Reise : Fußball mit Seeblick

Wie Kärnten die Europameisterschaft 2008 plant

Lucas Vogelsang

Kärnten träumt vom Sommermärchen. Von einem touristischen, das 2008 Wirklichkeit werden soll. Die Hoffnung ist groß, dass die Fußball-Europameisterschaft in Österreich (und der Schweiz) der Urlaubsregion neuen Schwung verleiht. Die Kärntner spekulieren darauf, dass aus Fußballfans, die vorher wahrscheinlich kaum auf die Idee gekommen wären, zum Wandern oder Nordic Walking an den Wörthersee zu fahren, Kärntenliebhaber werden. Urlauber, die wiederkommen, wenn der Fußballzirkus längst weitergezogen ist. „Kärnten soll Urlaubs- und Fußballland werden“, sagt Martin Doblhammer von der Kärnten- Werbung.

Dafür wurde in den vergangenen Jahren kräftig investiert. Schließlich haben die Nachbarn aus Deutschland die Messlatte mit der Weltmeisterschaft 2006 sehr hoch gelegt. „Besser als Deutschland kann man sich als Gastgeber fast nicht präsentieren“, gibt Doblhammer zu. Doch auch Kärnten will zeigen, dass das Bundesland mehr zu bieten hat als nur gutes Wetter und Postkartenidylle.

In Klagenfurt wurde extra zur Europameisterschaft (EM) für mehr als 50 Millionen Euro eine neue Spielstätte investiert, die dem Großereignis gerecht werden soll. Das „Wörthersee-Stadion“ bietet Platz für 32 000 Zuschauer, ist optisch der Allianz-Arena in München nachempfunden – und ein finanzielles Vabanquespiel. Denn nach der EM wird das Stadion, in dem ohnehin nur drei Gruppenspiele ausgerichtet werden, aller Voraussicht nach auf 12 000 Plätze zurückgebaut. Der heimische FC Kärnten dümpelt schließlich am Tabellenende der zweithöchsten österreichischen Liga. Der gesamte Oberring soll nach der EM deinstalliert, verpackt und in anderen Stadien Österreichs weiter verwendet werden. „Wir würden nach der Euro 2008 niemals 32 000 Zuschauer in das Stadion kriegen, dafür ist Klagenfurt mit 97 000 Einwohnern einfach zu klein“, erklärt Veronika Meißnitzer von der Stadt Klagenfurt.

Während des Turniers rechnet man in der kleinen Stadt jedoch erst einmal mit ausverkauftem Haus, vollen Rängen und mehr als 100 000 Fans. Neben dem Stadion wird eine Fan- und Feiermeile mit Großbildschirmen eingerichtet. „Und wem das nicht reicht, der ist in maximal drei Stunden in jeder anderen großen österreichischen Stadt“, meint Martin Doblhammer. Oder eben in ein paar Minuten mitten in der Natur.

Fußball mit Seeblick, so könnte man das neue Tourismuskonzept in Kärnten umschreiben. Auch nach der EM, wenn die Fangesänge in den Bergen verhallt sind, soll der Ballsport die Urlauber ins neue Fußballland Kärnten locken. Große Namen werden, so der Plan, dabei die Leere nach dem Großereignis füllen, damit die Begeisterung nicht gleich verpufft. Die Nationalmannschaft von Ghana durfte bereits zur Vorbereitung auf die WM in Deutschland vor der Berge-und-Seen-Kulisse trainieren. Mithilfe des ehemaligen Bundesliga-Stürmers und österreichischen Nationalspielers Toni Polster wurden auch schon Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln an den Wörthersee geholt. Und immer wieder sollen Blitzturniere mit internationalen Topteams ausgerichtet, der „Kärnten-Cup“ als Sommerevent etabliert werden.

Der Plan ist leicht nachzuvollziehen: Erst kommen die Mannschaften, dann die Fans. Und die kehren mit der ganzen Familie zurück. Theoretisch zumindest. Die Kinder könnten sich dann im Abenteuer-Fußballcamp austoben, während die Eltern zum Wandern in die Berge ziehen. Lucas Vogelsang

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