Reise : Golden wie die Wahrheit

Wer Informationen aus erster Hand etwa über Birma sucht, kann sich in Globetrotter-Foren umhören

Volker Klinkmüller

Wer Gewissheit über die Reisemöglichkeiten in ein Land gewinnen will, sollte sich nicht allein auf Medienberichte oder die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts verlassen. Die einschlägigen Globetrotter-Foren im Internet zum Beispiel bieten aktuelle, interessante und oft auch die verlässlichsten Informationen über die tatsächliche Situation eines Reiseziels. Das gilt besonders für Myanmar, das binnen eines Jahres sogar gleich zweimal für Negativschlagzeilen gesorgt hat. Wobei sich darüber spekulieren lässt, ob die brutale Niederschlagung des Volksaufstands der Mönche durch die Militärregierung im Herbst 2007 die schlimmeren Auswirkungen auf den Tourismus gehabt hat – oder die im Mai dieses Jahres über das Land in Gestalt des Wirbelsturms „Nargis“ hereingebrochene Naturkatastrophe mitsamt ihrer unsäglichen Handhabung durch die Machthaber…

Fest steht, dass das „Goldene Land“ nach wie vor als das wohl reizvollste und ursprünglichste Urlaubsziel Südostasiens gelten darf. Gespickt mit imposanten Monumenten und spannenden Mythen, garantiert jede Reiseroute eine Fülle exotischer Eindrücke und Erkenntnisse.

Neben mythischen Heiligtümern und faszinierenden Naturwundern sind es aber vor allem die hier lebenden Menschen, die diesem Land seine magische Anziehungskraft verleihen. Genau das spiegelt sich auch in den Internet-Foren der Globetrotter wider. Da lässt sich nachlesen, welche wundervollen zwischenmenschlichen Erlebnisse Besuchern widerfahren, die sich gerade in harten Zeiten wie diesen in das ehemalige Birma aufmachen. Jeder westliche Ausländer spürt umgehend, wie sehr er als Botschafter von Hoffnung und Solidarität geschätzt wird, als unzensierte Informationsquelle – und natürlich auch als wertvoller Gast, dessen Anwesenheit die Existenz ganzer Familien sichern kann. Deshalb enden Internet-Einträge nicht selten mit einem warmherzigen Appell, das Land unbedingt zu bereisen und das Geld dabei vorwiegend in privat geführten Hotels, Restaurants und Geschäften auszugeben.

Der große Reiz von Myanmar entfaltet sich aber nicht zuletzt auch dadurch, dass es im Vergleich zu seinen boomenden Nachbarländern – nach Thailand kamen vergangenes Jahr fast 15 Millionen, nach Vietnam mehr als vier Millionen Besucher – in keiner Weise überlaufen wirkt. Wie denn auch, bei einer Einreise von gerade mal 136 500 Ausländern? Eine Zahl, die dieses Jahr sogar noch erheblich sinken dürfte – zumal die Veranstalter von bis zu 90 Prozent Einbußen sprechen. „Bei uns sind die Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr um rund 50 Prozent eingebrochen“, räumt Christian Mosebach, Geschäftsführer von Myanmar-Reisen, ein. Als einziger Veranstalter bundesweit hatte sich das Hamburger Unternehmen ausschließlich auf das ehemalige Burma spezialisiert – und sah sich gezwungen, sein Reiseangebot nun auch auf die Nachbarländer zu erweitern. Grundsätzliche Bedenken zu Myanmar gebe es bei seinen Anrufern inzwischen allenfalls im Nebensatz, sagt Mosebach. Erfreulich nachgefragt seien Ziele jenseits gängiger Reiserouten – wie das abgelegene Rakhine an der Westküste, Putao im hohen Norden oder der geheimnisvolle Myeik-Archipel im Süden. „Denn wer schon einmal in Myanmar gewesen ist, weiß, warum er wieder dorthin will – und lässt sich kaum davon abbringen.“

Die touristische Infrastruktur jedenfalls ist durch die Ereignisse der vergangenen zwölf Monate in keiner Weise beeinträchtigt. Das gilt für die Hauptreiseziele Rangun, Mandalay, Bagan und den Inle-See, aber auch für den Rest des Landes. Ausgenommen ist das Irrawady-Delta: Es hat die schwersten Zerstörungen erlebt, für Touristen allerdings bisher ohnehin kaum eine Rolle gespielt.

Nach wie vor beginnen fast alle Myanmar-Reisen in der ehemaligen Hauptstadt Rangun, die die Medien nun gern als „Hafenmetropole“ bezeichnen. Hier lassen sich die Sturmschäden noch an etlichen Gebäuden erkennen. Touristen jedoch äußern immer wieder, dass sie angesichts der verheerenden Medienberichte mit weitaus schlimmeren Eindrücken gerechnet hätten. Wer die Stadt schon kennt, dürfte vor allem das üppige Grün der uralten Straßenbäume vermissen, die Nargis in großer Zahl zersplittern ließ. Die goldene Shwedagon-Pagode – das Wahrzeichen der Stadt sowie des gesamten Landes – wird zwar in den nächsten Monaten umfassend saniert, bleibt jedoch für Besucher weiterhin geöffnet.

Vielerorts wurden die ruhigen Monate genutzt, um Urlauberunterkünfte zu renovieren. Am Palmenstrand von Ngapali entsteht sogar – unter Beteiligung deutscher Investoren – ein weiteres, schickes Strandresort, das 2009 mit 25 Bungalows eröffnen soll. Auch die Flotte der nostalgischen Flusskreuzer, mit denen man das Land romantisch über seine Wasserwege erkunden kann, wurde für die Hochsaison aufpoliert. Die Schiffe der Pandaw-Flotte hatten unter ausländischem Management sogar Hilfseinsätze im Katastrophengebiet gefahren. Der beliebte, einst in Deutschland gebaute Luxuskreuzer „Road to Mandalay“ jedoch ist vom Wirbelsturm im Trockendock so sehr beschädigt worden, dass er erst wieder für die Hochsaison 2009/10 zur Verfügung stehen wird. Längst hat sich noch nicht überall herumgesprochen, dass der Zwangsumtausch von 300 US-Dollar für ausländische Touristen schon vor vielen Jahren abgeschafft worden ist.

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