Reise : Für Kreuzfahrer: Containertage

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Franz Hammerbacher: Passagen.
Franz Hammerbacher: Passagen.Foto: promo

Verrückte Idee: einmal um die Welt – auf einem Containerschiff. An einem Februartag 2010 geht Franz Hammerbacher mit prall gefülltem Seesack an Bord der „Zim Ontario“.22 Mann Besatzung, vier Passagiere – und schwere Ladung. Was Hammerbacher täglich an Bord des 275 Meter langen Frachters erlebt, schreibt er in ein Tagebuch. Und entführt die Leser damit in eine spannende schwimmende Welt. „Liegt man bäuchlings auf dem Bett, fühlt man das Drehen der Turbine, den Pulsschlag des Schiffs“, schreibt er. Oder: „Durch die mit Schraubgewinden verriegelten Fensterluken der Kabinen lässt sich das Löschen und Laden der Fracht aufs Schönste verfolgen.“ Er erzählt von den Menschen an Bord, ordnet eigene Gedanken, beobachtet, philosophiert. „Alles fließt.“ Der Leser spürt, wie sich der Horizont des Passagiers weitet, wie er zur Ruhe kommt. Die Orte, an denen Ladung gelöscht wird oder neue hinzukommt, sind für Passagier und Besatzung eher bedeutungslos. „Halifax war reizend. Im Pub wird man mit ,Honey’ angesprochen“, notiert Hammerbacher. Es geht nicht um organisierte Landausflüge eines Luxusliners. Das Containerschiff hat Seele. Der Leser fährt gern mit – bis zum Ende. Hella Kaiser

Franz Hammerbacher: Passagen, Konnes Verlag, Edition Korrespondenzen, 2012, 158 Seiten,

18 Euro

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