Gütesiegel : Ein Strand macht noch kein Seebad

Gütesiegel sollen Erholungssuchenden die Auswahl des Kurortes erleichtern. Doch es gibt verwirrend viele Labels.

Claudia Schuh
„Seeheilbad“, ein Titel, mit dem sich nicht jeder Ort am Meer schmücken darf. Zingst auf dem Darß hingegen wurde es offiziell erlaubt. Doch nicht allein wegen seiner Seebrücke.
„Seeheilbad“, ein Titel, mit dem sich nicht jeder Ort am Meer schmücken darf. Zingst auf dem Darß hingegen wurde es offiziell...Foto: Kur- und Tourismus GmbH Zingst/Sarah Kunze

Kirchberg im Bayerischen Wald ist ein „Erholungsort“. Die oberbayerischen Gemeinden Kochel und Walchensee nennen sich „Luftkurort“. Bad Tölz und Bad Heilbrunn sind sogar „heilklimatische Kurorte“. Wer soll da noch durchblicken? Derzeit gibt es rund 350 Heilbäder und Kurorte in Deutschland, davon sind 244 Mitglieder im Deutschen Heilbäderverband organisiert.

Heilbäder und Kurorte sind „Kompetenzzentren für die Gesundheit“. Merkmale der Orte: „Hier werden natürliche Heilmittel des Bodens, Wassers oder Klimas und traditionelle Heilverfahren angewandt“, heißt es auf der Homepage des Verbandes. „Zudem bieten die Orte reizvolle Landschaften und saubere Luft, ein vielseitiges Angebot an Freizeitaktivitäten, ausgesuchte Kunst- und Kulturangebote, die Möglichkeiten einer vielschichtigen gesunden Ernährung und eine angemessene Infrastruktur.“

Kurorte unterteilen sich in sieben Kategorien: Heilbad, Kneippheilbad, Kneippkurort, Schrothheilbad, Schrothkurort, heilklimatischer Kurort und Luftkurort. Über die Anerkennung entscheidet in manchen Bundesländern, etwa in Bayern, das Innenministerium, gemeinsam mit dem Fachausschuss für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen, dem auch Mediziner, Chemiker und Meteorologen angehören. In anderen Ländern kümmert sich das Wirtschafts- oder Gesundheitsministerium darum.

Die Einhaltung der Kriterien wird alle paar Jahre kontrolliert

Was sagen diese Labels eigentlich aus? Und was bringen sie letztlich dem Urlauber? „Die Gütesiegel helfen Urlaubern bei der Orientierung“, sagt Claudia Gilles, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbandes. Gemeinsam mit dem Deutschen Heilbäderverband hat der Verband vor mehr als 50 Jahren diese Prädikate geschaffen. „Sie verpflichten die Orte, gewisse Qualitätsstandards einzuhalten, die in einem Kriterienkatalog festgeschrieben sind“, erklärt Gilles.

Die Einhaltung der Kriterien wird alle paar Jahre aufs Neue kontrolliert. Die Anforderungen steigen mit jeder Stufe: klimatische und lufthygienische Voraussetzungen, genügend Ärzte und Gesundheitsangebote sowie touristische Einrichtungen wie Schwimm- oder Hallenbäder, Kneippeinrichtungen, aber auch Lesesäle.

Ganz ähnlich funktioniert das auch an der Küste: Nicht jeder Ort, der an der See liegt, darf sich automatisch „Seebad“ nennen, sagt Martin Lohmann vom Kieler Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa. Um dieses Prädikat zu erhalten, darf das Zentrum des Ortes nicht mehr als zwei Kilometer vom Strand entfernt liegen. Daneben braucht es medizinische Einrichtungen, um eine medizinische Kur zu gewährleisten. Außerdem müssen Luft- und Wasserqualität die Erholung und Genesung der Reisenden unterstützen. Auch ein Kurarzt und touristische Infrastruktur wie Parks und Strandpromenaden sind vorgeschrieben.

Strenger sind die Kriterien für die Vergabe des Titels „Seeheilbad“. So müssen an diesen Orten auch Heilmittel wie Meersalz oder Meeresschlick vorhanden sein. Es wird eine noch bessere touristische Infrastruktur erwartet und mindestens eine Badearztpraxis.

0 Kommentare

Neuester Kommentar