Schaumsuppe von Auberginen, Tagliatelle mit sautierten Artischocken, im Himbeersud pochiertes Wallerfilet, Zwetschken-Marzipantarte. Solche und ähnliche Köstlichkeiten werden hier serviert. Wer will schon auf einen Gang verzichten, wo die Kochkunst im Hause mit zwei Hauben von Gault Millau dekoriert ist?

Im Übrigen kann man sich’s in diesem Hotel auf 1800 Meter Höhe sehr gemütlich machen. Gediegene, bisweilen auch antike Möbel stehen in Zimmern und auf Fluren, an der Bar werden edle Tropfen in formschöne Gläser geschenkt. Bei einem Fünf-Sterne-Hotel erwartet man heutzutage einen großzügigen Wellnessbereich, aber nicht immer ist er so einladend gestaltet wie hier. Kurz, auch für verwöhnte Gäste bleiben hier kaum Wünsche offen.

Viele Stammgäste – aus München, London oder auch Luzern – finden sich hier in jedem Winter wieder ein. Nur zwischen Ende November und Anfang Mai schließlich ist das Hotel geöffnet. In der übrigen Zeit sei das Klima oft rau und unwirtlich am Arlberg, heißt es. Die Wintergäste trotzen frostigen Temperaturen mit passender Kleidung – und wärmen sich später an prasselnden Kaminfeuern wieder auf. Leicht kommt man davor miteinander ins Gespräch, es wird geplaudert – und bisweilen auch ein wenig philosophiert.

Das Erstaunlichste jedoch ist die wundersame Geschichte des Hauses. 1387 gründete der „gutherzige Schweinehirt“ Heinrich Findelkind hier die Bruderschaft St. Christoph und baute ein Refugium für jene, die sich nahe der Passhöhe in Wind und Wetter erschöpft oder verirrt hatten. Auch eine Kapelle gehörte bald zum Haus. Im Laufe der Zeit – die Bruderschaft St. Christoph war Ende des 18. Jahrhunderts durch Kaiser Josef II. aufgelöst worden – wuchs das Hospiz und wurde „Labestation“ für Reisende. Ein Gasthof früher Jahre also, in dem es mit Komfort noch nicht zum Besten stand.

1901 kamen die ersten Skifahrer und gründeten am Ort den Skiclub Arlberg. Diverse Urkunden und Trophäen im Hotel zeugen von den Erfolgen einiger Clubmitglieder, darunter etwa die Skilegenden Karl Schranz oder Trude Jochum-Beiser.

Im Januar 1957 brannte das ehrwürdige Gebäude nebst dem Kirchlein ab. Der damalige, durchaus vermögende Besitzer ließ das Hotel neu bauen und belebte auch die Bruderschaft wieder, mit deren Hilfe die Kapelle 1961 wiederhergestellt werden konnte.

Noch immer ist das Hospiz-Hotel Sitz der enorm gewachsenen Bruderschaft. „17 000 Mitglieder hat sie“, sagt Adolf Werner, Seniorchef des Hotels, stolz. 20 Euro pro Jahr zahlt jedes Mitglied, die meisten hingegen gäben „natürlich“ mehr. Im vergangenen Jahr wurden rund eine halbe Million Euro für wohltätige Zwecke, darunter Stipendien für Bedürftige oder Gelder für Unfallopfer ausgeschüttet. Auch außerhalb Österreichs helfe die Bruderschaft inzwischen. „Alles ist für den guten Zweck, ohne einen Cent Verwaltungskosten“, betont Werner, denn die Büroarbeit erledige seine Frau, ehrenamtlich, versteht sich. Eherne Regel: Wer zur Bruderschaft gehört, muss sein Abzeichen sichtbar an der Kleidung tragen. „Oh je, ich habe es heute nicht angesteckt“, seufzt die junge Chefin Daniela Pfefferkorn. Wenn ihr Schwiegervater sie jetzt erwische, müsse sie zehn Euro in die Bruderschaftskasse zahlen. „Da ist er unerbittlich“, sagt sie lächelnd.

Wer im gediegenen Hospiz-Hotel logiert, gehört zweifellos zu den sehr gut Verdienenden. Und lernt das Spenden auch ohne Mitglied in der mildtätigen Vereinigung zu sein. Vom Preis der Wasserflasche im Zimmer (4,80 Euro) fließt ein Euro an die Bruderschaft. Sie ist eben die Seele des Hotels.

Arlberg Hospiz Hotel, A-6580 St.Christoph; Telefon: 00 43 / 54 46 / 26 11, Internet: www.arlberghospiz.at; Übernachtung mit Halbpension pro Person ab 235 Euro im Doppelzimmer. Fünf Nächte zum Kennenlernen (20. bis 25. Januar) 2360 Euro für zwei Personen.

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