Günstige Wechselkurse : Die Währung ist das Ziel

Der starke Euro macht Reisen in Dollarländer billiger. Touristen aus den Vereinigten Staaten schreckt die starke EU-Währung von einem Urlaub in Deutschland ab. Sie reisen stattdessen lieber in die Länder Mittel- und Osteuropas.

Caroline Turzer[AFP]
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Schönes Panorama bei der Fahrt mit dem "Denali Star" in Alaska. -Foto: dpa

Der starke Kurs des Euro gegenüber dem amerikanischen Dollar beeinflusst nicht nur die Exportwirtschaft, sondern auch das Reiseverhalten auf beiden Seiten des Atlantiks. Während die deutschen Reisebüros hohe Zuwächse bei den Buchungen in die USA und andere Länder verzeichnen, die in US-Dollar abrechnen, schreckt die starke EU-Währung Touristen aus den Vereinigten Staaten von einem Urlaub in Deutschland ab. Sie reisen stattdessen lieber in die Länder Mittel- und Osteuropas, wo der Dollar noch vergleichsweise hohe Kaufkraft hat. Die Deutschen profitieren dagegen bei Einkäufen, Restaurantbesuchen und Eintritten in den USA vom starken Euro. Entsprechend werden verstärkt Reisen in die Vereinigten Staaten gebucht.

Zwischen Mai und Oktober dieses Jahres stiegen die Abflüge deutscher Reisender in die USA um rund acht Prozent, wie der Deutsche Reiseverband (DRV) unter Berufung auf eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erklärt. Veranstalter, die auf USA-Reisen spezialisiert seien, verzeichneten oft sogar Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich bei den Vorausbuchungen für die Wintersaison und den kommenden Sommer, sagt DRV-Sprecher Torsten Schäfer. Aber auch Reisen nach Thailand, in die Karibik und auf die Malediven stiegen auf der Beliebtheitsskala, weil diese Länder stark an die US-Währung gekoppelt und entsprechend preisgünstig für Eurobesitzer seien.

Gerade bei den Nebenkosten im Urlaub mache sich die starke europäische Währung bemerkbar: „Eintritte ins Theater, Elektronikartikel oder Restaurantbesuche sind für deutsche Urlauber billiger“, sagt Schäfer. Aber auch bei den Preisen für die Reise selbst habe der Euro Einfluss. „Wir können in großen Volumina in den USA einkaufen und deshalb attraktive Veranstalterpreise anbieten“, sagt Nina Kreke vom Reiseveranstalter Thomas Cook in Oberursel. Nach Angaben Krekes bewegt sich der Zuwachs bei USA-Reisen im zweistelligen Prozentbereich. Auch Reiseveranstalter wie Tui oder Dertour verzeichnen nach eigenen Angaben eine „erfreulich positive Entwicklung“.

Eine Statistik der US-Tourismusbehörde OTTI zählte für die ersten sechs Monate dieses Jahres 688 000 deutsche Besucher in den USA. Das sind 7,4 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2006. Von der anderen Seite des Atlantiks kommen dagegen weniger Gäste. Nach Angaben des US-Auto- und -Tourismusverbands AAA sank die Zahl der US-Reisenden nach Deutschland von Januar bis Juli um 7,7 Prozent.

Stattdessen reisen die US-Bürger verstärkt in mittel- und osteuropäische Länder, die nicht den Euro als Währung haben. Reisen nach Kroatien und Ungarn stiegen um rund 70 Prozent im ersten Halbjahr 2007, in Rumänien versiebenfachten sich die Buchungen von US-Touristen sogar.

Der Dollarkurs allein ist jedoch nicht ausschlaggebend für die Reiseentscheidung der Amerikaner. Im Gegensatz zu Deutschland stiegen nämlich die Buchungen in die Euroländer Frankreich und Italien trotz der starken Währung weiterhin an – wenn auch verhaltener als in früheren Jahren. „Frankreich und Italien mit den Dauerbrennern Paris und Rom sind immer noch die bevorzugten Ziele der US-Bürger. Doch viele Touristen haben sich auch dafür entschieden, in Länder zu reisen, wo der Dollar mehr Kaufkraft hat und weniger Menschen sind“, sagt die Vizepräsidentin von AA Travel, Sandy Hughes.

Der diesjährige Rückgang der Besucher aus den USA in Deutschland hat nach Ansicht von Marktforscher Joachim Scholz von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) auch mit den guten Zahlen des vergangenen Jahres zu tun. 2006 habe die Fußball-WM in Deutschland zu einem starken Anstieg geführt. „Ich glaube nicht, dass sich die Mehrheit durch den starken Euro langfristig von Reisen nach Deutschland abhalten lässt“, sagt er. Die USA-Reiselust der Deutschen wird nach Einschätzung der Experten vorerst weiter anhalten: Die Buchungen für Winterziele wie etwa Florida seien gut angelaufen, der positive Trend setzte sich also erkennbar fort. Caroline Turzer, AFP

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