Reise : Größer geht immer

Neue Mega- und Luxusresorts für Mallorca – mit viel arabischem Geld

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Beliebt bei Briten – der Strand von Magaluf. Die Hotels stammen vor allem aus den 70er Jahren. Foto: mauritius images/image broker
Beliebt bei Briten – der Strand von Magaluf. Die Hotels stammen vor allem aus den 70er Jahren. Foto: mauritius images/image brokerFoto: mauritius images / imagebroker

Das kommt der vor gut 100 Tagen neu gewählten konservativen Balearenregierung gerade recht: Binnen 48 Stunden wurden jetzt auf Mallorca gleich drei Vorhaben riesiger Hotelanlagen präsentiert. Schließlich hat sich der neue Tourismusminister Carlos Delgado, der als Bürgermeister von Calvià nach Medienberichten in zahlreiche Skandale verstrickt gewesen sein soll, die „Förderung privater Initiativen“ auf die Fahne geschrieben. Gleichwohl ließ es sich Regierungschef José Ramón Bauzá nicht nehmen, bei der Vorstellung des spektakulärsten Projekts höchstselbst anwesend zu sein: In der insbesondere von Briten gern besuchten „Urbanisation“ Magaluf bei Calvià will der Melià-Hotelkonzern 134 Millionen Euro in ein Megaresort investieren. Nahezu zeitgleich wurden in Port de Sóller und in Son Servera Anlagen für den gehobenen Geschmack und etwas größeren Geldbeutel der Öffentlichkeit präsentiert.

Die spanische Kette Melià Hotels International wird in Magaluf im Westen der Bucht von Palma sechs bestehende Häuser der Gruppe zum neuen „Sol Calvià Resort“ ausbauen. Gabriel Escarrer jr., Vizepräsident von Melià, ließ den Regierungschef wissen, die Investition sei ein „Dankeschön an Mallorca“. Immerhin hatte sein Vater auf der Insel 1956 den Grundstein für das Imperium von etwa 300 Hotels mit 76 000 Zimmern in 26Ländern gelegt. Das Unternehmen erzielte 2010 bei einem Umsatz von 1,25 Milliarden Euro stolze 50,1 Millionen Euro Reingewinn. In Deutschland führt die Gruppe 22 Hotels, unter anderem eins in der Berliner Friedrichstraße.

In Magaluf dreht das Unternehmen nun ein ganz großes Rad. Geplant ist, im Laufe der kommenden acht Jahre die Hotels Sol Antillas Barbados, Mallorca Beach, Royal Beach, Sol Trinidad, Sol Guadalupe und Sol Jamaica – alle aus den 1970er Jahren – in einem Komplex zusammenzulegen und insgesamt auf ein Vier-Sterne-Niveau zu heben. In einer ersten Phase sollen zunächst die Hotels Royal Beach und Mallorca Beach saniert werden. Im Rahmen des Projekts sieht die Stadtverwaltung auch die Neugestaltung von Promenaden und Einkaufszonen vor.

Schon im kommenden März soll an der Nordküste, auf den Klippen hoch über Port de Sóller gelegen, ein Fünf-Sterne- Plus-Haus der in Dubai ansässigen Hotelgruppe Jumeirah eröffnen. Das „Jumeirah Port Sóller“ als deutsch-arabisch-mallorquinisches Gemeinschaftswerk wird ein Haus der Luxusklasse sein, mit 120 Zimmern (das kleinste soll 50 Quadratmeter groß sein) und Preisen in der Hochsaison zwischen 600 und 800 Euro – ohne Frühstück, versteht sich. Insgesamt neun Gebäude werden sich auf 18 000 Quadratmeter verteilen. Pro Zimmer stehen nach Angaben des Direktors Fernando Gibaja rechnerisch fast zwei Mitarbeiter zur Verfügung. Der europäische Schnitt im Fünf- Sterne-Bereich liege bei einem Mitarbeiter pro Zimmer, in der traditionellen Hotellerie seien es lediglich 0,5 bis 0,7 Angestellte. Als Gäste werden zu 40 Prozent Deutsche, 25 Prozent Briten und zehn Prozent Skandinavier erwartet. Hinzu kommen Araber und Russen.

Nach der Vollendung des Hotels werden vor allem die politisch Verantwortlichen in Sóller aufatmen. Sie könnten dann einen Dauerschandfleck als beseitigt ansehen. Wegen vielfältiger Schwierigkeiten von Investoren und bürokratischen Fußangeln hatte mehr als ein Jahrzehnt ein Rohbau die Klippe oberhalb des Hafens verunziert. Eigentümer und Investor in Sóller ist die deutsche Deka Immobilien GmbH. Sie hatte die Baustelle 2007 erworben und konnte schließlich als Betreiber den arabischen Jumeirah- Konzern gewinnen. Die Investmentkosten belaufen sich den Angaben zufolge auf 40 Millionen Euro. Das neue Haus wird nach London, Frankfurt am Main und Baku (Aserbaidschan) das vierte Hotel der Gruppe in Europa sein.

Auch der Osten der Insel bekommt seinen neuen touristischen Segen ab, ebenfalls aus einer arabischen Geldschatulle. In Canyamel (Capdepera) engagiert sich die Königsfamilie von Katar mit rund 100 Millionen Euro. Die für 2014 geplante Luxusanlage in der Urbanisation Atalaya soll einem traditionellen mallorquinischen Dorf nachempfunden sein. Als Betreiber wird die Global Hyatt Corporation genannt.

Nach den vorliegenden Plänen sind auf einem fünf Hektar großen Gelände mit nahem Goldplatz 142 Apartments sowie ein Konferenzzentrum vorgesehen. Unterstützt wird das Projekt zudem von der konservativen Landesregierung um Balearen- Premier José Ramón Bauzá, der sich durch den Bau der Hotelanlage 200 bis 300 neue Arbeitsplätze in der als wirtschaftlich benachteiligt geltenden östlichen Inselhälfte verspricht. Im November stehen nationale Wahlen an, da werden schließlich gute Nachrichten gebraucht.

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