Grútas, km 1370 : Steinpilzreich

Der frühere Kolchos-Direktor Viliumas Malinauskas ist mit Pilzen so reich geworden, dass er einen Park anlegen konnte, in dem er die ausrangierten Sowjet-Statuen aus Litauens Städten versammelt hat - als Mahnung an jene Zeiten.

Grutas_Malinauskas Foto: Stefan Jacobs
Mahnung: Der litauische Pilzzüchter Viliumas Malinauskas vor einem der Denkmale, die abschrecken sollen. Sein Vater war sechs...Foto: Stefan Jacobs

GrútasDer frühere Kolchos-Direktor Viliumas Malinauskas ist in den 90ern mit Pilzen so reich geworden, dass er für zwei Millionen Euro einen Park anlegen konnte, in dem er die ausrangierten Statuen von Lenin, Stalin & Co. aus Litauens Städten versammelt hat - als Mahnung an jene Zeiten, in denen sein Land und auch seine Familie gelitten haben. Das nach Vorbild der sibirischen Gulags von Stacheldraht und Wachtürmen umschlossene Terrain befindet sich im Wald, gleich neben dem Domizil der Familie Malinauskas, einem großen Einfamilienhaus mit reichlich Platz für Senior und Frau, zwei ihrer drei Kinder plus Partner und fünf Enkel. Im Parterre sitzt die Verwaltung der Pilzfirma - und kämpft mit neuen Widrigkeiten.

Wer in Deutschland Pfifferlinge oder Steinpilze im Spankörbchen kauft, kauft meist bei Malinauskas. 700 Saisonarbeiter brauchte der, sobald warmer Regen und Sommersonne die Pilze aus dem Erdreich locken. Doch die zu finden, ist schwer. Viele Litauer sind ausgewandert."Womöglich müssen wir das Pilzgeschäft aufgeben", sagt der 65-Jährige und schickt einen Fluch auf die neuen Zeiten hinterher. Er hat noch Beeren im Angebot und Schnecken. Die haben es nicht ganz so eilig.

Der Weg der Pilze aber führt vom privaten Sammler aus den Wäldern zum Zwischenhändler. Der zahlt dem Privatmann vielleicht drei Euro und kassiert bei Malinauskas vier. Hier wird die Ware binnen Stundengeputzt, sortiert, verpackt. Dann ab auf die lausigen Straßen Polens, um ja pünktlich in Deutschland zu sein. "Wenn eine Handelskette eine Werbeaktion macht und der Lkw kommt drei Stunden zu spät, stehen wir ohne Hose da", sagt Malinauskas. Und zum Preis: Er erhalte knapp fünf Euro für ein Kilo, das in Deutschland zehn koste.

Die Europäische Union ist für ihn ein Verein, von dem man kein Geld nimmt. Ob er es nicht haben will oder nicht bekommt, bleibt unklar. Die Nutznießer der neuen Freiheit sollen ihm gestohlen bleiben: Wer sich als Junger davonmache, solle dem Staat als Alter nicht zur Last fallen. Ob er Angst hat um sein Land? "Sonst würde ich nicht so reden." Stefan Jacobs

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